Viersen: Viele wollen zu Hause sterben

Viersen : Viele wollen zu Hause sterben

Wie können unheilbar kranke Menschen zu Hause bestmöglich betreut werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Fachleute während eines Austauschtreffens in Viersen. Eingeladen hatte der Caritasverband.

"Viele unheilbar Kranke wünschen sich, in Würde zu Hause sterben zu können", sagte Monika Dammer, Teamleiterin Häusliche Krankenpflege bei der AOK Rheinland/Hamburg im "Haus der Caritas" in Viersen. Die Realität sehe aber anders aus, berichtete sie vor Mitarbeitern von Krankenkassen, Pflegediensten und Krankenhaus-Sozialdiensten: Häufig würden diese Patienten gerade in der letzten Phase ihres Lebens in ein Krankenhaus eingewiesen.

Dabei gibt es in der Region inzwischen Alternativen: Der Caritasverband unterhält seit 2009 einen ambulanten Palliativpflegerischen Dienst. Die besonders ausgebildeten Pflegefachkräfte begleiteten im vergangenen Jahr 84 schwer kranke und sterbende Menschen. Eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) für besonders schwer betroffene Patienten bietet die HomeCare Linker Niederrhein gGmbH im Kreis Viersen an.

Hier arbeitet ein Team von Ärzten mit der Fachausbildung in Palliativmedizin sowie Pflegekräften und Sozialpädagogen mit einer Zusatzausbildung. Selbst für Fachleute ist die Unterscheidung zwischen der allgemeinen palliativpflegerischen Versorgung und der SAPV nicht immer einfach. "Wenn ein Patient unter besonders starken Schmerzen und/oder psychosozialen Belastungen leidet, kann die SAPV von einem Arzt verordnet werden", erläuterte Dr. Ulrich Grabenhorst, Geschäftsführer von HomeCare. Beispiele dafür sind auch schwere Angstzustände, Atemnot oder sehr schwer zu versorgende Wunden. Zu den Leistungen der SAPV gehören eine 24-stündige ärztliche und pflegerische Bereitschaft, die komplette Behandlungspflege sowie die Beschaffung aller Hilfsmittel und Medikamente.

Grabenhorst stellte klar: "Die SAPV sollte für höchstens zehn Prozent aller Patienten zuständig sein. Für alle anderen ist die allgemeine ambulante Palliativversorgung durch häusliche Pflegedienste und einen niedergelassenen Arzt vorgesehen." Auch der Ambulante Palliativpflegerische Dienst (APD) des Caritasverbandes arbeitet dafür, dass sich der Sterbende bis zuletzt eine größtmögliche Lebensqualität erhalten kann. Dies leistet ein Team von speziell ausgebildeten Pflegefachkräften, die über Erfahrungen in schmerztherapeutischen Maßnahmen verfügen.

Um eine ganzheitliche Pflege sicherzustellen, kooperiert der Dienst eng mit der Hospizinitiative Kreis Viersen. Die ehrenamtlichen Sterbebegleiter stehen dem Patienten und seinen Angehörigen als Gesprächspartner zur Verfügung. Sie hören zu, leisten Beistand und übernehmen Aufgaben im Alltag. "Gemeinsam tragen die beiden Dienste dazu bei, die Angehörigen zu entlasten sowie Zeit und Raum für die wirklich wesentlichen Dinge am Ende des Lebens zu schaffen", sagt Susanne Kiepke-Ziemes, Koordinatorin des Projekts "Würdige Sterbebegleitung" beim regionalen Caritasverband. Sie hatte zu dem Austauschtreffen der Fachleute eingeladen.

(RP/ac)
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