Strategien gegen Langzeitarbeitslosigkeit

Kreis Viersen: Gewerkschaftsbund will in Berufsabschlüsse investieren

Um der Langzeitarbeitslosigkeit entgegen zu wirken, sollen nachgeholte Abschlüsse erleichtert werden

Die Langzeitarbeitslosigkeit im Kreis Viersen ist nach wie vor hoch. Dies teilt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit. Im Juni 2018 waren 9458 Menschen arbeitslos, davon 3811 langzeitarbeitslos. Wer keinen Berufsabschluss besitzt, hat das größte Risiko, langzeitarbeitslos zu werden beziehungsweise zu bleiben. „Um nicht bei der rasanten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt eine große Gruppe von Menschen zu verlieren, muss das Thema Qualifizierung noch viel stärker als bisher in den Fokus genommen werden“, sagt Thomas Högel, Vorsitzender des DGB im Kreis Viersen.

Jeder zweite Arbeitslose habe keinen Berufsabschluss und somit deutlich schlechtere Chancen auf eine erfolgreiche Vermittlung. Bei den Langzeitarbeitslosen beträgt der Anteil ohne Berufsabschluss fast 60 Prozent. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist ohne Berufsabschluss im Kreis aktuell fünfmal höher als mit Berufsabschluss. „Besonders dramatisch ist der hohe Anteil der Langzeitarbeitslosen ohne Berufsabschluss in der Altersgruppe der unter 35-Jährigen“, sagt Högel. Im vergangenen Jahr waren von 2358 Langzeitarbeitslosen ohne Berufsabschluss 547 jünger als 35 Jahre. Davon waren 533 (97,4 Prozent) in Betreuung des Jobcenters.

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„Die Förderangebote müssen deutlich verstärkt und ausreichend finanziell ausgestattet werden“, sagt Högel. „Wir müssen im Kreis Viersen die vom DGB angestoßene Initiative ,Zukunftsstarter’ noch viel stärker nutzen, um gerade diese jungen Menschen für eine Ausbildung beziehungsweise eine abschlussorientierte Weiterbildung zu gewinnen.“ Mit dem Programm „Zweite Chance“ können auch junge Menschen, die älter als 25 Jahre sind, einen Abschluss nachholen. Dies wird finanziell gefördert.

Weil die Jobcenter unterfinanziert seien, sollte der Eingliederungstitel um mindestens eine Milliarde Euro aufgestockt werden, fordert der DGB. Darüber hinaus müsse die Zeit einer Umschulung finanziell besser abgesichert werden. Der DGB schlägt die Einführung eines monatlichen Weiterbildungsgeldes vor, welches auf andere Bezüge anrechnungsfrei gezahlt werden soll, um die Rahmenbedingungen für den nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses zu verbessern. „Dieses Geld ist gut angelegt, mit einem Berufsabschluss steigt die Wahrscheinlichkeit auf langfristige Integration deutlich“, sagt Högel.