Unterschriften-Aktion im Kreis Viersen gegen geplante Abschiebung

Kreis Viersen : Unterschriften-Aktion gegen geplante Abschiebung

Hamlet Aghafanyan (35) droht als geduldetem Flüchtling die Abschiebung. Chefs und Kollegen von der Brüggener Firma Lankes sammeln Unterschriften, um dies zu verhindern. Eine weitere Möglichkeit: der NRW-Petitionsausschuss.

Stefan Haeger sowie seine Chefs Markus und Ben Zohlen von der Brüggener Firma Lankes setzen sich weiter für ihren armenischen Kollegen Hamlet Aghafanyan ein: Der 35-Jährige hat in der vergangenen Woche einen Abschiebebescheid erhalten. Jetzt hat Haeger eine groß angelegte Unterschriftenaktion gestartet, die Hamlet den legalen Aufenthalt in Deutschland ermöglichen soll. „Ich habe schon von einer Tankstelle eghört, in der die Liste innerhalb eines Tages mit Unterschriften gefüllt waren“, sagt der Nettetaler am Montag.

Stefan Haeger hatte kurz nach dem Abschiebe-Bescheid ein Video bei Facebook gepostet und darin um Hilfe für seinen Freund und Kollegen gebeten: „Es kann nicht sein, dass jemand, der so gut integriert ist, abgeschoben wird“, appellierte er. Der kurze Film wurde seitdem von Hunderten Menschen gelesen, kommentiert und geteilt. Auch Brüggens Bürgermeister Frank Gellen (CDU) sicherte seine Hilfe „im Rahmen der Möglichkeiten und Zuständigkeiten“ zu.

Hamlet Aghafanyan hat vor fünf jahren Armenien verlassen und ist mit seiner Familie  nach Deutschland eingereist. Wie seine Arbeitgeber inzwischen wissen, hat er seinen Pass weggeworfen und einen falschen Namen benutzt. „Ja, er hat Mist gebaut“, sagt Lankes-Seniorchef Markus Zohlen. Aber er schätze seinen Bauhelfer, wolle ihn auch in Zukunft weiter beschäftigen und hoffe, dass es für Hamlet, seine Frau Angela und seine beiden Töchter eine Möglichkeit gibt, um weiter in Deutschland zu bleiben und in Brüggen seiner Arbeit nachzugehen. Der Armenier hatte bisher  einen Status als geduldeter Flüchtling. Armenien gilt dabei als „sicheres Herkunftsland“. Nur wenige Menschen, die das Land verlassen und etwa in Deutschland einreisen, werden als Flüchtlinge anerkannt.

Stefan Haeger hat am Montag 400 Seiten für Unterschriftenlisten verteilt. Sie liegen in unterschiedlichen Geschäften im Kreis Viersen aus, darunter im Corso Film-Casino in Nettetal-Kaldenkirchen, an der Aral-Tankstelle in Nettetal-Lobberich, im Kiosk am Doerkesplatz in Nettetal-Lobberich,  an der Tankstelle in Brüggen-Bracht, an der Tankstation Viersen, bei der Tankstelle Jannsen in Nettetal Breyell sowie in den Pizzerien Laguna an der Nettetaler Niedieckstraße und Da Andrea an der Breyeller Straße in Lobberich.

Martina Maaßen, sieben Jahre lang Mitglied im Petitionsausschuss und frühere Landtagsabgeordnete für die Grünen aus Viersen, hat Stefan Heger einen weitere Empfehlung gegeben: Er solle sich an den Petitionsausschuss des NRW-Landtages wenden.  Sie habe mit dem Gremium gute Erfahrungen gemacht und bei auch schon einiges für geflüchtete Menschen erreichen können, die Wie Hamlet Aghafanyan von der Abschiebung bedroht waren. „Natürlich kann der Petitionsausschuss sich auch nicht über geltendes Recht hinwegsetzen“, betont Maaßen. Aber der Ausschuss habe die Möglichkeit, auch bei einem laufenden Verfahren tätig  zu werden und auch Einzelfälle zu betrachten. Die Grünen-Politikerin warb auch im Fall Hamlet Aghafanyan dafür, den Weg zum Petitionsausschuss zu wählen. „ Eine solche Petition kann auch formlos online ausgefüllt werden“, sagte Maaßen. Der Zugang sei niederschwellig.

Dass Stefan Haeger mit seinen Chefs und seinen Kollegen eine Unterschriftenaktion für die Familie initiiert habe, sei gut gewesen. Eine solche Unterschriftensammlung könne zeigen, wie groß die Unterstützung und der Rückhalt für die Familie aus Armenien seien.

Ein Sprecher des Kreises Viersen hatte als für die Abschiebung zuständige Behörde eine Stellungnahme zu diesem Fall für Montag, 18. November, in Aussicht gestellt.  Diese hat die Redaktion des Grenzland-Kuriers bis zum Abend nicht erreicht.