Thorsten Möller leitet den Bereitschaftsdienst des DRK Viersen.

Viersen : Dienst bei Schützenfesten und Martinszügen

Ehrenamtler wie Thorsten Möller oder Alissa Schouren machen beim Deutschen Roten Kreuz Viersen Dienst, wenn andere feiern.

Thorsten Möller hat sich einen Job ausgesucht, der ihm einiges abverlangt. „Man steht da schon richtig unter Strom“, sagt er. Der 32-jährige Viersener arbeitet als Notfallsanitäter im Schichtdienst im Chempark Dormagen. In jeder Schicht muss er damit rechnen, dass er  zu Schwerverletzten gerufen wird,  dass er schnell medizinische Hilfe leisten und womöglich Leben retten muss. Da wäre es doch  wohl völlig verständlich, wenn Möller in seiner Freizeit einem  Hobby nachgeht, das ohne oder zumindest mit weit weniger Strom auskommt. Briefmarken sammeln, zum Beispiel. Oder Wandern.

Stattdessen arbeitet er auch in seiner Freizeit im Schichtdienst, muss darauf vorbereitet sein, dass er auf Verletzte trifft, muss in Gefahrensituationen ausrücken – alles ehrenamtlich. Seit zehn Jahren leitet Möller mittlerweile die Bereitschafts-Abteilung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) der Ortsgruppe Viersen, und so stressig es auch mal sein kann: „Für mich ist das ein Ausgleich zur Arbeit, mir macht das Spaß“, betont er.

Rund 60 Mitglieder hat das DRK in Viersen, 20 davon – im Alter von 18 bis 66 Jahre – gehören der Bereitschafts-Abteilung an. Die Bereitschaft kommt zum Einsatz, wenn Schützenfeste oder Karnevalszüge sind, bei Martinszügen, Sportfesten, großen Partys. „Das DRK sorgt für medizinische Sicherheit“, erläutert Möller, der während seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger auf die Arbeit des DRK aufmerksam geworden war. Katastrophenschutz gehört ebenfalls zum Aufgabengebiet der DRKler: Wenn mal wieder in Viersen ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden muss, bei Großbränden oder Wetterereignissen wie dem Tornado in Boisheim rücken die Ehrenamtler aus. Dann unterstützen sie ebenso wie andere Hilfsdienste die Feuerwehr. „Wir teilen uns das Blaulicht“, sagt Möller.

Natürlich besteht sein Dienst beim DRK nicht nur aus Einsätzen. Es geht dabei auch um Kameradschaft und Gemeinschaft. Fortbildungen gehören außerdem dazu, alle zwei Wochen trifft sich das Team zum Gruppenabend, wartet den Gerätewagen und den Krankentransportwagen, prüft, ob das nötige medizinische Material vorrätig und gebrauchsfertig ist. Für Möller ist das dann der besonders ausgleichende Teil seines Ehrenamts.

Insgesamt habe die Bereitschaft im vergangenen Jahr rund 4000 Einsatzstunden gehabt, erzählt der 32-Jährige. Wer sich der Gruppe anschließt, „muss ein Opfer bringen – und das ist die Zeit“, sagt Möller. „Und man bekommt leider kein Geld.“ Diese Kombination macht es den DRKlern nicht gerade leicht, neue Helfer zu finden. Und die würden eigentlich gebraucht, denn: „Wir haben mehr Arbeit als Leute“, fasst Möller zusammen. Bei Großeinsätzen mache sich das zwar nicht bemerkbar, schwieriger sei es vielmehr, Personal für die Routine-Einsätze an den Wochenenden zu finden. Nachwuchsarbeit ist deshalb ein wichtiger Faktor beim DRK.

Seit drei Jahren hat Viersen eine eigene Jugendrotkreuz-Gruppe (JRK), Leiterin  und Gründungsmitglied ist die 18-jährige  Alissa Schroeren. „Wir waren in einer DRK-Schulsanitätsgruppe am Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium“, erzählt sie. Bei einer Schulung dafür sei die Idee aufgekommen, eine eigene  JRK-Gruppe zu gründen.

Von den anfangs 15 Gründern blieben allerdings nur noch drei übrig, mittlerweile hat Schroerens JRK-Gruppe 14 Mitglieder im Alter von zehn bis 16 Jahren. „Wir treffen uns alle zwei Wochen zur Gruppenstunde“, sagt sie. Dann geht es um Erste Hilfe und die Vorbereitung auf eine der zwölf bis 16 Notfallübungen im Jahr, aber auch mal um Politisches, ums Klima oder um Flüchtlinge.