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Viersen: Vermieter machtlos - Mieter zahlt nicht

Viersen : Vermieter machtlos - Mieter zahlt nicht

Seit zehn Monaten hat die Familie Heyer kein Geld mehr für eine ihrer Wohnungen bekommen. Ihr Mieter bezahlt nichts. Trotzdem bleibt er einfach in der Wohnung.

Am Ende wird seine Familie auf den Kosten sitzen bleiben. Damit muss René Heyer rechnen. Gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Mutter vermietet er ein Mehrfamilienhaus in Dülken. Der Mieter der Dachgeschosswohnung hat seit Juni nichts mehr für die Wohnung bezahlt. Den Heyers entgingen bis Ende April 3500 Euro für die Kaltmiete, 600 Euro für die Nebenkosten. Dazu kommen Kosten für eine Räumungsklage, die Heyers eingereicht haben, um ihre Wohnung wiederzubekommen.

Bekommen sie Recht, dann müsste der Mieter ihnen dieses Geld eigentlich zurückgeben. Ob es dazu kommt, ist unklar.

Eine Verwandte des Mieters soll mit einem Viersener Anwalt liiert sein, der den jungen Mann nun vertritt. Schon im Januar hatte dieser Anwalt angekündigt, sein Mandant werde möglicherweise Privatinsolvenz anmelden. Wenn es dazu käme, dann "spielt es für den Insolvenzschuldner nachvollziehbar keine besonders wesentliche Rolle, wie hoch die Zahlungsverpflichtungen sind, von denen er nach Ablauf der privaten Insolvenzpflicht befreit wird", schrieb der Anwalt in einem Brief. Insofern, so der Tenor des Schreibens, sei es für seinen Mandanten unerheblich, wie hoch die Mietschulden sind, die er bei den Heyers anhäuft.

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René Heyers Vater hatte das Haus einst als Altersvorsorge gekauft. Ihm gehörte in der Nähe eine Schuhmacherwerkstatt. "Ich kann nicht nachvollziehen, wie ein Anwalt in Kauf nehmen kann, dass seine Mandanten auf Kosten anderer leben", sagt Heyer. Eine Reform des Insolvenzrechts könnte dem Mieter das Leben weiter erleichtern: Bisher wird nach einer Privatinsolvenz die Restschuld nach sechs Jahren erlassen. Geht es nach dem Bundesjustizministerium, ist das künftig schon nach drei Jahren möglich.

Monate bis zum Auszug

Die Heyers haben sich bei der Anwaltskammer über den Anwalt wegen "Verletzung der Berufspflichten" beschwert. Doch die Kammer wird nicht einschreiten: Sie ist nicht zuständig, schließlich hat der Anwalt keine Gesetze gebrochen.

Bis der Mieter auszieht, kann es noch Monate dauern. Im Oktober hatten Heyers eine Kündigung für die Wohnung geschrieben. Der Anwalt des Mieters erklärte inzwischen, diese sei ungültig. "Das ist eine reine Verzögerungstaktik", sagt Heyer. Ende dieses Monats ist eine mündliche Verhandlung vor Gericht angesetzt. Erst nach dieser Verhandlung könnten die Heyers einen Räumungstitel bekommen und eine Zwangsräumung veranlassen, falls der Mieter in ihrer Wohnung bleibt.

So wie den Heyers gehe es vielen Vermietern in Viersen, sagt Horst-Lothar Sieben. Häufiger als noch vor einigen Jahren fügten Mieter den Vermietern Schaden zu, indem sie spät, weniger oder gar nicht zahlten, erklärt der Vorsitzende des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins Viersen. "Ich würde inzwischen nicht mehr empfehlen, als Kapitalanlage Wohnungen zum Vermieten zu kaufen", sagt er.

Der Anwalt des Mieters sieht keine Schuld bei sich. Dass Leute ihre Schulden nicht bezahlten "passiert jeden Tag", sagt er. Das sehe er schon an den Fällen in seiner Kanzlei: Zu den Schwerpunkten gehört Miet- und Insolvenzrecht.

Hier geht es zur Infostrecke: Sechs Fragen, mit denen Sie den richtigen Mieter finden

(anch)