Tonindustrie war der größte Arbeitgeber

Kreis Viersen : Tonindustrie war der größte Arbeitgeber

An den Dachziegelhersteller Laumanns erinnert heute nur noch ein Baugebiet an der Borner Straße. Wie wichtig die Tonindustrie über 135 Jahre war, zeigt ein Vortrag von Gottfried Optenplatz am Mittwoch, 20. November.

Gottfried Optenplatz berichtet bei den Heimatfreunden St. Peter Born über die 135-jährige Geschichte der Tonindustrie in Brüggen und im Grenzgebiet. „Für die Produktion der Dachziegel gelten immer noch die Elemente ‚Wasser – Erde – Feuer‘“, sagt der 69-Jährige. „Natürlich ist die Herstellung der Ziegel immer mehr industrialisiert worden. die Tonaufkommen gibt’s vor der Haustüre. Die Tonindustrie war einst der größte Arbeitgeber Brüggens.“ Optenplatz war nach 15 Jahren als Landmaschinenmechaniker 30 Jahre als Betriebsleiter und Geschäftsführer der Janssen Söhne Dachziegelei sowie fünf Jahre als Betriebsleiter der CMS Dachkeramik in Leuth tätig.

„Nichts mehr erinnert mehr an die ruhmreiche Zeit der Dachziegel in Brüggen an der Borner Straße. Selbst der Bahnschienenbetrieb lässt sich hier nur noch erahnen“, erzählt Optenplatz. Der Name des Dachziegelherstellers Laumans sei in Brüggen immer noch in Erinnerung mit dem Neubaugebiet auf dem Laumansgelände. Lange sei die Laumansbrücke, die auf der Borner Straße die Produktionsstätte auf beiden Seiten verband, im Gespräch gewesen, um sie als Erinnerungsstück stehen zu lassen.

 Die Brüggener Tonindustrie war von 1885 bis in die 1960- und 1970-iger Jahre dominierender Wirtschaftszweig im damaligen Westkreis Kempen-Krefeld. Es gab kleinere Ziegeleien, die überwiegend Feldbrandsteine (Klinker) herstellten. Auf niederländischer Seite gab es schon mehrere Ziegeleien, die den deutschen Dachziegeleien voraus waren. Die beiden ersten Firmen auf deutschem Gebiet in Kaldenkirchen wurden durch die Niederländer Gebrüder Teeuwen aus Tegelen und die Dampfziegelei Echt aus Echt/Limburg sesshaft.

Vom Bahnhof Brüggen erfolgte der Versand der Dachziegel. 18 Prozent der gesamten Dachziegelproduktion für das Deutsche reich stammten aus der Region. Foto: Optenplatz/Archiv

Im Jahr 1886 gründete sich die Ziegelei Jakob Schlüter an der Borner Straße. „Diese Ziegelei ging aus einer bisherigen Handfertigung eines Brüggener Gastwirtes ebenfalls mit Namen Schlüter hervor“, erzählt Optenplatz. Die erste mechanische Ziegelei in Brüggen seien die „Rheinische Dampffalzziegelfabrik Schlüter & Co.“ gewesen. Die weiteren Ziegeleien betrieben überwiegend Holländer, die Brüggen bis zur Jahrhundertwende zu einer Dachziegel-Hochburg ausbauten.

1890 erfolgte die Inbetriebnahme der vierten Großziegelei „Brüggener Aktiengesellschaft“ in Oebel, kurz „BAG“ oder auch „AG‘s“ genannt, die damals größte und zweckmäßigste Ziegelei. Die erste Ziegelei gründeten in Bracht 1896 auf der Stiegstraße die Brüder Stephan, Jakob und Casper Laumans, Geldgeber war ihr Vater Quirin. Für das Deutsche Reich wurden mit 90 Millionen Dachziegeln 18 Prozent des Bedarfs durch Betriebe von Niederkrüchten bis Kaldenkirchen abgedeckt. Heute produzieren zwei Werke, Laumanns in Bracht und Röben in Oebel, rund 40 Millionen Stück.