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Tag des Offenen Denkmals in Viersen - das gibt's zu sehen

Architektur in Viersen : Was Denkmale zu erzählen haben

Unter dem Motto „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ rücken am Sonntag beim Tag des Offenen Denkmals Mythen, Legenden und Handwerkskünste in den Fokus. In Viersen gibt’s vier lohnende Ausflugsziele.

Der zweite Sonntag im September ist seit 29 Jahren bundesweit „Tag des Offenen Denkmals“. Ganz unterschiedliche Institutionen beteiligen sich in Viersen – der Bogen reicht vom Lehm bis zu Philosophen.

So bietet der mit seinen knapp 500 Jahren zu den ältesten Höfen der Region zählende Lemmejanshof den Besuchern Einblicke mit ganz viel Hintergrundwissen. Auf digitalem Wege ist Kostenpflichtiger Inhalt das Baudenkmal Tho Lemmejanszu besichtigen. Das Amt für Denkmalpflege im Rheinland konnte in den vergangenen zwei Jahren einige Geheimnisse über den Lemmejanshof in Viersen-Hoser lüften. Diese Forschungsergebnisse und auch die alten Handwerkstechniken, die das Gebäude wieder zum Leben erwecken, werden in einem rund zehnminütigen Film zum Tag des offenen Denkmals präsentiert.

 Mehr Lehm! In alten Handwerkstechniken wird der fast 500 Jahre alte Lemmejanshof in Viersen-Hoser restauriert. Ein neuer Film zeigt die Arbeiten.
Mehr Lehm! In alten Handwerkstechniken wird der fast 500 Jahre alte Lemmejanshof in Viersen-Hoser restauriert. Ein neuer Film zeigt die Arbeiten. Foto: LVR

Der Fachwerkhof stand jahrelang leer und war sich selbst überlassen. Vor zwei Jahren hat die Familie Peter Overlack aus Liedberg die Restaurierung und Reaktivierung von Tho Lemmejans unter der Leitung des Viersener Architekten Martin Breidenbach gestartet und damit die Rettung eines geschichtlichen Schatzes begonnen. Da schriftliche Quellen zum Hof nicht existieren, stellten sich viele Fragen. Daher wurden die Bauforschung, Vermessung und Restaurierung in Vorbereitung für die anstehende denkmalgerechte Sanierung tätig, denn für sie ist das Bauwerk selbst die aussagekräftigste Quelle. Die Fachleute des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland erstellten Pläne und beantworteten Fragen nach Materialien, Konstruktion und Baugeschichte. Diese Ergebnisse helfen bei der Beurteilung des Denkmalwertes. Jede Bauuntersuchung liefert darüber hinaus die Grundlage für wissenschaftliche Forschung über historische Architektur. Und sie offenbart oft spektakuläre Einblicke in die Baugeschichte, die ein Denkmal wertvoll und einzigartig macht.

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Gemäß einer dendrochronologischen Untersuchung, die das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland veranlasste, sind die Eichenbäume für die Errichtung des Gebäudes 1545 bis 1548 gefällt worden, so dass als Baujahr 1548 oder 1549 angenommen wird. Das Gebäude vereinigt in sich zwei bauhistorische Epochen, nämlich das Rauchhaus mit hoher Tenne und offen brennendem Feuer sowie das Doppelankerhaus, mit einem so genannten  „hohen Herd“ unter einer großen Kaminschürze. Zudem hat der Dreißigjährige Krieg Spuren am Gebäude hinterlassen, die sich baugeschichtlich interessant ausdrücken. Der Film über den Tho Lemmejanshof bei Youtube abrufbar.

Aber nicht nur dort wird es spannend: Zum Tag des Denkmals wird im Viersener Salon in der Villa Marx, Gerberstraße 20, um 11 Uhr die Ausstellung Kostenpflichtiger Inhalt „Rintgen – Entwicklung eines Viersener Stadtteils“ eröffnet.

Und in der denkmalgeschützten Villa V, Burgstraße 4, öffnen sich am 12. September ab 11.30 Uhr die Türen, lädt Gerda-Marie Voß Besucher dazu ein, übers Wasser zu gehen. Eine Bodeninstallation der Philosophin und Künstlerin Eva Koethen mit dem Titel „Das Schwimmbad dringt ins Haus“ im ehemaligen Wohnhaus von Walter Kaiser macht’s möglich. Koethen greift mit dem Kunstwerk ihre Spontanidee vom allerersten Ortsbesuch vor sieben Jahren auf: Sie verschränkt den architektonischen Innen- und Außenraum der Villa V, indem sie das im Garten liegende Schwimmbad ins zentrale Wohnzimmer des Hauses transponiert. Hinter der großen gläsernen Fensterfront zur Terrasse entsteht in vergleichbarer Größe eine Bodeninstallation, die den Blick auf vielfältige Wasserbilder lenkt. Die Besucher können mit Blicken in die ausgebreiteten Wasserformationen eintauchen, um sich von ihnen tragen und inspirieren zu lassen.Koethen ist selbst vor Ort. Das von Architekt Bernhard Pfau entworfene Haus aus den Jahren 1931/32 im Stil der Moderne ist indes schon ein Kunstwerk für sich.