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Warum Timotheus Eller ist ein ungewöhnlicher Seelsorger ist

Früherer Pfarrer in Brüggen : Ein Seelsorger mit Schauspielausbildung

Timotheus Eller ist kein Geistlicher mit einem schnurgeraden Lebenslauf. Er war Mönch, ließ sich zum Schauspieler ausbilden und wurde Seelsorger, unter anderem in Brüggen. Was er erlebt hat.

Die Frage „Bin ich auf dem richtigen Weg?“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Timotheus Eller. Dazu passt auch der  Leitspruch: „Gott schreibt auf krummen Linien gerade“, mit dem der Vortrag überschrieben war, den der Geistliche vor kurzem in Niederkrüchten hielt. Ellers Lebenslauf ermutigte die Zuhörer, sich selbst immer treu zu bleiben und stets zu fragen: „Bin ich auf meinem Weg?“.

Vor dieser Frage stand Eller mehrmals in seinem Leben. Die Antworten zu finden, gestaltete sich nicht immer leicht. Als Kind wurde bei Eller eine Hüftkrankheit diagnostiziert. Mit acht Jahren wurde er in ein spezielles Krankenhaus zur Behandlung gebracht. „Dort habe ich drei lange Jahre meines Lebens verbracht“, berichtete er. Das Krankenhaus wurde von Ordensschwestern geführt: „Die Nonnen waren wie Eltern für uns Kinder.“

 Eller war Mönch, bevor er die Schauspielausbildung begann.
Eller war Mönch, bevor er die Schauspielausbildung begann. Foto: Eller

Diese Zeit habe seinen Lebens- und Glaubensweg stark geprägt, so dass er entschied: „Wenn ich wieder laufen kann, werde ich Priester.“ Nach seiner Entlassung wurde der Glaube jedoch von einer wilden Jugend abgelöst: „In dieser Zeit wollte ich Schauspieler werden“, erzählte Eller mit einem Schmunzeln. Dass dies erst 20 Jahre später passieren sollte, ahnte er zu dem Zeitpunkt noch nicht.

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Als 18-Jähriger fand er durch seinen Bruder  zum Glauben zurück und er erinnerte sich an seinen Wunsch, Priester werden zu wollen“. Nach dem Abitur trat er ,mit 22 Jahren ins Kloster ein. „Durch meinen Freund Clemens hatte ich ersten Kontakt zu einem Kloster. Der erste Eindruck war katastrophal“, erzählte Eller. Doch das Kloster habe ihn dennoch angezogen. Weitere Eindrücke überzeugten ihn, er entschloss: „Hier bleibe ich für immer.“

Doch vor dem Einzug in das Kloster wollte  der damals 22-Jährige einmal alleine gewohnt haben. Er suchte sich eine Wohnung in Viersen. Und verliebte sich Hals über Kopf: „Ich habe das als eine letzte Prüfung angesehen“, sagte Eller mit einem Lächeln. Es folgte ein Studium in Salzburg und Rom, im Jahr 1995 dann die Priesterweihe.

Doch um die Jahrhundertwende stellte sich Timotheus Eller die Frage: „Soll es für immer so weitergehen?“. Nach einem Kinobesuch fand er die Antwort auf die Frage : „Ich wollte doch mal Schauspieler werden.“ Seine Leidenschaft für das Schauspiel ist ungebrochen, wie die Gäste des Vortrags  erleben konnten: Voller Hingabe spielte er die Szene vor, wie der Abt damals auf den Plan Ellers, eine Schauspielausbildung zu beginnen, reagierte.

Davon war der Abt nämlich überhaupt nicht begeistert. Schallendes Gelächter und tosender Applaus waren die Reaktionen auf diese Darbietung im Niederkrüchtener Pfarrheim. Für Eller war nach dem Disput mit dem Abt klar: „Ich bin wieder auf dem Weg Gottes.“

Dass dieser nicht immer der leichte Weg ist, brachte Eller den Zuhörern auch näher. Vier Jahre ließ er sich zum Schauspieler ausbilden („Eine harte Zeit“), war zudem Kaplan in Düren. Diese Zeit brachte Eller regelmäßig an seine Grenzen und wieder kam die Frage auf: „Bin ich auf meinem Weg?“.

Er entschied sich, das Ordensleben zu verlassen, um als Priester des Bistums Aachen zu arbeiten, wurde Pfarrer in Brüggen, Bracht und Born. Dort kam Eller bei der Vielzahl der Aufgaben an seine Grenzen und entschied sich für einen Wechsel.

In der Cityseelsorge in Aachen hat Eller heute seinen Platz gefunden: „Jetzt habe ich das Gefühl, dort richtig zu sein“, sagte er. Für seine Zeit in Brüggen, Born und Bracht ist der geistliche dankbar: „Dort habe ich vieles gelernt.“ Seine Erfahrung: „Gott malt auch auf krummen Linien gerade.“ Nach anderthalb Stunden mit einem bewegenden Vortrag endete der Abend mit Klosterbier und Zeit für Fragen. Fiona Schultze