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Viersen: Treffpunkt Bahnhof

Viersen : Treffpunkt Bahnhof

Der neue Viersener Bahnhof feierte Eröffnung. Investor Hans Wilhelm Janissen-Brass freute sich mit vielen Gästen: "Die Zeit des Grauens hat nun ein Ende, die Stadt hat wieder eine schöne Visitenkarte."

Oktober 2005. Beim Viersener Immobilienunternehmer Hans Wilhelm Janissen-Brass klingelt das Telefon. Fritz Meies ist dran, der CDU-Strippenzieher. Seine Botschaft ist ebenso knapp wie klar: "Wir treffen uns am Sonntag um 10 Uhr am Bahnhof." Janissen-Brass tat, wie ihm geheißen wurde. Gemeinsam nahmen die beiden dann in Augenschein, was sie schon kannten: "Ein Ort des Grauens."

Seit drei Jahren schon gehörte das Gebäude der Stadt. Die hatte Ideen, viele sogar, und nicht alle passten unter einen Hut. Vor allem aber hatte sie eins: kein Geld, um wirklich etwas zu verändern. Janissen-Brass: "Für die Notdurft musste man sich in die Büsche schlagen und seine Gäste hat man lieber in Mönchengladbach abgeholt, weil man sich für den Viersener Bahnhof schämte."

Die halbe Miete

Meies sprach von einem "fürchterlichen Zustand". Auch er hatte eine Idee, bei der Janissen-Brass eine wichtige Rolle spielte. Nachdem die beiden sich durch Augenschein davon überzeugt hatten, dass der Zustand der "Visitenkarte der Stadt" nicht bloß schlimm, sondern sogar noch schlimmer war, verkündete Meies dem Unternehmer: "Das musst Du kaufen und neu gestalten." Anschließend sei man nach Hause gefahren, Janissen-Brass habe keinen Ton gesagt. Wenn der CDU-Mann das erzählt, klingt es ein wenig so, als wolle er sagen: "Das Schweigen war schon die halbe Miete. Andere wären in dem Moment laut schreiend davongelaufen." Janissen-Brass entwickelte statt dessen ein Konzept, kaufte im Sommer 2006 den Bahnhof von der Stadt. Seine Vorgabe war einfach: Zuerst, sagte er, müssen die Bahnhofshalle und die Toiletten saniert werden. Das alles im laufenden Betrieb, denn die Halle war der einzige Zugang zum Tunnel und den Gleisen, die weiterhin der Deutschen Bahn gehören. Was folgte, begleiteten die Viersener mit viel Aufmerksamkeit: Eine Grundsanierung vom Fußboden bis zur Bahnhofsuhr, neue Läden und Türen, Licht und frische Farbe.

Gestern das Eröffnungsfest mit viel Trubel. Und immer wieder Menschen, die Janissen-Brass ansprechen und ihm gratulieren. "Selbst wenn ich durch die Stadt gehe, sprechen mich die Leute auf der Straße an." Dabei ist er noch gar nicht fertig. Im ehemaligen Wartesaal der ersten Klasse soll ein Restaurant entstehen. Der Zweite-Klasse-Raum wird schalldicht ausgebaut, die Terrasse im Innenhof renoviert. "Der Viersener Bahnhof wird eine exzellente Event-Location", verspricht der Unternehmer. Und das nächste Projekt steht schon in den Startlöchern: In spätestens zwei Monaten will er fertige Pläne für die Lohbusch-Brauerei präsentieren.

(RP)