Urteil nach Unglück auf A61: Polizistin totgefahren - fast drei Jahre Haft für Lkw-Fahrer

Polizistin auf A61 totgefahren : Gericht verurteilt Lkw-Fahrer zu fast drei Jahren Haft

Im Dezember starb eine Polizistin, als ein Lkw-Fahrer auf der A61 bei Viersen den Streifenwagen rammte, in dem die Frau saß. Nun hat ein Gericht den Mann zu einer Haftstrafe verurteilt.

Nach dem Tod einer jungen Polizistin ist ein Lkw-Fahrer am Dienstag in Mönchengladbach zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Der 49-Jährige habe im Dezember 2017 betrunken ein Polizeiauto gerammt, in dem drei Polizisten auf den Lkw aus der Ukraine gewartet hatten, stellten die Richter fest. Die 23-jährige Polizistin starb unmittelbar nach dem Aufprall auf der A61 bei Viersen, ihre beiden Kollegen wurden verletzt. Bundesweit reagierten Menschen bestürzt auf den Unfall.

Die Richter sprachen den Lkw-Fahrer am Dienstag der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig. Vorsätzlich deshalb, erklärte der vorsitzende Richter, weil der 49-Jährige in seiner Position als Lkw-Fahrer mit seinem Alkoholkonsum in besonderem Maß fahrlässig gehandelt habe. „Eine Strafe auf Bewährung konnte es auf keinen Fall geben“, sagte der Richter, „dazu ist das Ausmaß der Pflichtwidrigkeit zu hoch.“ Weil der 49-Jährige rund drei Promille Alkohol im Blut hatte, sei er jedoch vermindert schuldfähig. Aus Sicht der Richter hatte der 49-Jährige außerdem vor Gericht „ehrliche Reue“ gezeigt.

Vor Gericht hatte der Lkw-Fahrer ausgesagt, dass er sich an den Unfall nicht mehr erinnern könne. „Ich weiß gar nicht, wie ich losgefahren bin“, sagte er nach Angaben seiner Dolmetscherin und bat die Eltern der Getöteten und die verletzten Polizisten um Entschuldigung. Er habe vor der Fahrt Wodka getrunken und Tabletten genommen, um Schmerzen an der Hüfte nicht zu spüren.

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Die Verteidigung hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert und betont, wie leid dem Angeklagten alles tue. Ein Gutachter hatte im Prozess ausgesagt, dass der Lkw-Fahrer in den Gesprächen mit ihm geweint habe. „Er leidet sehr darunter“, sagte Psychologe Martin Albrecht. „Er weiß, dass er etwas Schlimmes getan hat, das nicht wieder gut zu machen ist.“

Sein Mandant wolle das Urteil annehmen, sagte sein Verteidiger Gerd Meister nach Prozessende: „Er findet, weil er die Tat begangen hat, muss er dafür bestraft werden.“ Die Anwälte der Nebenkläger – die zwei schwer verletzten Polizisten und die Eltern der getöteten 23-Jährigen – hielten es sich offen, ob sie in Revision gehen wollen. „Das Urteil ist rechtlich in Ordnung“, sagte Anwalt Gerhard König, „aber über das Strafmaß kann man streiten.“

(emy/wer/dpa)
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