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Trotz Corona: „Tage der Kunst“ in Schwalmtal werden geplant

Werke nationaler und internationaler Künstler in Schwalmtal zu sehen : Trotz Corona: „Tage der Kunst“ geplant

Für das erste September-Wochenende werden in Schwalmtal erneut die „Tage der Kunst“ mit nationalen und internationalen Künstlern organisiert. Was die Besucher im Jahr der Corona-Pandemie wissen müssen.

Dass der Name der Gemeinde Schwalmtal in einem Atemzug mit dem von Josef Beuys genannt wird, ist wohl eher eine Ausnahme – eine Ausnahme, die bei den geplanten „Tagen der Kunst“ eintritt. Anfang September gehört  Katharina Sieverding zu den nationalen und internationalen Akteuren, die die Gemeinde erneut zum Hotspot der Kunst machen. Sieverding, die am Montag ihren künftigen Ausstellungsort im Gewölbekeller des Waldnieler Rathauses besichtigte, gehört laut „Tage der Kunst“-Kurator Bernd R. Meyer zu den Stars der zeitgenössischen Kunstszene:  Die Beuys-Meisterschülerin, 1944 in Prag geboren, ist eine vielfach ausgezeichnete Pionierin der Foto- und Medienkunst. „In Waldniel wird eine Videoinstallation von Sieverding zu sehen sein, auch unveröffentlichte Fotos von Josef Beuys“, kündigt der Kurator an. Sieverding sei aber lediglich ein Beispiel für die zahlreichen spannenden Künstler, die ihre Werke unter das  Motto „Sehnsuchtsorte“  bei den „Tagen der Kunst“ stellen werden.

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Warum werden die „Tage der Kunst“ geplant, trotz der Corona-Pandemie?

Die Antwort, die Kurator Bernd R. Meyer darauf gibt, ist einfach und nachvollziehbar: „Wir wollen uns diese Tage nicht nehmen lassen.“ Gerade in der Pandemie müsse man den Menschen Mut machen, ihnen etwas in Aussicht stellen, worauf sie sich freuen können. Für ihn und seine Mitstreiter seien die „Tage der Kunst“ eine Herzensangelegenheit, viele tolle Sponsoren hätten sie dabei unterstützt. Durch das ehrenamtliche Engagement vieler sei die Idee, die Gemeinde für ein Wochenende in einen Ausstellungsraum zu verwandeln, auf Low-Budget-Niveau zu realisieren. 60 Prozent aller Ausgaben werden über Sponsoring finanziert, 40 Prozent durch Förderer wie das NRW-Museum für Kultur und Wissenschaft, den Verein „Kulturraum NRW“, das Museum Netzwerk Niederrhein oder den Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie bei den aktuellen Planungen für 2021?

Sie sorgt für Veränderungen und Einschränkungen. Eine davon: Stand jetzt können weder das Veranstalter-Team um Bernd R. Meyer, Björn Kesting oder die Gemeindeverwaltung Schwalmtal  wegen der Pandemie-Lage sicher sein, dass die Veranstaltung  stattfinden kann. „Wir  müssen abwarten“, sagt Meyer. Allerdings  wollte man, trotz einer möglichen notwendigen Absage kurz vorher, bereits jetzt alles vorbereitet haben, so dass die „Tage der Kunst“ auch unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie stattfinden könnten. „Es ist möglich, dass wir die Pläne nochmal ändern müssen“, sagt auch Alexandra Vahlhaus, bei der Gemeindeverwaltung Schwalmtal zuständig für den Fachbereich Kultur. Die Veranstalter müssten sich an die dann geltenden Bestimmungen anpassen. Vahlhaus geht zurzeit davon aus, dass trotz der Pandemie der Besuch der unterschiedlichen Ausstellungsräume möglich sein wird – unter den bekannten Bedingungen, dass die Menschen etwa ausreichend Abstand zueinander einhalten, Schutzmasken tragen, ihre Hände desinfizieren.

Welche Veränderungen gibt es bei den „Tagen der Kunst“?

Einige. So wurde in diesem Jahr etwa Ausstellungsorte in Schwalmtal-Amern wie der Mühlenturm oder die katholische Kirche St. Georg vom Plan gestrichen. „Der Fokus liegt in diesem Jahr  ganz klar auf Waldniel“, sagt Bernd R. Meyer. Waren es bei der Veranstaltung vor zwei Jahren noch mehr als 20 unterschiedliche Ausstellungsorte – darunter etwa erstmals der Sebastianuskeller der Vereinigten Bruderschaften Waldniel im katholischen Pfarrheim –, so sind nun es nun gerade mal zehn. Das hat aber nichts damit zu tun, dass an kreativen Lösungen gespart wird. Laut Bernd R. Meyer sollen Überseecontainer auf dem Waldnieler Marktplatz aufgestellt werden und zur Kunst-Betrachtung animieren. Hatten die „Tage der Kunst“ 2019 noch mit einem Konzert und einer Lichtinstallation am Freitag begonnen, geht es nun einzig um das Wochenende 5./6. September. „Wir haben noch Pläne für ein Konzert mit Geige und Orgel“, kündigt Bernd R. Meyer an.

Was steckt hinter dem Motto „Sehnsuchtsorte“?

„Die Almhütte in den Bergen, der Strand in der Südsee oder die niederrheinische Kleinstadt um die Ecke: Jeder hat einen anderen Sehnsuchtsort, einen Ort, der Auszeiten vom Alltag verschafft“, erklärt Björn Kesting dazu. Künstler begeben sich auf die Suche und entdecken in ihrer Kreativität eine Fülle von Sehnsuchtsorten in Schwalmtal und darüber hinaus in Kunstwerken, die die unterschiedlichsten Ideen von Sehnsuchtsorten widerspiegeln. Auch die Provinz könne ein Sehnsuchtsort sein, sei sie doch unberührt von Neuerungen und stelle deshalb einen idealen Rückzugsort dar: „Ein Ort, der Raum und Freiräume sowie kreative Nischen bietet“, so Kesting. Gerade in einer Krise dränge sich die Provinz als Sehnsuchtsort auf: „Das Haus im Grünen, in dem die Familie behütet in einem intakten Umfeld leben kann, das Ferienhaus am See für die Auszeit  oder den Kurzurlaub. Ein verschwiegenes Plätzchen am Fluss, die Kapelle am Wegesrand, der Besuch der Museums-Insel Hombroich in Neuss“, nennt er als Beispiele.

Wer gestaltet die „Tage der Kunst“?

Im Rathaus ist Katharina  Sieverding im Gewölbekeller, der Düsseldorfer Medienkünstler Klaus Mettig im Trauzimmer, Frank Straatmann im  Gangeszimmer und eine Ausstellung des Vereins „Fighting Spirits“ im Sitzungssaal. Arbeiten von Bildhauer Thomas Virnich und von Hiroyuki Masuyama aus Japan sind im Schwalmtaldom zu sehen. In der „Boutique Lafayette“ werden neben Werken von Bildhauer Tristan Ulysses Hutgens solche der französischen Künstler  Esteban Neveu Ponce und  Florontine Charon gezeigt. In der Kapelle des Bethanien-Kinderdorfes ist nochmal Klaus Mettig zu sehen.  Setsuko Fukushima zeigt Kokons aus hauchdünnen Papierschichten in der evangelischen Kirche an der Lange Straße, Margot Buscher stellt in der  Pâtisserie Zöhren aus, Schmiedenhof und Heimatstube (Thema: 90 Jahre Landverkraftung) öffnen, Eva-Maria Leewe zeigt in ihrem Vogelsrather Atelier eigene Werke, Heidrun Pielen in ihrem Atelier in Schier.