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Kreis Viersen: Verantwortung in einer Hand

Kreis Viersen : Verantwortung in einer Hand

Die vom Umweltminister eingesetzte Arbeitsgruppe Wilddichte empfiehlt, den Zaun um das ehemalige Depot vorerst zu erhalten und etwa 300 Stück Damwild im Naturschutzgebiet zu belassen.

Der Zaun um das frühere Depot im Brachter Wald soll bis Ende 2015 erhalten bleiben. Dies empfiehlt die vom Landesumweltminister eingesetzte Arbeitsgruppe "Wildbestand im Brachter Wald". Das Zukunftskonzept und der Beschluss beschäftigen heute den Landschaftsbeirat und morgen den Kreis-Umweltauschuss.

Seit 1996 gehören die ehemaligen Depotflächen größtenteils der NRW-Stiftung sowie zwei kleinere Bereiche der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Kreis Viersen. In die Schlagzeilen geriet das Naturschutzgebiet ab 2008/09, weil der Damwildbestand in dem umzäunten Wald sich mehr als verzehnfacht hatte. Im Winter verhungerten Tiere, die Flächen waren überweidet, Krankheiten dezimierten den Bestand zusätzlich. Nach dem Landschaftsplan sind nur etwa 80 Stück Damwild zugelassen, gezählt wurden mehr als 1000 Tiere. Seither werden sie in großer Zahl abgeschossen.

Zahlreiche Proteste

Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) verfügte schließlich, dass der Zaun bis April 2013 beseitigt werden und das Damwild rigoros abgeschossen werden müsse. Dagegen gab es vielfachen Protest von Tier- und Naturschützern, Landwirten und anderen Beteiligten. Die von Remmels Vorgänger Uhlenberg (CDU) eingesetzte AG Wilddichte setzte sich mit allen Argumenten auseinander und entwickelte neben der Empfehlung, den Zaun zunächst zu erhalten, auch eine Konzeption.

Darin heißt es unter anderem: "Nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit wird ein Schutzziel und tierschutzkonformes Wildmanagement am ehesten dadurch erreicht, wenn die Gesamtverantwortung hierzu in einer Hand liegt." Sie fordert weiterhin, "gemäß FFH- und Vogelschutzrichtlinie alle Maßnahmen zu ergreifen, die den guten Erhaltungszustand der Lebensräume und Arten sichern oder herbeiführen. Außerdem gilt für das FFH- und Vogelschutzgebiet ein Verschlechterungsverbot".

Unbedingt erforderlich seien die gezielte Pflege der Heiden, Magerrasen und der damit verzahnten Waldränder durch Weidetiere, die effiziente Beweidung der Wälder zur Erhaltung der offenen Strukturen, zusätzlich mechanische Pflege des Offenlands und die Anpassung des Landschaftsplans.

Ein Wildmanagement, das den naturschutzfachlichen Zielen Rechnung trage, setze die Beibehaltung des Depotzaunes voraus, heißt es weiter. "Das Damwild nimmt eine Schlüsselrolle zur Erhaltung offener Waldlebensräume ein." Erforderlich sei ein angepasstes Jagdregime nach einem Gesamtkonzept. Zur wirksamen Pflege der Flächen sollte Damwild gehalten werden. Vorgeschlagen wird, bis zu 150 Tiere im Gebiet zuzulassen. Ohne dauerhaften Zaun ginge das nicht. KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES

(RP)