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Tödliche Falle für Jäger: Hochsitze angesägt

Vandalismus im Grenzwald : Sabotage an Hochsitzen — Jäger empört

In Brüggen und Nettetal haben Unbekannte die Dunkelheit genutzt, um neun Hochsitze zu beschädigen. Für Jäger kann dies zur tödlichen Falle werden. Die Polizei ermittelt, doch bisher gibt es keine Spur zu den Tätern.

Das hat Reinhold Heußen (78) in seinen 40 Jahren als Schriftführer der Jagdgenossenschaft Nettetal-Kaldenkirchen noch nicht erlebt: „Bisher hatten wir keine Probleme mit zerstörten Hochsitzen.“ Doch das hat sich  geändert.

Zwei Hochsitze sind in der Nacht von Freitag, 9. November, auf den folgenden Samstag in den Kaldenkirchener Jagdrevieren zerstört worden, weitere sieben waren es im angrenzenden Revier in Brüggen-Bracht. Unbekannte haben „Hochsitze angesägt, Bänke herausgerissen, Plexiglasscheiben zerschlagen, Leitern und Geländer zerstört“, beschreibt Kevin Bonnacker, Vorsitzender des Hegerings Kaldenkirchen. Der Schaden wird auf einige zehntausend Euro geschätzt.

Das Risiko für die Jäger kann jedoch tödlich sein, warnt Bonnacker: „Oft sieht man nicht, dass ein Hochsitz angesägt wurde. Wenn der Hochsitz umkippt, kann solch ein Unfall zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod führen.“ Was nicht jeder wisse: Die Jagd diene einem Zweck. Jäger würden gezielt gegen die Schweinepest aktiv sein, seien deshalb oft im Wald unterwegs.

Für die Polizei ist die Zerstörung von Hochsitzen eher selten. „In diesem Jahr gab es drei Vorfälle: im April, Oktober und die jüngsten im November“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Goertz. Die Schneise der zerstörten Jagdsitze im Grenzwald ist 14 Kilometer lang und reicht bis zur niederländischen Grenze. Ob es sich in allen Fällen um denselben Täter handelt, ob es ein Einzeltäter oder eine organisierte Gruppe war, kann die Polizei nach den bisherigen Ermittlungen nicht eingrenzen. „Die Täter nutzen meist die Dunkelheit, werden daher selten gesehen“, sagt Goertz. Die Hochsitze liegen zudem derart versteckt im Wald. Es sei wahrscheinlich, dass die Täter sich auskennen: „Eine Suche wäre zu aufwändig“, so der Polizeisprecher. Zudem müssten sie Werkzeuge dabei haben.

Die Jäger in Kaldenkirchen und Brüggen sind laut Kevin Bonnacker verärgert, können sich wenig vor der Gefahr und den Vandalismus schützen. „Kontrollen sind schwierig.“  Die Untere Jagdbehörde des Kreises rät ebenfalls zur Vorsicht: „Aus jüngster Erfahrung werden alle Jäger bei Drückjagden angehalten, selbst noch einmal die Trittsicherheit und Standfestigkeit der Ansitze zu prüfen.“ Anders als etwa die ehrenamtliche Naturschutzwacht der Naturschutzbehörde sei ein spezieller Außendienst für regelmäßige Kontrollen der Unteren Jagdbehörden gesetzlich nicht vorgesehen.

„Auch wir werden das Thema untereinander nochmal besprechen“, sagt Kevin Bonnacker. Heußen hofft indes auf aufmerksame Waldbesucher, die Auffälliges bei der Polizei melden. Die Kaldenkirchener Jäger haben bereits die Untere Jagdbehörde und die Polizei eingeschaltet. Doch die Tätersuche sei schwierig: „Mitarbeiter der Jagdbehörden ermitteln den Sachverhalt im Rahmen der Möglichkeiten und sind dabei häufig auf die Fakten und Beweismaterial wie Fotos angewiesen, die Privatpersonen und Polizei ermitteln und weitergeben“, erklärt der Kreis.