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Grenzland: Ein leckerer Brauch zum Jahresbeginn

Heimat im Grenzland : Ein leckerer Brauch zum Jahresbeginn

Woher der Begriff „Vroschen“ kommt, erklärt Heimat-Experte Klaus Müller vom Heimatverein Waldniel. Und verrät ein Rezept für leckere Neujahrsküchlein.

Am 17. Januar ist mit dem Vroschen Schluss. Was sich hinter diesem Brauch verbirgt, weiß Klaus Müller, Vorsitzender des Heimatvereins Waldniel. „,Vroschen’ kommt aus dem niederländischen ,verassen’ und bedeutet überraschen“, erklärt er. „Am Silvesterabend gab es ein etwas besseres Essen, danach ging es in die Wirtschaft zum Hexen, mit Milchkannen und Karbit wurde um Mitternacht geböllert. Am Neujahrsmorgen überraschte man seine Eltern und sagte ‚Jlökksellisch Noijoar’“, so der Heimat-Experte.

Für die Eltern gab es Hefebrezel (im Waldnieler Platt „Kraak“), ein Zeichen für die Unendlichkeit der Zeit. „Nach dem Hochamt („Hommes“), gingen die Kinder auch zu Patenonkel („Peäterüem“) und Patentante („Jöeletant“). „Da gab es dann auch ,Noijoarschkökskes’ für die Kinder“, weiß Klaus Müller zu erzählen. Die Erwachsenen gingen auch zu Bekannten vroschen, dabei gab es ein ,Noijoarschdröpke’. Natürlich sei es oft nicht bei einem Besuch geblieben.

Von seiner früheren Schwiegermutter Kathrinchen Klingen erhielt der ehemalige Bäcker 1970 dieses Rezept für die Noijoarschkökskes (Neujahrsküchlein): 500 Gramm Mehl in eine Schüssel geben. In einer Mulde 100 Gramm lauwarme Milch (nicht wärmer als 37 Grad) und zerbröselte Hefe mit einer Gabel zu einem Vorteig mischen. 20 Minuten stehen lassen. 50 Gramm Zucker, zehn Gramm Salz, 50 Gramm Margarine und ein Ei in die Schüssel geben,  200 Gramm Milch mit 150 Gramm Honig und 150 Gramm Rübenkraut vorsichtig erwärmen und ebenfalls zufügen. Zehn Gramm gemahlenen oder zerstoßenen Anis hinzufügen und daraus einen Teig kneten.

Nach dem kräftigen Kneten 150 Gramm Rosinen unterheben und dann an einem warmen Platz etwa eine Stunde gehen lassen. Dann in einer Pfanne Fett erhitzen und mit einem Esslöffel kleine Küchlein in die Pfanne setzen. Sie laufen etwas auseinander. Müllers Tipp: „Die Pfanne darf nicht zu heiß sein, da die Küchlein durch Kraut und Honig schnell Farbe annehmen.“ Einmal wenden und ausbacken. In einer Blechdose aufbewahrt halten sich die Küchlein.

Woran Müller sich noch erinnert: „Zum Antoniustag am 17. Januar ging nach Amern zur Kirmes, teils mit Schweineauftrieb.“

(bigi)