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Stimmung der Firmen im Kreis Viersen so gut wie zuletzt vor drei Jahren

Unternehmen im Kreis Viersen : Stimmung in der Wirtschaft so gut wie vor drei Jahren

Vier von zehn Unternehmen im Kreis Viersen melden eine gute Geschäftslage, die Stimmung war im Oktober so gut wie zuletzt vor drei Jahren. Aber es gibt auch Sorgen: 44 Prozent der Betriebe sehen in den Energiepreisen ein wesentliches Geschäftsrisiko.

Die Wirtschaft im Kreis Viersen hat sich über den Sommer weiter deutlich von ihrem Corona-Tief erholt. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. „Die Stimmung der Wirtschaft im Oktober 2021 ist so gut wie zuletzt vor drei Jahren“, sagt Jürgen Steinmetz, IHK-Hauptgeschäftsführer. An der Umfrage der IHKs Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein beteiligten sich in den beiden Wochen unmittelbar nach der Bundestagswahl rund 750 Betriebe mit zusammen 71.000 Beschäftigten.

40,2 Prozent der Unternehmen im Kreis Viersen melden eine gute, nur noch 14,7 Prozent eine schlechte Lage. Bei einem Saldo von 25 Punkten überwiegen damit deutlich die Betriebe, die über eine gute Geschäftslage berichten. Damit ist die Lage ähnlich wie am Mittleren Niederrhein insgesamt.

„Dabei hat sich dank einer erhöhten Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen die Stimmung in allen Wirtschaftsbereichen verbessert“, berichtet Steinmetz. Allerdings sei dieser sehr positive Indikatorwert vor dem Hintergrund des vorherigen tiefen Einbruchs mit Vorsicht zu interpretieren. Denn die Folgen des Corona-Einbruchs seien noch nicht vollständig überwunden.

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So ist für manche Branchen – Einzelhandel, kontaktintensive Dienstleistungen, Gastgewerbe oder Freizeit- und Kulturwirtschaft – der begonnene Erholungsprozess nur der erste Schritt, nachdem die Geschäfte zuvor stark eingeschränkt waren oder sogar komplett brachlagen. Von ihrer Vorkrisenlage sind sie noch ein gutes Stück entfernt. „Entsprechend melden nur 23 Prozent der Einzelhändler in der Region eine gute, immerhin noch 20 Prozent eine schlechte Lage“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf.

Einige andere Branchen hingegen – vor allem verarbeitende Industriebetriebe und mit ihnen verbundene Großhändler – freuen sich über eine rege Nachfrage und meist volle Auftragsbücher. Allerdings können sie immer häufiger ihre Kunden nicht zeitnah und in vollem Umfang bedienen. Denn die weltweit hohe Nachfrage hat viele Rohstoffe und Vorprodukte, aber auch Transportkapazitäten deutlich verknappt und entsprechend verteuert. „Die Rohstoffpreise sind für knapp 80 Prozent der Industriebetriebe ein wesentliches Geschäftsrisiko – ein so hoher Wert wie nie, seitdem wir die Frage vor gut zehn Jahren erstmals gestellt haben“, so Berghausen.

Auch die Nachfrage nach fossilen Energieträgern ist entsprechend gestiegen, was zusammen mit dem Einstieg in die CO2-Bepreisung zu starken Preissteigerungen geführt hat. Dementsprechend sehen 44 Prozent der Betriebe in den Energiepreisen ein wesentliches Geschäftsrisiko. Im Frühjahr waren es nur 26 Prozent. „Diese Schwierigkeiten haben eine noch stärkere Wirtschaftserholung auch in unserer Region verhindert – und nach unserer Einschätzung auch die Erwartungen für das kommende Jahr gebremst“, interpretiert Berghausen die Befragungsergebnisse.

Im Kreis Viersen rechnen 38,1 Prozent der befragten Unternehmen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage im Jahr 2022, 15,2 Prozent mit einer Verschlechterung. Damit ist der Saldo der Erwartungen für das nächste Jahr dennoch positiv. Schon jetzt ist die Auslastung von Maschinen und Ausrüstungen in der verarbeitenden Industrie mit 81,4 Prozent wieder gut. Das bietet noch Spielraum für Produktionssteigerungen, zumal die Betriebe ihre Investitionsbudgets weiter leicht ausbauen wollen. Auch bei ihren Personalplanungen sind nun die Betriebe, die expandieren wollen, in allen Branchen in der Mehrzahl (Saldo plus 16 Punkte). „Allerdings wird bereits jetzt – in der Frühphase der Wirtschaftserholung – die ausreichende Verfügbarkeit von Fachkräften zunehmend problematisch“, so Steinmetz. Bereits jeder zweite Betrieb sorgt sich deswegen. Bei mehr als 60 Prozent sind Stellen, die sofort besetzt werden können, seit zwei Monaten oder länger vakant. „Deshalb haben sich die Betriebe noch größere Anstrengungen bei ihren Aus- und Weiterbildungsaktivitäten auf die Fahnen geschrieben“, betont Steinmetz. „Daher haben beide IHKs ihre Vermittlungs- und Unterstützungsaktivitäten gerade bei der Berufsausbildung in diesem Sommer nochmals gesteigert.“

Die Wirtschaftspolitik stehe aktuell vor so großen Herausforderungen wie lang nicht mehr – „nicht nur wegen der Corona-Pandemie, sondern auch wegen vieler zukunftsrelevanter Themen, die von der Regierung angegangen werden müssen“, betont Steinmetz. Immerhin: Das Ergebnis der Bundestagswahl war im Umfragezeitraum bereits bekannt, und einen wirtschaftlichen Einbruch befürchtet die Wirtschaft in der Region deshalb nicht. Gleichwohl sind die Erwartungen an die künftige Bunderegierung hoch. Steinmetz: „Ganz oben auf der Agenda steht für die Unternehmen, dass die Politik endlich die Digitalisierung vorantreibt, die Verwaltungsleistungen verbessert, Akzente zur Linderung des Fachkräftemangels setzt sowie die Klimapolitik investitionssicher und wettbewerbsfähiger gestaltet.“

(mrö)