Viersen: Stolpersteine mahnen in Dülken

Viersen: Stolpersteine mahnen in Dülken

In Viersen erinnern 18 "Stolpersteine" an ermordete jüdische Mitbürger. Jetzt setzte der Bildhauer Gunter Demnig weitere zehn Steine in Dülken. Die in den Gehweg eingelassenen Platten sollen Passanten bildlich stolpern lassen.

DÜLKEN "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist." Damit dies nicht geschieht, ist der heute in Köln tätige Berliner Bildhauer Gunter Demnig ständig unterwegs. Er wird von Initiativen, Kirchen, Schulen auf Juden, Sinti und Roma oder Zeugen Jehovas hingewiesen, die einst in deutschen Städten lebten, von den Nazis deportiert und in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Vor Wohnhäusern verlegt

Als Erinnerung an diese ehemaligen Mitbürger verlegt er vor deren Wohnhäusern in Dülken zehn mal zehn Zentimeter große Steine mit einer Messingplatte. Die glänzende Oberfläche lässt die eiligen Passanten inne halten, "stolpern" über die Erinnerung an einen umgebrachten Bürger. Mit dem Hammer in das Metall geprägt steht da zum Beispiel: "Hier wohnte Leopold Marx, geboren 1882, deportiert 1941 und ermordet in Riga." Diesen Stein sowie zwei weitere Steine für Rosetta und Eva Marx (beide am 25. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet) setzt Demnig an diesem Nachmittag in den Bürgersteig vor das Haus Viersener Straße 47.

Der 62-Jährige, der eher wie ein biederer Handwerker als ein Künstler wirkt, bindet sich einen Knieschutz um, kniet sich auf den Gehweg und versucht eine der Betonplatten zu lockern und aus ihrem Sandbett zu holen. Ein wenig leichter geht es an diesem Nachmittag: Die bittere Kälte der vergangenen Tage hätte ihm wohl seine Arbeit vereitelt.

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Weitere Steine verlegt Demnig für Arna, Elfriede, Max und Meyer Hirsch am Hühnermarkt 18 sowie für Alfred Stern, Paul Stern und Alma Stern, geborene Rosenbaum am Alten Markt 14. Auch diese jüdischen Bürger Dülkens wurden wie Leopold Marx am 11. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort umgebracht.

Initiiert hatte diese Aktion ein Kreis aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde sowie den drei weiterführenden Schulen Dülkens: Ostschule, Albertus-Magnus-Gymnasium und Städtisches Gymnasium. Seit dem Gottesdienst im November 2007, der in der evangelischen Christuskirche zur Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938 gehalten wurde, sammelt der Kreis bei den Dülkenern Spenden zur Finanzierung dieser Stolpersteine. Damit die Aktion jetzt durchgeführt werden konnte, streckte die evangelische Gemeinde, wie Pfarrer Stephan Sander verrät, den noch fehlenden Teil des Geldes vor – der Arbeitskreis sammelt fleißig weiter.

Gunter Demnig hat inzwischen in 402 Orten in Deutschland rund 17500 Stolpersteine verlegt – dazu einige in Österreich, Ungarn, Polen, Tschechien und den Niederlanden. In der Stadt Viersen erinnern jetzt insgesamt 28 Stolpersteine an ermordete jüdische Mitbürger.

(RP)
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