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Stolpersteine für 21 NS-Opfer in Viersen und Dülken

NS-Opfer in Viersen : Stolpersteine für 21 Dülkener und Viersener

Der „Verein zur Förderung der Erinnerungskultur“ machte es möglich: Am Mittwoch verlegte Künstler Gunter Demnig in Alt-Viersen und Dülken weitere Stolpersteine zur Erinnerung an NS-Opfer.

Das goldfarben schimmernde Schild mit der Aufschrift „Stolpersteine. Hier wohnte 1933 bis 1945 ein Mensch. Ermordet von Tätern des NS-Regimes“ fällt schon von Weitem ins Auge. Direkt neben dem Schild an der Waldnieler Straße 2 in Dülken kniet ein Mann auf dem Boden. Mit Sorgfalt legt er einen bronzefarbenen Stein neben den anderen in den Boden. Gunter Demnig ist bei der Arbeit. Schweigsam und voller Konzentration setzt er die Erinnerung auf den Bürgersteig.

Stille herrscht auch bei der kleinen Gruppe, die ihm zuschaut. Dank dem Verein zur Förderung der Erinnerungskultur wurden am Mittwoch in Dülken und Alt-Viersen 21 weitere Stolpersteine verlegt. An insgesamt acht Stellen erinnern nun die Steine an die Menschen, die dort einst gelebt haben, bevor sie Opfer des NS-Regimes wurden. „Spenden und unsere Mitgliedsbeiträge haben es möglich gemacht, weitere Steine verlegen zu lassen“, sagt Manfred Budel vom Beirat des Vereins.

Pro Stein in Form eines Betonquadrates mit einer gravierten Bronzeplatte versehen, fallen Kosten von 120 Euro an. Inzwischen hat Uwe Micha vom Verein zu einem Tablet gegriffen. „Die Verbindungen nach Australien und in die USA stehen“, verkündet Micha, bevor er die Kopfhörer aufsetzt und auf Englisch die beiden Familien begrüßt, die mitten in der Nacht in den USA und am australischen Abend vor dem Computer sitzen. Es sind die Enkel und Urenkel der Familie Bruch, die einst an der Waldnieler Straße 2 lebte. „Eigentlich wären sie gerne in Dülken mit dabei gewesen, aber die Pandemie macht dies derzeit unmöglich“, sagt Mirko Danek, Vorsitzender des Vereins. Micha stellt die Anwesenden der Stolpersteinverlegung vor, zu denen auch Dülkens Ortsbürgermeisterin Simone Gartz (CDU) zählt. „Es ist mir eine Ehre, dabei sein zu können“, sagt sie. Lange verweilt Micha mit der Kamera des Tablets auf Demnig, der die fünf Steine für Berta und Leo Bruch und ihre Kinder Irmgard, Erich und Herbert inzwischen dort eingesetzt hat, wo einst eine Bürgersteigplatte lag. Leise erklärt er die Vorgehensweise des Künstlers. Noch ein Einwaschen mit Sand samt Abfegen, dem ein kurzes, behutsames, letztes Einklopfen folgt, dann greift Demnig zum Tuch und poliert jede einzelne Oberfläche mit sichtlicher Ehrerbietung gründlich nach. Das Sonnenlicht lässt die Namen in den Steinen aufleuchten. „Wenn Erich und Hubert Bruch seinerzeit nicht emigriert wären und dadurch überlebten, gäbe es keine Nachkommen mehr“, erinnert Danek. Er spricht davon, wie schnell Menschen vom Mitläufer zum Täter werden und dass Wachsamkeit gefordert sei, damit sich solche und ähnliche Dinge nicht mehr wiederholen. „Es ist ein wichtiges Thema, das nie in Vergessenheit geraten darf“, schließt sich Gartz an.

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Die ersten fünf Stolpersteine der Aktion liegen. Es geht weiter zur Rheindahlener Straße 38, wo das Team vom Viersener Baubetriebshof den Bürgersteig ebenso entsprechend vorbereitet hat, wie es auch schon am ersten Verlegeort der Fall war. Demnig kann sofort mit dem Einsetzen der nächsten Stolpersteine beginnen, ohne Vorarbeiten im Bürgersteig vornehmen zu müssen. Mit der gleichen Sorgfalt verlegt er die Steine für die Familie Brzozowski. Sechs weitere Stationen folgen.