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Umsturz bei den Grünen in Brüggen: Mit neuer Mannschaft in den Wahlkampf

Brüggen : Bei den Grünen hat es geknallt

Die Brüggener Grünen gehen mit einer komplett neuen Mannschaft in die Kommunalwahl. Die neuen Ortsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen sind jetzt Gaby Tröger und Ulrich Deppen. Der bisherige Fraktionsvorsitzende erhielt keinen Listenplatz.

Die einen nennen es einen Putsch, die anderen demokratische Wahlen. Auf jeden Fall ist bei den Grünen seit Freitag alles anders: Die Brüggener Grünen sollten einen neuen Ortsverbands-Vorstand, die Direktkandidaten für die Wahlbezirke und die Listenplätze für die möglichen Vertreter im Brüggener Rat wählen. Aber weder der Fraktionsvorsitzende René Bongartz, noch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Siebert, noch der seit 2014 im Rat arbeitende Jochen Paal-Schaumburg wurden auf einen der Listenplätze gewählt. Siebert spricht von einem Putsch. Die neuen Vorsitzenden Ulrich Deppen und Gaby Tröger weisen dagegen auf das große Potenzial  der nun Gewählten hin.

Gaby Tröger ist nun erste Vorsitzende im Ortsverband, Ulrich Deppen ist zweiter Vorsitzender, Kassierer ist Jens-Christian Winkler. In geheimer Wahl wurden dann die Listenplätze von eins bis acht einzeln gewählt, die Listenplätze von neun bis 15 dann als komplette Liste. Von 17 bis fast 23 Uhr dauerten die Wahlvorgänge.

Gaby Tröger und Ulrich Deppen gaben anschließend an, künftig in Brüggen das Grünen-Kernthema Nachhaltigkeit und als großes Thema die Transparenz in der Partei vorantreiben zu wollen. Der ÖPNV müsse sich verbessern und bezahlbarer Wohnraum mit einem gesteigerten ökologischen Standard müsse her. Und das wollen die Grünen nun mit den in der Ratsarbeit größtenteils unerfahrenen Nicole Kowarsch, Benedikt Pasch, Gaby Tröger, Ulrich Deppen, Sonja Lankes, Christopher Gehlmann, Julia Hintzen und Rainer Hahn auf den ersten acht Listenplätzen im Rat umsetzen.

„Grün geht mit einer komplett neuen Mannschaft in den Kommunalwahlkampf. Das ist natürlich kein Zufallsprodukt“, so Ulrich Deppen. Er und Thomas Overbeck hätten sich das Recht als Ortsverbandssprecher vorbehalten, Kandidaten der Versammlung vorzuschlagen – „nach vielen und zum Teil sehr vertraulich geführten Einzelgesprächen mit allen Beteiligten. Da ist, das dürfen Sie mir glauben, nicht ein Mitglied ausgelassen worden. Seit September letzten Jahres haben wir versucht, eine Kandidatenliste auf die Beine zu stellen, die allen Befindlichkeiten und Strömungen, die sich in einer politischen Partei auch auf kommunaler Ebene widerspiegeln, gerecht wird“, sagt Deppen.

Siebert habe sich trotz einer bewegenden Vorstellungsrede nicht gegen starke Mitbewerber durchsetzen können. Marita Offermanns verzichte aus persönlichen Gründen auf eine Kandidatur. Der Redaktion liegt aber eine Mail vom 12. Mai vor, die lediglich an zwölf Mitglieder ging und in der Ulrich Deppen schreibt: „Jens und ich werden uns für den OV-Vorstand zur Wahl stellen. Bedingung: Freigabe des Frauenplatzes, René wird auf keinen Platz der Reserveliste gewählt. Andernfalls werden wir als OV-Vorstand sofort zurücktreten. Eine Mischform - Jens und ich OV-Vorstand, René Ratsmandat - wird von uns ausgeschlossen.“

„Das war eine große Enttäuschung, für anerkannt gute Arbeit so abgestraft zu werden. Dass auf dem Rücken einer persönlichen Auseinandersetzung die gesamte bisher agierende Ratsfraktion so enthauptet wurde, ist traurig. Man kann auch von einem Putsch sprechen“, so Ulrich Siebert deutlich. Er vermisse sehr die gewünschte Transparenz in der Partei. „Sicher bin ich mir, dass die Arbeit, die wir in sechs Jahren im Rat geleistet haben, nicht von einer gänzlich unerfahrenen Truppe geleistet werden kann“, betont Bongartz zutiefst enttäuscht. „Ich habe die Veranstaltung als sehr geplant empfunden“, beschreibt Jochen Paal-Schaumburg. Von einigen Mitgliedern seien erst kurz vor der Mitgliederversammlung die Partner in die Partei eingetreten.