Viele Ausbildungsberufe sind zu wenig bekannt

Traumjob-Suche : Unterschätzte Ausbildungsberufe

Bankkaufmann, Friseurin — seit Jahren dominieren dieselben Berufsbilder die Top-Ten-Listen. Fachleute raten Jugendlichen, auch unbekanntere Ausbildungen in Erwägung zu ziehen. In einer Beilage am Montag stellen wir mehr als 20 vor.

Trotz sinkender Schulabgänger- und Bewerberzahlen ist die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse im vergangenen Jahr im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein nahezu konstant geblieben. 74 Prozent davon entfallen auf die zehn beliebtesten Berufe im kaufmännischen und gewerblichen Bereich, wie zum Beispiel Verkäufer, Chemikant und Mechatroniker.

„Chancen bieten sich allerdings vor allem in Berufen, die weniger bekannt sind“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Er rät: „Bewerber sollten sich möglichst breit aufstellen und sich unter den rund 230 Ausbildungsberufen in unserer Region auch mit selteneren Berufen befassen.“

Norbert Jansen, stellvertretender Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt Viersen bestätigt: „Es gibt in unserer Stadt genügend gute Unternehmen, die Ausbildung ernst nehmen und auf einem hohen Niveau betreiben. Das muss man dem Nachwuchs aber erst einmal klarmachen.“ Die städtische Wirtschaftsförderung hat in den vergangenen Jahren viel dafür getan. Sie kurbelte Kooperationen von Schulen mit Unternehmen an, bietet Motivationsseminare, Info-Abende oder Azubi-Speeddatings an, steht auch mit den Schulleitungen im engen Kontakt.

Insgesamt sind der Agentur für Arbeit Krefeld, zu deren Bezirk auch der Kreis Viersen zählt, bisher 3372 Ausbildungsstellen gemeldet worden (Vorjahr: 2853). Die Zahl der Bewerber lag zuletzt bei 4393 (Vorjahr: 4189). Zurzeit suchen in unserer Region noch 928 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Dem stehen noch 738  freie Ausbildungsstellen gegenüber. „Auf dem Ausbildungsmarkt ist gerade jetzt noch sehr viel Bewegung im Spiel. Ein Ausbildungsbeginn kann sogar noch bis weit in den Oktober hinein erfolgen“, macht die Geschäftsführerin der Krefelder Arbeitsagentur, Bettina Rademacher-Bensing, all denjenigen Mut, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Auch sie sagt: „Manche Berufe sind einfach nur zu wenig bekannt.“

Das weiß auch Thomas Küppers, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt Viersen. „Manche Berufsbezeichnungen klingen eher abschreckend. Packmitteltechnologe zum Beispiel.“ Das klinge technisch, dabei biete dieses Berufsbild viel Raum für Kreativität. „Uns geht es darum, diese unterschätzten Ausbildungsberufe bekannter zu machen.“ In Kooperation der Viersener Wirtschaftsförderung und der RP ist eine Beilage entstanden, die zwei Dutzend verschiedene Ausbildungsberufe in ganz verschiedenen Bereichen vorstellt – von der Fachkraft für Abwassertechnik über den Orthopädietechnik-Mechaniker bis zur examinierten Fachkraft in der Altenpflege.

Auszubildende aus Viersen und Umgebung berichten, was den Reiz ihrer Lehre ausmacht; verraten wird auch, welche Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten es während und nach der Ausbildung gibt.

Die Beilage finden Leser des „Grenzland-Kurier“ in der Montagsausgabe, sie wird aber auch an die weiterführenden Schulen im Kreis Viersen und in Mönchengladbach geliefert, kann für den Unterricht genutzt werden. Denn neben den Beschreibungen der unterschätzten Ausbildungsberufe enthält sie auch zahlreiche Tipps für Schüler, wie sie sich ihren Traumjob erobern können.  Jugendliche haben allerdings in dem Alter bisweilen gar keinen Kopf, um sich in einschlägigen Internetportalen mit Hunderten Berufsbildern auseinanderzusetzen – Freundin, Sport und Partys scheinen wichtiger. „Wir haben deshalb bewusst auf ein analoges Medium gesetzt“, erklärt Viersens Wirtschaftsförderer Küppers. Eltern hätten oft ein gutes Gespür dafür, was zu ihrem Kind passt. „Dann können sie ihm das ausschneiden und hinlegen.“

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