Tornado in Schwalmtal/Viersen: „Wir dachten, es brennt. Auf einmal kam es auf uns zu“

Tornado im Kreis Viersen: „Wir dachten, es brennt. Alles war schwarz“

Ein Tornado ist am Abend über den Kreis Viersen gezogen. Ralf Nowak filmte den Wirbelsturm, als er vor ihm hinwegfegte. Viele Menschen in Viersen-Boisheim erlebten dramatische Stunden. Ein Mann fuhr mit seinem BMW offenbar direkt in den Sturm.

„Wir hatten aus dem Fenster geguckt“, sagt Nowak, der den Sturm in Schwalmtal-Dilkrath zu Gesicht bekam. „Wir dachten, es brennt, alles war schwarz. Auf einmal kam er auf uns zu.“ Danach sei der Sturm schwächer geworden, berichtet er. Zerstört worden sei im näheren Umfeld nichts.

Tornado zieht über Schwalmtal

Für Aufsehen sorgte am Abend auch ein Video in der Facebook-Gruppe „Langweiliges Viersen“. Zu sehen ist der Fahrer eines BMW, der anscheinend direkt durch den Tornado fährt. „Alter, Scheiße“, kommentiert der Fahrer relativ ruhig. Ob das Video tatsächlich von Mittwochabend stammt, steht nicht fest. Ein Nutzer namens Fabio M. hatte das Video an den Gruppen-Admin geschickt.

Am schlimmsten traf der Tornado den Viersener Stadtteil Boisheim. Zahlreiche Bäume fielen um. Ein Wohnanhänger wurde mehrere Meter weit durch einen Garten geschleudert und blieb zwischen zwei Tannengewächsen hängen. Als der Sturm allmählich seinen Höhepunkt erreichte, wurde Jan Goetzie, der an der Linder Straße wohnt, aus dem Schlaf gerissen. „Ich habe aus dem Fenster gesehen und Dachpfannen flogen durch die Gegend. Ich habe dann die Rolladen heruntergelassen und den anderen im Haus gesagt, sie sollen von den Fenstern wegbleiben“, erzählt der 26-Jährige.

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Ein paar Häuser weiter erlebte Gernot Koehler den Sturm. „Unser Gewächshaus ist fliegen gegangen. Drei Bäume sind umgekippt“, erzählt er. „Ich bin kurz vorher nach Hause gekommen. Bald darauf flogen auf der Straße Mülltonnen durch die Gegend.“

Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) war am Mittwochabend in Boisheim vor Ort, als viele der Bürger auf der Straße das Chaos beseitigten. Sie lobte die Menschen für ihren Einsatz und sprach von einem Katastrophenszenario. „Die meisten Betroffenen hatten aber wohl Glück im Unglück“, sagte sie.

Viele Viesener durchlebten dennoch dramatische Stunden. „Meine Tochter hat geschrien, weil sie Angst hatte“, erzählt Olaf Welke aus Boisheim. „Unser Badezimmerfenster ging kaputt, als meine Frau gerade im Raum war.“ Der Sturm habe sich nicht lange angekündigt: „Erst zischte es, dann kam alles plötzlich.“

(sef/msc)
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