Stadt Viersen: Können Tauben nicht vertreiben

Innenstadt von Viersen : Stadt: Können Tauben nicht vertreiben

Die CDU wollte den Zustand von Viersens Haupteinkaufsstraße verbessern und bat die Verwaltung, Maßnahmen gegen die Taubenpopulation zu unternehmen. Die sieht allerdings dafür keine Chance.

Es wird vielleicht die wunderlichste Entscheidung, die Viersens Politiker in diesem Jahr treffen werden: „Der Ordnungsausschuss beschließt, dass mit zulässigen Maßnahmen an Bäumen keine Verringerung der Taubenpopulation erreicht werden kann“, lautet die Beschlussempfehlung der Verwaltung für die Sitzung am Donnerstag, 12. Dezember. Hinter dem mit den Gesetzen der Logik kollidierenden Satz steckt die Erkenntnis der Verwaltung, dass sie gegenüber der Taubenpopulation machtlos ist – es sei denn, sie verletzt Gesetze.

Vor knapp zehn Monaten hatte die CDU beantragt, die Verwaltung möge dafür Sorge tragen, die Zahl der Tauben in der Fußgängerzone von Alt-Viersen zu reduzieren – insbesondere im Bereich des Remigiusbrunnens und der Hauptstraße, um die durch die Tiere verursachten Verschmutzungen zu verringern und so die wichtigste Einkaufsstraße in Alt-Viersen sauberer zu halten.

Die ernüchternde Antwort der Verwaltung liegt jetzt vor. Sie lässt sich in zwei Wörtern zusammenfassen: Nichts hilft. Eine Übersicht über das, was nicht hilft:

Abwehrmittel Netze in Bäumen „Tiere können sich darin verfangen und geschädigt werden“, erklärt die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche. Da könne die Stadtverwaltung schnell mit dem Tierschutzgesetz in Konflikt geraten. „Auch schränken die Netze die Durchführung von Baumpflegearbeiten ein“, so Fritzsche.

Abwehrsystem Drahtsysteme „Sie sind ausschließlich für den Einsatz an Fassaden gedacht und lassen sich nicht verletzungsfrei für die Bäume installieren“, erklärt die Technische  Beigeordnete.

Abwehrsystem Metallspikes Beim Anbringen an den Ästen der Platanen müsse mit Beschädigungen an den Bäumen gerechnet werden, warnt Susanne Fritzsche. Außerdem sei zu befürchten, dass die Metallteile einwüchsen. „Dies kann später zu Astbrüchen an den so geschwächten Stellen führen“, so die Technische Beigeordnete.

Abwehrsystem Vergrämungsmittel Vor vier Jahren hatte die Stadt schon einmal im Bereich des Bienenbrunnens auf „visköse Taubenvergrämungsmittel“ gesetzt – und Bäume mit der klebrigen Paste versehen. Sie soll dafür sorgen, dass die Tauben den Untergrund als weich und unangenehm empfinden. Problem: „Auch bei Einhaltung der Herstellervorgaben ist eine Schädigung der Tauben nicht auszuschließen.“ Da Tauben unter Umständen als Schädlinge eingestuft sind, sind in diesen Fällen tierschädigende Handlungen gegen sie zwar zulässig. Allerdings müssen sie verhältnismäßig sein, das heißt: So schonend erfolgen, wie dies nach aktuellem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse möglich ist. Die Untere Naturschutzbehörde hatte auf Anfrage der Stadt Viersen mitgeteilt, dass sie den Einsatz bedenklich findet.