Viersen: 15-jährige Iuliana erstochen - zehn Jahre Haft für Täter gefordert

Mädchen in Viersen erstochen : Staatsanwalt fordert Höchststrafe für Iulias Ex-Freund

Die 15-jährige Iulia soll von ihrem Ex-Freund im Juni im Casinogarten in Viersen erstochen worden sein. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger fordern im Schlussplädoyer zehn Jahre Haft. Das Urteil fällt am Mittwoch.

Nach einer tödlichen Messerattacke auf ein 15-jähriges Mädchen in Viersen hat die Staatsanwaltschaft am Montag vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Mönchengladbach die Höchststrafe  gefordert – eine Verurteilung wegen Mordes. Dies würde für den inzwischen 18-jährigen Ex-Freund des Opfers zehn Jahre Haft bedeuten. Die Eltern von Iulia, die im Prozess als Nebenkläger auftreten, schlossen sich dem an. Die Verteidigung plädierte dafür, dass der Richter den Fall als „minderschweren Fall des Totschlags“ wertet. Die Höhe des Strafmaßes legten sie in die Hand des Gerichts. Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden.

Der Fall bisher: Staatsanwalt Stefan Lingens warf dem zur Tatzeit 17-Jährigen beim Prozessauftakt im Dezember vor, am 11. Juni die 15-jährige Iuliana – genannt Iulia – mit Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper getötet haben. Das Mädchen habe sich einige Tage vor der Tat von dem Angeklagten getrennt. „Er hat sie – man kann sagen – als seinen Besitz betrachtet und ihr gesagt, entweder du bist mit mir zusammen oder mit keinem. Das war letztlich die Motivation für die Ermordung“, sagte Staatsanwalt Lingens. Als der Angeklagte gehört habe, dass das Mädchen einen neuen Freund habe, sei das ihr Todesurteil gewesen. Seine Tat soll er per Whats-App und Facebook angekündigt haben.

Die Eltern des getöteten Mädchens waren beim Prozessauftakt anwesend. Sie treten als Nebenkläger auf. Die Verteidigerin des Angeklagten las eine fünfseitige Erklärung des Angeklagten vor. Derzufolge hat der 18-Jährige am Tattag und an den Tagen zuvor Kokain konsumiert. Im Casinogarten in Viersen habe er sich mit Iulia aussprechen wollen. Nach RP-Informationen hieß es in der Erklärung: „Ich habe Iulia wirklich geliebt.“ In ihrer Beziehung habe er ihr auch Regeln gegeben, mit denen sie einverstanden war. Zum Beispiel, keine Jungs als Freunde zu haben und keine Schminke zu verwenden. Er sei nicht immer mit ihrem Lebenswandel einverstanden gewesen.

Am Morgen der Tat habe er ein Messer aus der Küche eines ­Freundes eingesteckt. „Wegen ihr, damit sie ein wenig Angst kriegt. Ich wollte, dass sie mit mir spricht.“ Auf ihrem Handy habe er dann gesehen, dass sie Kontakt zu einem anderen Jungen gehabt habe. Sie habe ihn provoziert, und er habe sie mit dem Messer am Oberschenkel verletzen wollen. Er habe wohl einmal zugestochen, an weitere Stiche erinnere er sich nicht. Er könne sich das nicht erklären, auch wenn er im Streit schon mal davon gesprochen habe, sie mit dem Messer zu töten.

„Die Einlassungen des Angeklagten haben die Eltern des Opfers sehr enttäuscht. Dieses Zerrbild können sie auf keinen Fall akzeptieren“, sagt der Viersener Anwalt Steffen Hahn, der die Eltern in der Nebenklage vertritt. Der Täter habe kaum etwas zugegeben.

Der Viersener Anwalt Helmuth Jennrich und die Mönchengladbacher Anwältin Marie-Helen Lingnau vertreten den zur Tatzeit noch 17-Jährigen vor Gericht. „Er bereut die Tat ganz klar. Es tut ihm seit der ersten Minute Leid“, sagte Marie-Helen Lingnau beim Prozessauftakt. Den Verteidigern geht es vor allem um die rechtliche Wertung der Tat. Die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe seien zu verneinen, so Jennrich. Sollte das Gericht den Verteidigern folgen, wäre eine Verurteilung wegen ­Totschlags und eine geringere Jugendstrafe möglich. Sollte der 18-Jährige wegen Mordes verurteilt werden, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kerzen und Blumen für getötete Viersenerin

(saja/se/mrö)
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