Viersen: "10 Jahre Kunstgenerator" in der Städtischen Galerie

Ausstellung in Viersen : Zehn Jahre aufstrebende Kunst

Die Städtische Galerie zeigt Werke von Künstlern, die in den vergangenen Jahren Stipendiaten des „Kunstgenerator“ der Stadt und der NEW waren. Am Sonntag wird die Ausstellung eröffnet.

Diese Ausstellung regt zu Erinnerungen an: Regelmäßige Besucher der Städtischen Galerie werden mit vielen „Ahs“ und „Ohs“ durch die Räume schlendern, in denen Exponate der Kunstgenerator-Stipendiaten die Arbeit der vergangenen zehn Jahre wieder ins Gedächtnis rufen wird.

Fleur Stoecklin war 2008 die erste Künstlerin, die – ausnahmsweise nur für ein halbes Jahr – ihr Atelier in der Alten Lateinschule bezog. Gern erinnert sie sich an die Zeit in Viersen: „Das Stipendium gab mir viel Power. Alles wurde für einen gemacht – das war schon sehr gediegen.“

Die erste Stipendiatin Fleur Stoecklin im Gespräch mit Garvin Dickhof von der Galerie im Park. Foto: Knappe, Jšrg (jkn)

Tanja Muschwitz, damals Leiterin der Kulturabteilung, gilt als die „Mutter“ des Stipendiums. Gemeinsam mit Frank Kindervatter von der NEW heckte sie die Idee eines von der Stadt Viersen und der NEW Viersen GmbH finanzierten Stipendiums aus, das jungen Künstlerinnen und Künstlern, die durch deutsche Kunsthochschulen vorgeschlagen werden, die Möglichkeit gibt, sich ein Jahr lang finanziell abgesichert ihrer Kunst widmen zu können. Eine Einzelausstellung mit Katalog und ein möglicher Ankauf einer Arbeit runden das Stipendium ab. In den vergangenen Jahren hat sich die Idee zu einem großen Erfolg entwickelt.

„10 Jahre Kunstgenerator“: Im Bild zu sehen ist die erste Stipendiatin Fleur Stoecklin bei Vorbereitungen zur Ausstellung. Foto: Knappe, Jšrg (jkn)

Insgesamt 468 Bewerbungen sind in den Jahren seit 2008 in Viersen eingegangen, hat Jutta Pitzen, Leiter der Städtischen Galerie, nachgezählt. Waren es zu Beginn noch 15, steigerte sich die Zahl auf über 60. Ein hochkarätige Jury aus Kunstwissenschaftlern sowie Vertretern der Stadt und der NEW haben Fleur Stoecklin, Stefanie Klingemann, Melanie Grocki, Katerina Kuznetcowa (die gemeinsam mit Alexander Edisherov arbeitet), Jan-Michel Harmening, Juliane Schmidt, Katja Kottmann, Lukas Schmenger, Nina Nowak und Ferdinand Uptmoor ausgewählt.

Zur Feier der zehn Jahre zeigen die Künstler Werke aus der Viersener Zeit, sowie aktuelle Arbeiten.

Für künstlerische Überraschungen war (und ist) das Künstlerpaar Kuznetcowa und Edisherov immer gut. Sie fotografierten echte und vorgetäuschte Skulpturen in Viersen wie Strohballen auf der Wiese oder einen rot strahlenden Bogen zwischen Platanen und machten daraus den etwas anderen „Viersener Bilderbogen“. Ihre aktuelle Arbeit ist der „Propagandahund“: ein sehr großer Leuchtkasten, der wie eine Spielente (oder eben –hund) hinter sich hergezogen werden kann. Dabei ertönt – gesungen von einem osteuropäischen Kinderchor – schrille Propagandamusik.

Von ihrem Atelier aus beobachtete Juliane Schmidt den Parkplatz. Die Künstlerin mit der großen Affinität zur Musik, erstellte daraufhin das „Parkplatzklavier“, ein Film über die Veränderung auf dem Parkplatz, der wie eine Klaviatur erscheint. Nun zeigt die erfolgreiche Dresdnerin ein neues Video mit dem Titel „Geister“, in dem sie eine Parkbank ins Visier nimmt, auf der schemenhaft Menschen auf- und abtauchen.

Melanie Grocki ist sich in der Weiterentwicklung ihrer begeisternden Zeichnungen treu geblieben. In ihrer aktuellen Arbeit zeigt sie die Kombination zwischen strengen regelmäßigen Strukturen und freier Malerei.

Ebenso stetig in der Veränderung zeigt sich Katja Kottmann: Von ihr stammt die blaue Himmels-Fahne auf dem Dach der Lateinschule. Nun präsentiert sie 80 Dias des Himmels, den sie ein Jahr lang beobachtet hat.

Mit gemalten Socken auf wertvollen Teppichen überraschte Ferdinand Uptmoor die Viersener. In der aktuellen Ausstellung zeigt er faszinierende Landschaftsbilder sowie „Sarajewo“: den Moment, in dem Erzherzog Franz Ferdinand ermordet, ein Attentat, das zum 1. Weltkrieg führte. Als Stefanie Klingemanns Stipendium zu Ende ging, konnte man in Viersen einen Bus mit ihrem ungewöhnlichen Konterfei entdecken. Für Sonntag plant sie eine Eisskulptur – man darf gespannt sein. Der Mensch interessiert Lukas Schmenger. Den Kopf setzt er plastisch und malerisch um. Ein großformatiges neueres Bild verbindet auf verblüffende Weise Malerei und Zeichnung und lässt ein Paar schemenhaft wirken.

Insgesamt bilden die Werke einen sehenswerten Blick auf Vergangenheit und Gegenwart, der Lust macht auf die nächsten zehn Jahre Kunstgenerator.

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