Stadt Viersen befasst sich weiter mit CDU-Antrag zur "Taubenplage"

Viersen: Neues Futter in der Tauben-Debatte

Plastikeier, Klebepaste oder doch klassische Musik? Die Viersener Stadtverwaltung soll nach wirksamen Mitteln suchen, um die Tauben aus der Fußgängerzone zu vertreiben. Das Ordnungsamt ist jedoch nicht allzu zuversichtlich.

Und wieder mal muss Thomas Ricker eine Sitzungsvorlage erstellen, in der es um Stadttauben geht. „Ich glaube, ich habe in den vergangenen Jahren schon gefühlte 15 Vorlagen zu dem Thema geschrieben“, sagte der Leiter des Viersener Ordnungsamtes in der jüngsten Sitzung des Ordnungs- und Straßenverkehrsausschusses. Keine habe zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. Nun soll Ricker also wieder nach Wegen suchen, wie die Tauben aus der Viersener Fußgängerzone vertrieben werden können. Damit hat der Ausschuss die Verwaltung per Mehrheitsbeschluss mit Stimmen von CDU und FürVie beauftragt – nachdem die Mitglieder ausgiebig über Lösungsansätze diskutiert hatten.

Die CDU-Fraktion hatte im Februar beantragt, dass sich der Ausschuss mit dem Thema befassen soll. „Der Zustand an der Ecke Hauptstraße/Löhstraße/Dülkener Straße/Remigiusbrunnen ist unhaltbar“, heißt es in dem Schreiben. „Der Taubenkot und die Taubenplage haben an dieser Straßenecke ein bedenkliches Ausmaß erreicht.“ Die CDU schlug vor, auf den Ästen der Bäume am Remigiusbrunnen das gleiche Vergrämungsmittel aufzubringen wie 2015 auf einem Baum am Bienenbrunnen an der Ecke Hauptstraße/Lindenstraße. Dort „sitzen so gut wie keine Tauben mehr auf den Ästen der Bäume“.

Auf dem Baum am Bienenbrunnen hatte die Stadtverwaltung damals die klebrige Paste Nopaloma aufgetragen und mit einer Sandschicht überziehen lassen. Ziel sollte sein,  dass die Tauben den Untergrund als unangenehm weich empfinden und sich lieber einen anderen Landeplatz suchen. Mittlerweile habe sich herausgestellt, dass die Paste „tierschutzrechtlich bedenklich“ sei, merkte Ricker im Ausschuss an. Der Einsatz sei aber doch nicht verboten, „also wo ist das Problem?“, sagte Ole Wiggers (CDU). Damit Viersen als Einkaufsstadt attraktiv sei, müsse die Fußgängerzone „picobello sauber“ sein, betonte er. Anne Bieler (CDU) warf ein, Tauben würden schon „mit einem Flügelschlag“ Krankheiten übertragen, das sei wissenschaftlich erwiesen.

Jörg Dickmanns (SPD) kritisierte, die CDU übertreibe, zeichne ein „apokalyptisches Bild“. „Das Problem haben wir, da gibt es keine Abrede“, sagte er. Aber: „Wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen, dass die Situation unbefriedigend ist und unbefriedigend bleibt.“ Dickmanns bat das Ordnungsamt um verstärkte „Fütter-Kontrollen“ in der Fußgängerzone. Eltern mit kleinen Kindern sei oftmals gar nicht bewusst, was sie anrichten, wenn sie den Tauben Futter geben. Dickmanns schlug vor, den CDU-Antrag nicht weiter zu verfolgen. Stattdessen solle die Verwaltung sich noch mal genauer über Vergällungs- und andere Mittel informieren und dem Ausschuss berichten.

Norbert Dohmen (Grüne) mahnte: „Das Vergrämungsmittel schadet nicht nur den Tauben, sondern auch anderen Vögeln und Insekten.“ Franz Lohbusch (Linke) schlug vor, es mit Taubenhäusern zu versuchen – legen die Vögel darin Eier, werden diese durch Plastikeier ausgetauscht. Lohbusch: „Wir können nur versuchen, die Population zu vermindern.“

Er habe unter anderem schon von Versuchen gehört, Tauben mit klassischer Musik aus der Innenstadt zu vertreiben, auch mit Taubenhäusern hat sich Ordnungsamts-Leiter Ricker schon beschäftigt. Zwei erfolgversprechende Mittel fielen ihm ein: Das Fütterungsverbot durchsetzen und an Hausbesitzer zu appellieren, ihre Häuser „taubendicht“ zu machen. „Ich würde gerne mehr machen“, sagte Ricker. „Aber Sie dürfen nichts Rechtswidriges von mir verlangen.“

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