1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Unternehmer in Viersen haben wegen Corona-Krise Existenzangst

Wirtschaft in Viersen : Wenn alle Einnahmen wegbrechen

Markus Brüggemann vermietet normalerweise Zelte an Großkunden. Dass er mal einen Totalausfall erleben muss, hätte er nie für möglich gehalten — doch wegen der Corona-Krise bleiben Aufträge aus. Aufgeben will er aber nicht.

Minütlich erhält Markus Brüggemann Stornierungen per E-Mail. Kein einziger Auftrag ist dabei, kein einziges Angebot hat er seit Wochen geschrieben. Der 41-Jährige ist Unternehmer, vermietet Zelte und Event-Equipment für Großveranstaltungen, aber auch Hochzeiten sowie Messen und sagt: „Das, was gerade passiert, haben alle noch nie erlebt, unsere Umsätze sind um hundert Prozent eingebrochen.“ So wie Brüggemann geht es gerade vielen Unternehmern in ganz Deutschland. Die Einnahmen bei null, und das bedeutet: Existenzangst.

Seit 25 Jahren läuft der Betrieb. Das Gelände ist derzeit wie ausgestorben. Ansässig ist Brüggemanns Firma in Mackenstein, sie hat rund 2000 Quadratmeter Fläche. Im Laufe der Jahre hat der gelernte Karosserie- und Fahrzeugtechniker Lastwagen und Anhänger gekauft. Da waren die Auftragsbücher noch voll, er war zufrieden. „Letzte Woche innerhalb von zwei Tagen ging hier quasi alles unter“, erinnert er sich. Und für Markus Brüggemann war sofort klar: „Offene Gespräche mit den Mitarbeitern führen und sagen, was Sache ist.“

Sofort meldete er alle Lastwage und Anhänger ab, schickte seine drei Vollzeitkräfte in Kurzarbeit, die Aushilfen kann er derzeit nicht beschäftigen. Sein Einkommen im Moment: Null Euro. Und das Schlimme, fürchtet er, kommt erst noch: „Niemand kann sagen, wann sich die Lage beruhigt, wie lange das alles andauert“, sagt Brüggemann, der im August zum zweiten Mal Vater wird. Die Lage sei mehr als ernst, er ist im stetigen Kontakt mit Freunden, seinen Mitbewerbern, mit der Eventbranche. „Viele Betriebe werden diese Krise nicht überstehen“, prognostiziert er.

Noch in der vergangenen Woche führte er Gespräche mit seiner Bank, dem Steuerberater und seinen Kunden, denn er erwartet für das ganze Jahr einen Totalausfall. „Jetzt haben wir gut gewirtschaftet und ich kann das eine Zeit mitmachen“, erklärt der 41-Jährige Mönchengladbacher. Die Gebäude gehören der Familie, der Rückhalt sei in dieser Zeit besonders wichtig: „Ganz komisch, mein Vater ist schon älter und irgendwie entspannt“, erzählt er.

Einige Nächte konnte Markus Brüggemann nicht schlafen. Sorgen um die eigene Existenz, seine Mitarbeiter, seine Firma. Doch nachdem er für sich die wichtigsten Dinge vergangene Woche geklärt hatte, ist er ruhiger geworden: „Ich kann jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und nur negativ denken, mache ich aber nicht“, sagt er. Deshalb hat er beschlossen, seine Zelte zu sanieren, alles wieder in Schuss zu bringen, sich bereitzumachen für die Zeit nach der Krise. „Vielleicht stellen wir in einiger Zeit Zelte für Quarantänestationen zur Verfügung, wer weiß das schon?“, fragt er. Momentan sei alles möglich, so der Unternehmer.

Im Privaten macht Brüggemann  aufgrund der Situation jetzt erstmal Einschnitte: „Dann gibt es dieses Jahr halt keine neue Küche und vielleicht auch keinen Urlaub, dann ist das nun mal so“, sagt Brüggemann. Er hofft, dass seine Großkunden ihm nach der Krise wieder die Treue halten und er seinen Betrieb nach 25 Jahren nicht schließen muss.