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Tolle Party für Viersens großen Dichter Albert Vigoleis Thelen

Kultur in Viersen : Tolle Party für Viersens großen Dichter

Albert Vigoleis Thelen ist der berühmteste Schriftsteller aus Viersen. Bei einer literarischen Geburtstagsfeier zu seinem 116. verbanden jetzt zwei ausgewiesene Experten hohen Sachverstand mit Unterhaltungsqualität.

„Mallorca“ hieß eins der Stücke, mit denen das Viersener Gitarrentrio die literarische Geburtstagsfeier für den 1903 in Süchteln geborenen Schriftsteller Albert Vigoleis Thelen begann. Und genauso gut passte ein weiteres Stück, das Ottmar Nagel, Walter Frasch und Herbert Hähnel zu diesem Anlass spielten: es stammte von Jean Françaix und hieß „Lesendes Mädchen“.

„Was würde wohl“, fragte Albert Pauly, „das Geburtskind zu einer solchen Ehrung sagen?“ Und zum Thema: „Warum wir Albert Vigoleis Thelen ebenso begeistert wie bedingungslos lieben.“ Wahrscheinlich“, so der Vorsitzende des Viersener Vereins für Heimatpflege, „hätte er sich geschmeichelt gefühlt, ohne es aber zuzugeben.“

In der bewährten Zusammenarbeit des Heimatvereins mit der Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek und den Buchhandlungen Doetsch Dülken-Viersen-Brüggen wurde diesmal eine neue Veranstaltungsform ausprobiert. Anstelle eines Vortrags war ein literarisches Quartett geplant. Das war ein Experiment, und es war rundum gelungen. Die zahlreich gekommenen Besucher hatten ihre helle Freude daran, und die drei Mitwirkenden auf dem Podium ebenfalls.

 In der Villa Marx erinnerten Albert Pauly, Anton Kruse, Rolf Thelen und Jürgen Pütz an den Schriftsteller (oben, von links). Otmar Nagel, Walter Frasel und Herbert Höhnle sorgten für den guten Ton.
In der Villa Marx erinnerten Albert Pauly, Anton Kruse, Rolf Thelen und Jürgen Pütz an den Schriftsteller (oben, von links). Otmar Nagel, Walter Frasel und Herbert Höhnle sorgten für den guten Ton. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Drei? Höhere Gewalt hatte dazu geführt, dass der Schweizer Religionswissenschaftler Peter Wild, einer der vorgesehenen Teilnehmer, wegen akuter Erkrankung im letzten Moment absagen musste. Trotzdem lief es wie geschmiert. Die beiden Diskutanten Joseph Anton Kruse und Jürgen Pütz fanden großartig zueinander. Als dritter in der Runde übernahm Vigoleis‘ Neffe Rolf Thelen den Vortrag der Zitate aus dem Werk seines Onkels. Das machte er ganz hervorragend, so dass Kruse aussprach, was alle dachten. Wenn man die Augen zumachte, wurde man doch sehr an den Tonfall des echten Vigoleis erinnert. Der ist nicht verloren gegangen, er ist in Tondokumenten festgehalten.

Kruse war bis zu seiner Emeritierung Literatur-Professor in Düsseldorf und langjähriger Direktor des Heinrich-Heine-Instituts. Pütz schrieb seine Doktorarbeit über Thelen und ist Herausgeber zahlreicher Schriften von und über Thelen.

Kruse und Pütz ergänzten sich prächtig. Pütz darf wohl als Thelen-Experte Nr. 1 gelten. Er kennt Leben und Werk genau und argumentierte gewissermaßen von innen her, aus Thelens Perspektive. Kruse kannte sich bei Thelen auch aus, sah ihn aber mehr von außen, indem er ihn mit anderen bedeutenden Autoren verglich, vor allem mit Heinrich Heine, Theodor Fontane und Thomas Mann. Beide Sichtweisen zusammen schufen ein differenziertes Bild des Vigoleis, der es in der Tat sich wie anderen nie einfach machte. Was wäre aus ihm wohl ohne die tiefe Liebe zwischen ihm und seiner Frau Beatrice geworden? Wir wissen es nicht.

Bei aller Lockerheit des Gesprächs, bei allem Humor und aller Talk-Show-Qualität wurden ernste Themen nicht ausgespart. Kruse hat wissenschaftlich über „Prügelknaben“ gearbeitet, also über Schriftsteller, die in ihrer Jugend so verprügelt wurden, dass sie ihr Leben lang darunter litten. Dass ein Süchtelner Geistlicher Thelen beim Kommunion-Unterricht brutal mit einem Schlüssel auf die Zunge schlug, weil diese nicht weit genug herausgestreckt war, gehört mit ihn diese Thematik.

Was literarisch nicht einfach zu beurteilen ist: schildert Thelen sich selbst – etwa in der „Insel des zweiten Gesichts“ - realistisch oder fiktiv? Pütz: „Thelen startet im Autobiographischen und landet im Fiktiven“. Dem stimmte Kruse zu.

Die traditionelle Geburtstags-Torte schmeckte auch am 116. Geburtstag ganz ausgezeichnet, nicht nur, weil Thelens Autogramm sie als Zuckerguss schmückte.