Unternehmen aus Viersen schafft die Reflexion bei Brillengläsern ab

Viersen : Brille: Viersen.

Seit gut 50 Jahren produziert die Wetzlich Optik-Präzision GmbH am Elkanweg in Viersen Brillengläser für Optiker in ganz Europa. Neuester Clou ist ein Beschichtungsverfahren, das die Reflexion bei Brillengläsern fast auf Null reduziert.

Der Besucher fürchtet um sein Brillenglas, denn als der Lichtstrahl darauf trifft, erscheinen kleine schwarze Flecken. Und das Licht geht hindurch auf einen hellen Grund. Florian Gisch beruhigt: „Die verschwinden gleich wieder und hinterlassen keine Spuren.“ Der Geschäftsführer der Wetzlich Optik-Präzision GmbH (Wevi) nimmt nun eine Brille aus einem Kasten und schickt den Strahl wieder durch das Glas: keine schwarzen Flecken, kein sichtbares Auftreffen des Lichtstrahls auf dem Grund. Das liegt an einer neuen Beschichtung des Glases, die das Unternehmen entwickelt hat und jetzt in den Verkauf bringt: keine Reflexion mehr. Deshalb hat das Glas mit dem Namen „Saphir X“ den Zusatz „Zero“ erhalten.

Das darf allerdings nicht hundertprozentig wörtlich genommen werden, räumt der gelernte Augenoptiker Gisch ein, denn null Reflexion sei technisch nicht möglich. „Aber wir kommen auf 99,8 Prozent, was ja nahe an 100 liegt“, erläutert er. Für Brillenträger, die viel Zeit im Auto verbringen oder an Bildschirmen arbeiten müssen, bedeute die neue Beschichtung „eine spürbare Entlastung beim Sehen, da das Auge nicht unnötig von reflektierenden Lichtquellen abgelenkt wird“. Selbst Blitzlichter von Fotoapparaten spiegelten sich nicht mehr in den Gläsern.

Auf einem langen Fließband laufen die Linsen von Verarbeitungsstelle zu Verarbeitungsstelle. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Auf die Entwicklung ist man im Viersener Unternehmen mächtig stolz und spricht von einer „Revolution des superentspiegelten Brillenglases“. Reduzierte die bisher übliche Superentspiegelung Reflexionen nur um 50 Prozent, so sind es nun bei „Zero“ 90 Prozent. Die Gläser haben statt des bisher üblichen grünen nur einen leicht bläulichen Restreflex. Er sorgt beim Blick durch das Brillenglas für einen natürlicheren Seheindruck und „hinterlässt eine neutralere, kaum wahrnehmbare Reflexion auf dem Glas“ – der Optiker muss es wissen.

Maschinist Markus Hallmann dos Santos reinigt Linsen. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Seit vier Jahren steht Gisch gemeinsam mit dem IT-Spezialisten Thorsten Wagemann an der Spitze des Unternehmens, das sie im Wege eines Management-Buy-outs übernahmen. Damals zog sich die Familie Wetzlich zurück, die das Unternehmen 1935 in Dresden gegründet hatte und nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 in Köln wieder neu aufbaute. 1968 wurde der Betrieb nach Viersen an den Elkanweg verlagert: vorne das Wohnhaus der Inhaberfamilie, dahinter Büros und Werkräume, die im Laufe der Jahrzehnte immer weiter wuchsen und entsprechend verschachtelt sind. Zum Haupteingang geht es heute über den Hinterhof. Mit einem Neubau liebäugeln die Manager zwar, doch müssen erst einmal die Investitionen in den Maschinenpark verkraftet werden. Und weitere stehen noch an, denn es soll weiter „einer der modernsten Maschinenparks in Europa“ sein.

Nach jedem Zwischenschritt wird das Brillenglas kontrolliert. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Das Unternehmen mit derzeit knapp 100 Mitarbeitern bezeichnet sich selbst als der „größte mittelständische Glashersteller in Deutschland ohne Konzernzugehörigkeit“. Bei der Produktion setzt es weiter auf „Made in Germany“ und erledigt alle Aufträge, die von Augenoptikern aus Deutschland und ganz Europa kommen, von Viersen aus.

Benno Rietz, Leiter der Qualitätskontrolle, bei der finalen Abnahme. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Das Sortiment umfasst heute neben Gleitsicht-, Einstärken- und Sonnengläsern auch Spezialgläser für sehr unterschiedliche Anforderungen in Beruf und Freizeit (Sport).

Auch hier ist Wetzlich mit einer Neuerung auf dem Markt. Als einziger deutscher Hersteller hat er Sonnenbrillengläser mit Infrarotschutz entwickelt. Sie verhindern, dass Infrarotstrahlen, immerhin 40 Prozent des Sonnenlichtspektrums, ins Augeninnere geraten und dieses erwärmen.

Über längere Zeit kann das Infrarotlicht zu einer Schädigung des Auges führen, etwa einer Aushärtung der Linse. Gisch denkt dabei weiter: „Vor allem im Hinblick darauf, dass wir immer älter werden, gilt es, eine Alterung des Auges bestmöglich hinauszuzögern“. UV-Schutz allein genüge nicht.

Das Unternehmen sucht bundesweit Fachkräfte. Sie dürfen, wenn‘s eben möglich ist, auch ihren Hund mit in die Firma bringen. Schon jetzt stehen Hundekörbe neben den Schreibtischen von vier Frauchen und Herrchen.

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