Radler aus Viersen macht auf Tour nach Vietnam im Iran halt

Von Viersen nach Vietnam : Radler Klatt ist wieder unterwegs

Inzwischen hat er bereits 7400 von insgesamt 17.000 geplanten Kilometern hinter sich gebracht: Der Radreisende Andreas Klatt, der bis zum Sommer 2020 bis nach Vietnam fahren möchte, ist aktuell im Iran unterwegs. Im Dezember hatte der 34-jährige Viersener wegen eines Krankenhausaufenthalts seiner Mutter die Reise unterbrochen.

Vor Weihnachten war er jedoch wieder in den Sattel gestiegen. Nun also der Iran: „Ein Land, auf das ich mich einerseits sehr gefreut habe, aber auf der anderen Seite war mir kurz vor der Einreise auch etwas mulmig“, sagt Klatt. „Die Reiseempfehlung des Auswärtigen Amtes liest sich ähnlich charmant wie der Aufklärungsbogen einer Herz-Operation, hinzu kommen aktuell weltpolitische Konflikte, die sich durch Sanktionen und Provokationen aufzubauen scheinen.“

Die Gründe für die Sorge Klatts, der in Viersen selbstständig als Piercer und nebenberuflich als Krankenpfleger arbeitet, sind vielfältig: „Eine teils brutale Religiosität, strikte gesellschaftliche Regeln, eine Regierung, die auf Regierungskritiker schießt und das Wort ,Gleichstellungsbeauftragte’ gibt es schlichtweg nicht.“

Doch auf der anderen Seite habe sich von anderen Radreisenden ein ganz anderes Bild dieses Landes abgezeichnet: Eine grenzenlose Herzlichkeit, Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht, eine spannende und Jahrtausende alte Kultur. Somit war das Interesse Klatts geweckt, der sich auf ein Land „voller Widersprüchlichkeiten“ einließ.

Andreas Klatt machte Halt am Freiheitsturm in Teheran (l.), aß bei Einheimischen, besuchte die Nasir al Mulk Moschee (r.) und Hormus (u.). Fotos: Klatt. Foto: Andreas Klatt

Während der Reisepause habe er sich mit US-Dollar versorgt, denn mit einer Kreditkarte käme er im Iran nicht weit: „Das Land ist nicht an das internationale Bankensystem angeschlossen, dazu kommt: Es gibt zwei Währungen, Rial und Toman, und einen internationalen und inoffiziellen Umrechnungswert.“ Diese Varianz wird während seiner Tour dort immer wieder für Verwirrung sorgen.

Am ersten Tag in Teheran besorgte Klatt sich eine iranische SIM-Karte, zuvor hatte er bereits eine App, um von der Regierung blockierte westliche Internetseiten dennoch besuchen zu können, installiert. Somit war der Kontakt in die Heimat weitestgehend gesichert.

 Klatt durchquerte den Iran von Armenien aus gen Süden. Der erste Tag auf dem Fahrrad im Iran zeigte dann das, was den Radreisenden im folgenden Monat begleiten sollte: „Die Menschen beäugten mich neugierig und gleichzeitig voller Wärme, mehrmals am Tag hielten Autos an und ich wurde meist mit den Worten ,Welcome to Iran’ begrüßt. Aus Autos heraus wurde ich mit Obst, Getränken und Süßigkeiten beschenkt.“ Einwohner wollten Selfies mit ihm machen, stellten Fragen zu Familie, Beruf und seinem Heimatland, und dies stets mit einem Lächeln im Gesicht.

Der Viersener Andreas Klatt reist mit dem Rad bis nach Vietnam, jetzt ist er im Iran. Foto: Andreas Klatt

„Das Bild, das ich noch kurz zuvor vom Iran hatte, fing allmählich an zu schwinden.“ Fast täglich erhielt Klatt Einladungen zu den Menschen nach Hause, für eine Mahlzeit oder für eine Übernachtung.  „Ich, ein Fremder, wurde ohne zu zögern mit in das eigene Haus aufgenommen und versorgt, als wäre ich ein alter Freund der Familie.“

Der Viersener Andreas Klatt reist mit dem Rad bis nach Vietnam, jetzt ist er im Iran. Foto: Andreas Klatt

Die Städte des Landes boten sehr unterschiedliche Ansichten: Während der rund 1400 Kilometer fuhr Klatt durch Wüsten, Steppen und atemberaubende Felsformationen, an Unesco-Weltkulturerben, Wasserfällen, Moscheen und auch armenisch-christlichen Kirchen vorbei. Für Klatt steht eins fest: „Der Iran ist, wenn man sich an ein paar Verhaltensregeln hält, ein wunderschönes Reiseland. Negative Bilder werden in der Öffentlichkeit oft von der Weltpolitik beeinflusst. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die es einem leicht machen, den Iran sehr zu mögen.“