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Viersen: Tote Tiere im Kanal: NEW gesteht Fehler

Viersen : Tote Tiere im Kanal: NEW gesteht Fehler

Hunderte Fische, Molche und andere Amphibien sind verendet, weil für Arbeiten das Wasser aus dem Kanal abgelassen wurde. Die Staatsanwaltschaft prüft nun einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Naturschützer fordern Konsequenzen.

Auf Anfrage unserer Redaktion hat sich die NEW am Donnerstag erneut zu den Reinigungsarbeiten am Nordkanal geäußert, bei denen am vergangenen Wochenende hunderte Fische, Molche und andere Amphibien verendet sind. NEW-Prokurist Achim Marx räumte dabei ein, bei den Arbeiten Fehler gemacht zu haben. "Wir hatten unsere Mitarbeiter angewiesen, die Tiere vor den Reinigungsarbeiten zu entfernen, das war aber offenbar nicht ausreichend, das müssen wir eingestehen", erklärte Prokurist Achim Marx.

Um den Kanal, der als Regenauffangbecken dient, gründlich zu reinigen, hatte die NEW das Wasser fast vollständig aus dem Becken gelassen. Das hatte zur Folge, dass die Tiere, die in dem Gewässer einen Lebensraum gefunden hatten, qualvoll verendeten. Naturschützer werfen der NEW vor, den Tod dieser Tiere billigend in Kauf genommen zu haben. Im Vorgehen der NEW lägen gleich mehrere Gesetzesverstöße vor, erklärten die Tierschützer.

Franz Lohbusch, Ratsherr der Linken, erstattete Anzeige mit dem Inhalt der Verletzung des Naturschutz-, Artenschutz- und Tierschutzgesetzes. Inzwischen steht fest, dass sich von nun an die Staatsanwaltschaft mit dieser Rechtsmaterie auseinandersetzen wird. Die Kriminalpolizei hat bereits Anzeige gestellt. Hintergrund ist folgender: Weil im Nordkanal Tiere gelebt haben könnten, die nach Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes unter besonderem Schutz stehen, ist eine Gesetzesverletzung im Bereich des Möglichen. Sollte sich herausstellen, dass im Nordkanal tatsächlich geschützte Arten gelebt haben, wäre ein Gesetzesverstoß bewiesen. Das, und auch, ob möglicherweise Verstöße gegen weitere Gesetze vorliegen könnten, wird die Staatsanwaltschaft prüfen.

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Was aber schon jetzt fest steht: Mindestens handelte die NEW fahrlässig. Prokurist Achim Marx bestätigte gegenüber der RP: "Kontakt zur Unteren Landschaftsbehörde hatten wir bezüglich der Reinigungsarbeiten nicht." Diesen Kontakt hätte es nach RP-Informationen aber geben müssen. Vor jedem Eingriff in die Natur muss ein Gutachten klären, ob gefährdete Arten betroffen sein könnten. Dieses Gutachten gab es im Fall des Nordkanals nicht.

Prokurist Achim Marx äußerte sich gestern auch dazu. Die NEW würden bereits an neuen Verfahren für die Reinigung des Kanals arbeiten. "Dieses Verfahren werden wir dann mit allen Behörden abstimmen", betonte er. Ganz ähnlich hatten sich die NEW am Montag schon in einer Pressemitteilung geäußert. Darin hieß es: "Wir werden bei einer erneuten Reinigung noch stärker auf die Tierwelt im Kanal achten." Für die Naturschützer sind das nur leere Worte.

Mehr verraten sie in einem Beitrag im sozialen Netzwerk "Facebook": Als sich die Naturschützer am Dienstagmorgen auf den Weg zum Kanal machten, hätten sie dort keine Verbesserung der Situation vorgefunden. Beschäftigte der Firma NEW seien damit beschäftigt gewesen, den Beckenboden mit Kies zu verfüllen. Nach lebendigen Tieren hätten sie vorher offenbar nicht gesucht. In dem Beitrag teilen die Naturschützer mit, innerhalb von nur zehn Minuten über 20 Molche gefunden zu haben. Ob darunter auch in Viersen häufig vorkommende geschützte Kamm-Molche waren, ist nicht bekannt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tote Tiere in Viersener Kanal

(RP)