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Streit um Bioabfall-Entsorgung im Kreis Viersen

Kreis Viersen. : Bioabfall: Der 25-Millionen-Euro-Vorwurf

Durch die geplante Kommunalisierung der Bioabfall-Entsorgung im Kreis Viersen sollen die Gebühren sinken. Der bisherige Betreiber widerspricht: „Das wird 25 Millionen Euro teurer und belastet die Umwelt stärker.“

Die Pläne des Kreises Viersen, die Bioabfall-Behandlung zu rekommunalisieren und mit dem Kreis Wesel in Asdonkshof für knapp 33 Millionen Euro eine Vergärungs- und Kompostierungsanlage zu bauen, stoßen auf Kritik beim Unternehmen Reterra, das die Kompostierungsanlage in Viersen-Süchteln betreibt.

„Hierdurch bindet sich der Kreis Viersen für die Dauer von 28 Jahren an den Kreis Wesel, entzieht für diesen Zeitraum die Leistung der Bioabfall-Behandlung dem Wettbewerb, setzt 15 Arbeitsplätze im Kreis Viersen aufs Spiel, belastet die Bürger des Kreises mit Mehrkosten von mindestens 25 Millionen Euro und die Umwelt durch zusätzliche Transporte von Viersen in den Kreis Wesel“, schreibt Reterra-Geschäftsführerin Barbara Junker in einem Offenen Brief an Landrat Andreas Coenen (CDU). „Wir glauben nicht, dass die Dimensionen der angedachten Entscheidung allen im Kreis Viersen bewusst sind.“

Am 13. Dezember sollen die Mitglieder des Kreistags Viersen und Wesel grünes Licht für den Bau der Anlage geben. Die Vorbereitungen laufen seit rund drei Jahren. Aus der Sitzungsvorlage geht hervor, dass der Preis für die Behandlung von 1000 Kilogramm Bioabfall bei 79,53 Euro netto liegen soll. Die Reterra zieht diese Summe in Zweifel. „Der Preis beruht auf der aktuellen Planung, ohne dass genaue Kosten durch Angebote im Rahmen einer Ausschreibung belegt sind“, erklärt Junker. Sie warnt: „Mehrkosten können auf Grund der gewählten Abrechnung an den Kreis Viersen jederzeit weitergegeben werden.“ Sie wirft der Kreisverwaltung vor, dass die realen Kosten deutlich darüber liegen würden. „Dazu kommen ja noch die Kosten für den Umschlag im Kreis Viersen.“ Bislang rechnete der Kreis dafür mit Kosten von 14,53 Euro pro Tonne. „Ferner muss der Bioabfall aus dem Kreis Viersen nach Asdonkshof transportiert werden. Hierfür fallen, konservativ geschätzt, noch einmal zehn Euro netto je Tonne an“, so Junker.

Barbara Junker, Geschäftsführerin von Reterra. Foto: Martin Röse

Rechne man all das zusammen, komme man auf Gesamtkosten für die Behandlung des Bioabfalls von mindestens 123,83 Euro netto je Tonne. Die Reterra behandele eine Tonne Bioabfall für 83 Euro netto. „Bei einer Menge von 35.000 Tonnen pro Jahr und einer Laufzeit von 28 Jahren ergeben sich finanzielle Mehrbelastungen für die Bürger von knapp 25 Millionen Euro“, rechnet die Reterra-Geschäftsführerin vor. Sie geht von 3500 Lkw-
Transporten pro Jahr zwischen dem Kreis Viersen und der geplanten Anlage in Asdonkshof im Kreis Wesel aus. „Das belastet die Luft und die Umwelt.“ Junker betont: „Der Kreisverwaltung haben wir angeboten, unsere Anlage zu unveränderten Konditionen um eine Vergärungsanlage zu erweitern.“

Andreas Budde, Umweltdezernent des Kreises, betont, die geplante Anlage sei solide kalkuliert. „Selbstverständlich kommen zum Selbstkostenpreis von 79,53 Euro netto noch Kosten für Umschlag und Transport von etwa 20 Euro netto hinzu.“ Dies sei den Kreistagsmitgliedern auch transparent gemacht worden. Dennoch: „Bei einer Ausschreibung gäbe es keine Garantie, dass wieder ein Angebot für 83 Euro netto gemacht wird“, erklärt Budde. So lagen die Kosten für die Entsorgung durch die EGN im Jahr 2016 noch bei rund 120 Euro netto pro Tonne. „Daraus lässt sich schließen, dass die Entsorger alleine 2016 offensichtlich auf Kosten der Bürger 1,3 Millionen Euro ohne nennenswerte Mehrleistung zusätzlich eingenommen haben“, so Budde. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sei der Entschluss gefallen, die Bioabfall-Entsorgung zu kommunalisieren. Und was ist mit dem Vorschlag von Reterra, eine Biogas-Anlage in Süchteln zu bauen? Budde: „Die ist dort nicht genehmigungsfähig.“