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Stadt Viersen bietet Not-Ferienbetreuung in Kitas an

Corona in Viersen : Stadt Viersen bietet Kita-Not-Ferienbetreuung an

Diesem Tag haben tausende Eltern entgegengefiebert: Von diesem Montag an öffnen die Kitas wieder für alle Kinder. Die Stadt Viersen bietet erstmals während der gesamten Sommerferien in Einzelfällen eine Betreuung in den Kitas an.

Mit Spannung und Vorfreude blicken Eltern, Erzieher, Jugendamt und Kita-Betreiber auf diesen Montag. Nach rund acht Wochen im Elternhaus können nun alle gut 2500 Kinder in die Viersener Kindertagesstätten zurückkehren. Gute Nachricht für die Eltern: Während der Sommerferien wird die Stadt Viersen in dringenden Fällen eine durchgehende Betreuung anbieten – also auch in den drei Wochen, in denen die Kitas eigentlich geschlossen haben.

„Die Folgen des eingeschränkten Schul- und Kitabetriebs für das soziale Leben in den Familien sind erheblich“, sagt die zuständige Beigeordnete Çigdem Bern. „Ich freue mich daher sehr, dass wir Betreuungsangebote in den Kindertageseinrichtungen für die kompletten Sommerferien anbieten können.“ Das sei nicht nur eine schöne Abwechslung für die Kinder, sondern auch „eine Unterstützung der Eltern bei der Planung der Sommerferien“, so Bern. „Die Betreuung steht Eltern zur Verfügung, die einen Bedarf haben.“ Die Beigeordnete erklärt: „Damit wollen wir insbesondere die Eltern unterstützen, die ihren Jahresurlaub wegen der Betreuung der eigenen Kinder in den vergangenen Wochen bereits aufgebraucht haben.“ Diese Notbetreuung soll nach Möglichkeit in der regulären Kita erfolgen.

Können von heute an wieder alle Kinder kommen? Ja. Die bisherige Notbetreuung mit eingeschränkten Angeboten für besondere Gruppen wird aufgehoben. Eltern, die dies wünschen, können ihren Nachwuchs bringen. Die Zahl der betreuten Kinder wird sich damit auf einen Schlag mehr als verdoppeln.

Wie viele Stunden werden die Kinder betreut? Das Land NRW hat die Betreuungszeit verkürzt. Vom ursprünglich vereinbarten Kontingent werden zehn Stunden abgezogen. Wer beispielsweise eine Vollzeitbetreuung mit 45 Wochenstunden in Anspruch nimmt, muss nun mit 35 Stunden klarkommen. Damit reagiert das Land darauf, dass weniger Personal verfügbar ist.

Gibt es genug Personal? Je nach Träger und Standort wird die Personalsituation unterschiedlich aussehen. Für die städtischen Kitas hat Bern ausgerechnet, dass von 183 Erziehern voraussichtlich 13 nicht vor Ort sein werden, weil die der Risikogruppe angehören. Das entspricht einem Anteil von sieben Prozent. Zum Vergleich: In der Landeshauptstadt Düsseldorf liegt die Quote bei mehr als 20 Prozent.  „Jeder, der will, kann arbeiten. Aber die Freiheit, Nein zu sagen, bleibt, wenn man nachweisbar zu einer gefährdeten Gruppe gehört“, sagt Bern. Als die Notbetreuung in den Kitas startete, lag der Anteil der Erzieherinnen in der Risikogruppe bei 30 Prozent, nicht bei sieben. Wie passt das zusammen? „Das Robert-Koch-Institut hat zwischenzeitlich die Kriterien geändert, wer zur Risikogruppe zählt“, erklärt Bern.

Wie können personelle Engpässe ausgeglichen werden? Das Land hat entschieden, dass bis zu 1000 Euro pro Gruppe für externes Personal ausgegeben werden können.

Welche Schutzvorkehrungen werden in den Kitas getroffen? Eine generelle Maskenpflicht in den Kitas gibt es nicht. Trotzdem gilt: Erzieher und Mitarbeiter sollen sich bei Bedarf bestmöglich schützen können. Das Land NRW hat deshalb den Kommunen professionelle Masken vom Typ FFP2 zur Verfügung gestellt. Vor allem in Situationen mit hohem Infektionsrisiko, also beim Wickeln, dem Toilettengang und Zähneputzen, sollen die Masken eingesetzt werden, die vor Aerosolen besser schützen als herkömmliche OP-Masken. Allerdings wollen viele Erzieherinnen aufs Maske-Tragen verzichten. „Geschlossene Nase-Mund-Abdeckungen scheinen aus pädagogischen Gründen keine Alternative zu sein, da Kinder in der Kommunikation darauf angewiesen sind, die Mimik der Fachkräfte erkennen zu können“, sagt Menno Baumann, der als Professor für Intensivpädagogik an einer Studie der Fliedner-Fachhochschule für Gesundheitsberufe beteiligt war.

Ist der Kita-Betrieb wieder wie vor der Pandemie? Nein. Es gibt zwar keine Beschränkungen der Gruppengröße mehr, dennoch wird manches anders sein. Bern: „So wird in vielen Kitas das Mittagessen in anderen Räumen serviert, um Kontakt zu Flächen zu vermeiden. Dass improvisiert wird, heißt aber nicht, dass die Qualität leidet.“