Viersen: Tragisches in höchster Vollendung

Viersen : Tragisches in höchster Vollendung

Das letzte Kammerkonzert der Saison mit dem Goldmund-Quartett war packend. Die Zuhörer jubelten.

Zum ersten Mal gastierte in der gut besuchten Festhalle das erst seit wenigen Jahren bestehende, aber schon zu hohen musikalischen Ehren gelangte „Goldmund-Quartett“ (benannt nach der Hermann-Hesse-Erzählung „Narziß und Goldmund“). Die vier jungen Musiker, die jüngst von der „European Concert Hall Organisation“ zu „Rising Stars“ nominiert wurden und somit in wichtigen europäischen Konzertsälen konzertieren werden, hatten vornehmlich ernste Werke mit nach Viersen gebracht – auch wenn der Beginn mit dem frisch und durchsichtig präsentierten späten Streichquartett D-Dur op.76 Nr.5 von Joseph Haydn eher heiter ausfiel. Felix Mendelssohn Bartholdys letztes Quartett ist ein Requiem auf seine  jung und ganz plötzlich verstorbene, innig verehrte Schwester Fanny. Der völlig verzweifelte Komponist drückt darin seine Ohnmacht, seine Wut und auch die Ahnung seines kurz bevorstehenden eigenen Todes aus.

Der übersichtlich führende, sich aber nie ungebührlich in den Vordergrund drängende Primgeiger Florian Schötz, der ihm in seiner Instrumentenbeherrschung in nichts nachstehende zweite Geiger Pinchas Adt, der vitale und hingebungsvoll musizierende Bratscher Christoph Vandory und Raphael Paratore – versiert und voller Wohlklang am Cello – nahmen sich der erschütternden, in die Tiefe dringenden Musik mit hoher Kompetenz und großem Ernst an. Das Zusammenspiel der hoch konzentrierten Instrumentalisten war untadelig, Intonation und klangliche Ausgewogenheit bis in die feinsten Verästelungen sorgfältig austariert.

Dank solcher exzellenter Vorgaben konnte auch das Schwergewicht nach der Pause – das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Streichquartett Nr.3 F-Dur op.73 von Dmitri Schostakowitsch - gelingen. Der vom stalinistischen Sowjetstaat immer wieder gedemütigte Komponist schuf mit dem fünfsätzigen Opus einerseits eine Reflexion der grausamen Kriegszeit, ließ sich andererseits auch von seiner 1945 komponierten klassizistisch-ironischen Neunten Sinfonie beeinflussen. So changiert dieses packende Tongemälde zwischen aggressiv-grimmigen Passagen, beklemmender Trauermusik und sarkastisch-folkloristischen Elementen. All‘ das wusste das Goldmund-Quartett dicht und packend zu vermitteln. Zum Schluss – nach einer Zeit des Innehaltens – brach großer Jubel los, und die Musiker dankten mit beruhigenden Klängen.

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