1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Viersen: Tradition und Moderne in der Moschee

Viersen : Tradition und Moderne in der Moschee

Die Türkisch-Islamische Union Viersen öffnete ihr Gotteshaus für Besucher.

Ilknor Özkan, stellvertretende Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union Viersen, trägt ein rosa-grau gemustertes Kopftuch und dunkelblaue Socken, auf denen deutlich "Tweety" zu lesen ist. Derlei Kontraste von Tradition und Moderne begegnen den Besuchern der Viersener Moschee an der Süchtelner Straße beim Tag der offenen Tür häufig. So hängt im reich verzierten Hauptsaal der religiösen Einrichtung neben verschlungenen arabischen Kalligraphien eine moderne Digitaluhr, die die Gebetszeiten, Datum, Uhrzeit und Temperatur anzeigt. Und im deutlich spärlicher dekorierten Gebetsraum der Frauen hängt ein Flachbildschirm an der Wand, damit die weiblichen Besucher der Moschee dem Gebet und den Veranstaltungen im Hauptraum folgen können.

Özkan freut sich besonders über die Toleranz der Viersener: "Es ist toll, dass so viele Menschen zum Tag der offenen Tür erschienen sind und ihr Interesse an unserer Kultur zeigen. Wir stehen bereits im engen Dialog mit der evangelischen Kirche in Viersen und hoffen, dass wir unsere Feiertagsveranstaltungen in Zukunft vielleicht auch in ihren Räumen abhalten können." Die Moschee verfüge zwar über weitere Räume, die für Verlobungen und Hochzeiten genutzt würden, biete aber für die gut 1500 Besucher, die dort an religiösen Feiertagen zusammenkämen, kaum genug Platz. Özkan hofft daher auch auf ein Entgegenkommen der Schulen, die zum Beispiel ihre Aulen zur Verfügung stellen könnten.

Özkan erklärt beim Rundgang den Aufbau des Hauptraums: "In der Mitte ist die Nische, in der der Imam seinen Platz als Vorbeter einnimmt. In der Ecke rechts davon ist die Erhöhung, von der er als Prediger spricht, und in der linken Ecke tritt er auf einem Stuhl als Lehrer auf." Die Kalligraphien an den Wänden haben ebenfalls ihre eigene Bedeutung: "Sie stehen für Allah, den Propheten Mohammed und die Kalifen, die nach seinem Tod sein Wirken fortgeführt haben." Unter der Decke schlängeln sich in goldenen Lettern außerdem die 99 Namen Allahs, Kronleuchter funkeln in jeder der fünf Kuppeln. Die Moschee ist vor zehn Jahren zuletzt durch Spenden renoviert worden. Dass man den Gebetsraum nur auf Socken betreten darf, hat einen ganz praktischen Grund: "Wie in vielen muslimischen Häusern auch, ist der Boden fast komplett mit Teppich belegt. Außerdem knien wir hier auch zum Gebet nieder, und das will man ja nicht auf schmutzigem Boden", erklärt Özkan.

Das Gebet selbst sei vor allem für die Menschen wichtig, betont Özkan. "Allah braucht unsere Gebete nicht so sehr, wir können aber in ihnen zur Ruhe vom Alltag kommen und uns sammeln. Es ist fast wie eine Therapie", meint die stellvertretende Vorsitzende schmunzelnd. Sie erläutert den Ablauf des Gebetes und der rituellen Waschungen, die jedem Gebet vorangehen. "Aber heute ist das nicht mehr so streng. Wer die Zeit hat, betet, aber die Übergänge zwischen den Gebeten sind fließend." Im Innenhof ist ein Basar aufgebaut, orientalische Spezialitäten verbreiten würzige Gerüche. Junge Frauen verkaufen an Ständen selbst gefertigte Hausschuhe, Tücher und Kleider – ein Stückchen Türkei für Viersen.

(amey)