Tanzen wie ein Amernicano in Schwalmtal

Schwalmtal : Tanzen wie ein Amernicano

Walzer? Foxtrott? Salsa? Kann ja jeder. Wir haben den Square Dance geübt. Der trainiert nicht nur die Füße, sondern auch das Gehirn.

Ein Saal im Pfarrheim Dilkrath, etwa 30 Tänzerinnen und Tänzer im gehobenen Alter, eine Tanzfläche, Musik und ein Tanzleiter. Klingt nach einem ganz normalen Tanzabend mit Standardtänzen wie Walzer, Foxtrott & Co. Eben die klassischen Tänze, deren feste Schritte und Abläufe jeder mehr oder weniger auswendig kennt.

Er ruft die Tanzfiguren in den Raum, und die Vierergruppen beginnen zu interagieren. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Nur ist der Tanzleiter gar kein Tanzleiter, sondern ein sogenannter Caller. Zwar kennen die Tänzer die grundlegenden Schritte und Figuren, nur wissen sie nicht, in welcher Reihenfolge und Kombination diese gleich getanzt werden. Klingt komisch, ist aber die ganz normale Ausgangssituation beim Western Square Dance, der beim SquareDance Club Amernicanos in Schwalmtal getanzt wird.

Rund 30 verschiedene Calls gibt’s auf der Anfängerstufe. Profis kennen mehr als 70. . Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Der Western Square Dance ist eine Form des Volkstanzes, die aus den USA kommt und in Deutschland in mehr als 500 Vereinen getanzt wird. Jeweils vier Paare stellen sich an den Seiten eines imaginären Quadrats auf, je nach Teilnehmerzahl und Platz können auch mehrere solcher Gruppen gleichzeitig auf der Tanzfläche teilnehmen. Der sogenannte Caller gibt die zu tanzenden Figuren jeweils einzeln vor und kann somit die Reihenfolge individuell an die Musik, seinen eigenen Stil und auch die Tänzer anpassen, wodurch so schnell keine Langeweile aufkommt.

Ich nehme nach kurzem Zusehen ebenfalls Aufstellung. Der Caller erklärt der Gruppe, die aus Neueinsteigern und etablierten Mitgliedern besteht, einige einfache Grundlagen. Neben mir steht mein Partner, rechts von mir meine sogenannte „Corner“, welcher auch als Partner, in dem Fall Partnerin, über Eck beschrieben werden kann. Schnell geht es mit den Grundfiguren los, die Drehungen und einfache Schrittfolgen enthalten. Ohnehin fällt auf, dass man nicht neben den anderen Paaren her, sondern aktiv mit ihnen tanzt. Durch Drehungen und Handwechsel findet immer wieder für kurze Zeit ein Partnerwechsel statt, ehe man zur Ausgangsposition und ursprünglichem Partner zurückkehrt. Obwohl ich ein ausgewiesener Tanzmuffel bin, muss ich zugeben, dass es trotz einiger Schwierigkeiten anfängt Spaß zu machen. Ist man unsicher, welche Bewegung oder welche Richtung gemeint ist, so helfen die Partner oder weitere Mitglieder der Gruppe gerne aus. Der Caller wird zum Regisseur, der den Tanz mithilfe der Calls und der Musik für die Tänzer gestaltet.

Schnell fällt auf, dass Square Dance nicht nur die Beine, sondern auch den Kopf beschäftigt. Da keine auswendig gelernte Choreografie besteht, muss man die unterschiedlichen Kommandos jederzeit abrufbar parat haben. Es hat schon ein wenig was von Gehirnjogging, möglichst zügig und korrekt die unterschiedlichen Figuren auszuführen. In der Grundstufe Basic gibt es rund 30 verschiedene Calls, die alle in englischer Sprache vermittelt werden. Englischkenntnisse sind aber nicht zwingend notwendig, da alle Kommandos für die Neulinge erklärt und vorgeführt werden. In den weiteren Stufen kommen weitere komplexere Figuren hinzu. So kennen Tänzer der Stufe Advanced bis zu 70 verschiedene Figuren.

Die Tänzerinnen tragen alltägliche Kleidung, die Frauen oftmals Kleider, eine besondere Ausrüstung ist nicht vonnöten. Neulinge sollten Spaß an der Bewegung mitbringen und offen sein, sich auf Neues einzulassen.

 „Jeder Caller hat seinen eigenen Stil. Je nachdem wie viele Tänzer auf der Fläche sind und auf welchem Niveau das Ganze stattfindet hat es schon ein wenig was von einem Strategiespiel auf der Tanzfläche, da die unterschiedlichen Gruppen teilweise auch untereinander agieren“, erklärt Dietmar Nowack, seit rund 20 Jahren Vorsitzender des Vereins. Auf Reisen in die USA und Kanada hat er seine Repertoire erweitert und zahlreiche Kontakte geknüpft.

Squaredance in Dilkrath. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

 „Mich hat eine Freundin eingeladen, die schon lange Mitglied ist und nun habe ich es zum ersten Mal ausprobiert. Es ist zwar ein wenig ungewohnt aber es macht von Beginn an sehr viel Spaß. Auch als absoluter Neuling lernt man schnell die ersten Grundfiguren“, beschreibt eine Teilnehmerin ihre ersten Erfahrungen mit dem Square Dance bei den Amernicanos.