Viersen: Tredy expandiert: 100. Filiale eröffnet

Viersen : Tredy expandiert: 100. Filiale eröffnet

Ohne großes Startkapital hat das Modeunternehmen Tredy vor neun Jahren in Viersen angefangen. Nun öffnet die 100. Filiale ihre Türen. Geschäftsführerin Barbara Reinwaldt erzählt, wie das Unternehmen so wachsen konnte.

Barbara Reinwaldts Geschichte erinnert ein wenig an den amerikanischen Traum. "Jemand, der etwas will und sich engagiert, wird es auch schaffen", sagt sie über ihre Mitarbeiter - und sich selbst. Vor neun Jahren hat sie gemeinsam mit Christina ten Napel-Bauer das Mode-Unternehmen Tredy gegründet, sie hatten kaum Startkapital. Heute liege der jährliche Umsatz bei etwa 50 Millionen Euro. Die 100. Filiale hat eröffnet, Ende Juni wird das mit einer Festwoche in Viersen gefeiert. Wie das geklappt hat?

Für Reinwaldt beginnt die Geschichte mit einem Umbruch. Aufgewachsen ist sie in der DDR, machte eine Ausbildung als Lebensmittelchemielaborantin, studierte Prüf- und Kontrollwesen, arbeitete als Laborleiterin. Dann kam die Wende. Reinwaldts Lebensgefährte wagte den Sprung in den Westen, eröffnete eine Boutique. Sie blieb im Osten, wechselte in die Marketing-Abteilung. Zwei Jahre lang überbrückte das Paar 700 Kilometer, bis Reinwaldt ihre Stelle aufgab und in den Kreis Viersen nachkam.

Sie fand schnell eine neue Stelle, doch das Modefieber hatte sie gepackt - obwohl ihr Lebensgefährte die Boutique schließen musste. Schließlich hatte Reinwaldt mit ihrer Geschäftspartnerin ten Napel-Bauer die Idee, selbst Modegeschäfte zu beliefern. Die beiden fanden Produzenten in der Türkei und gründeten 2005 Tredy. "Wir haben schnell festgestellt, dass die Zahlungsmoral bei den Boutiquen nicht so war, wie das für uns als kleines Unternehmen nötig gewesen wäre", erzählt Reinwaldt. Einige Läden haben ihre Rechnungen nie beglichten. Die Außenstände hat Tredy inzwischen abgeschrieben.

Also kam die erste Korrektur: "Wir haben beschlossen, unsere Waren selbst zu vertreiben", sagt Reinwaldt. Sie eröffneten die erste Filiale in Lobberich, es folgten 16 weitere - so viele waren nötig, damit für Tredy produziert werden konnte. In dieser Zeit stand Reinwaldt häufig selbst in den Geschäften, beobachtete, sprach mit den Kundinnen. Und merkte: Einige Kundinnen langweilten sich, es fehlte an Begeisterung. "Ich dachte, dass es etwas geben muss, womit man die Kundinnen überraschen kann."

Es folgte die zweite Korrektur: In den Filialen sollte man nun "mehr als man erwartet" finden, so das Motto. Bei Tredy gibt es also verspielte und etwas verträumte Damen-Oberbekleidung für wenig Geld. Etwa 100 Euro soll ein Outfit kosten. Produziert wird die Kollektion mit einem vergleichsweise geringen zeitlichen Vorlauf: Sie wird in Viersen entwickelt und auf Passform geprüft, dann in der Türkei in Auftrag gegeben. Acht Wochen später ist die Ware in Viersen und wird an die Filialen verschickt.

Nach der Kurskorrektur 2009 begann der Expansionskurs. Inzwischen gibt es drei Tredy-Filialen im Kreis Viersen - in Brüggen, Viersen und Kempen. Dazu kommen viele weitere Geschäfte in Nordwestdeutschland und ein paar im Süden und Osten der Bundesrepublik. Tredy beschäftigt 555 Mitarbeiter, 70 Prozent von ihnen sind fest angestellt. Die im Bundesanzeiger veröffentlichte Bilanz 2012 weist einen Jahresüberschuss von 1,6 Millionen Euro aus.

Manchmal wundert sich Reinwaldt selbst über ihr Unternehmen. "Mit dieser Erfolgsgeschichte habe ich auch nicht gerechnet", sagt sie.

(RP)
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