Verrückter Physik-Wettbewerb in Viersen-Süchteln - Mausefallen treiben Rennwagen an

Viersen-Süchteln : Mausefallen treiben Rennwagen an

Mausefallen spielen derzeit in der Johannes-Kepler-Schule eine große Rolle. Aus den kleinen Gerätschaften bauen Schüler flotte Flitzer für das Mausefallenrennen am 9. Juli. Schüler können sich noch für den Event anmelden.

Vorsichtig wickelt Johannes die Schnur um die Hinterachse seines Fahrzeuges. Damit spannt der 13-jährige Schüler der Johannes-Kepler-Schule über einen Stab die Mausefalle, die auf dem Holzgerüst zwischen den vier Rädern, die aus CDs bestehen, befestigt ist. „Mal sehen, ob es fährt“, meint Johannes, hebt sein Fahrzeug vorsichtig hoch und macht sich auf den Weg vom Physikraum in den langen Flur der Süchtelner Realschule. Kaum haben die vier Räder den Boden berührt, lässt Johannes den Stab los und der kleine Flitzer schießt über den Flurboden. Ein Strahlen geht über das Gesicht des Schülers. „Das sieht schon einmal gut aus. Jetzt geht es ans Optimieren“, bemerkt Johannes.

Im Physikraum ist aber nicht nur er mit der Arbeit an einem Fahrzeug beschäftigt, das durch eine Standardmausefalle betrieben wird. Schüler schmirgeln Holzplatten glatt, bearbeiten Styropor, kleben Mausefallen auf Leisten fest und bauen Achsen ein, an deren Ende Schallplatten und CDs sitzen.

Im Physikkurs der Stufe sieben von Heike Janßen ist das Baufieber ausgebrochen und das hat einen guten Grund. Das nunmehr elfte Mausefallenrennen nähert sich und alle 15 Schüler bauen im Alleingang bzw. in unterschiedlich großen Gruppen an ihren Mausefallen-Fahrzeugen, mit denen sie am Rennen am 9. Juli teilnehmen werden, das allen weiterführenden Schulen im Regierungsbezirk Düsseldorf offensteht. Wobei die Johannes-Kepler-Schule den Event zum nunmehr fünften Mal ausrichtet.

Das wichtigste Bauteil für alle Jung-Ingenieure ist die Mausefalle, denn sie stellt den Antrieb für die Gefährte dar. Es gilt so zu tüfteln wie mit Hilfe der Falle und einem geschickten Bau ein Fahrzeug konstruiert werden kann, das möglichst weit fährt. „Der absolute Rekord waren bis jetzt 85 Meter, mit denen ein Schüler das Rennen gewonnen hat. Das Fahrzeug war nahezu eine Ingenieursleistung. In der Regel sind 40 Meter schon eine sehr gute Leistung“, berichtet Physiklehrerin Hedwig Fastabend, die zudem eine AG anbietet, in der ein jeder Realschüler, der interessiert ist, ebenfalls ein solches Auto bauen und damit am Rennen teilnehmen kann.

Im Physikkurs der Siebtklässler selber schlägt sich das Projekt indes auch in der Note nieder. Es wird nämlich wie eine zweite Kursarbeit bewertet. Ausschlaggebend ist nicht allein, wie weit ein Auto fährt, sondern es kommt auf die Bauanleitung mit den dazugehörigen Darstellungen und das Modell an sich an. „Die Schüler schreiben neben dem eigentlichen Bau eine Projektarbeit“, informiert Janßen.

Auf dem Flur ist inzwischen das lange Maßband ausgerollt worden. Es soll nicht nur getestet werden, ob das jeweilige Fahrzeug fährt, sondern auch wie weit es mit dem ungewöhnlichen Antrieb rollt. „Wir haben schon im vorigen Jahr am Rennen teilgenommen. Der Bau eines Fahrzeuges hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir in diesem Jahr mittels der AG erneut mitmachen“, erzählt Marie, während sie die gemeinsam mit Freundin Laura gebaute Konstruktion startklar macht. 7,30 Meter sind das Ergebnis der ersten Testrunde.

Die 14- und die 15-Jährige beginnen mit ihrem Optimierungsüberlegungen. Man will die Fahrstrecke auf jeden Fall verlängern. Wobei die beiden Schülerinnen ihrem Fahrzeug ein besonderes Outfit verpasst haben. Sie haben Fotos der Snackbar ihrer Lieblingsserie „Riverdale“ auf dünne Styroporplatten aufgezogen und ihren Renner damit verkleidet. Das Team Carlos und Guiliano hat derweil einen Hai konstruiert. Doch egal, wie die Fahrzeuge aussehen, der Bau macht allen Schülern viel Spaß, und jeder ist gespannt, wie sich die eigene Konstruktion beim Rennen schlagen wird.

Mehr von RP ONLINE