Viersen: Stadt hilft Schulverweigerern

Viersen : Stadt hilft Schulverweigerern

Die Stadt Viersen hat ein neues Projekt der schulorientierten Sozialarbeit gegründet: Bei "Comeback" möchte sie Schulverweigerer mit Hilfe eines außerschulischen Lernortes motivieren, wieder in die Schule zu gehen.

Der Ansatz ist ungewöhnlich und im Kreis Viersen bislang einmalig: Die Stadt Viersen will mit dem Projekt "Comeback" die Problematik der Schulverweigerer angehen und die Zahl der jungen Menschen, die ohne Abschluss die Schule verlassen, verringern. "Unsere Zielsetzung ist es, Schüler, die längerfristig oder dauerhaft der Schule fernbleiben, zu motivieren und zu reintegrieren, damit sie einen Schulabschluss erlangen", sagt Dana Golm von der Koordinierungsstelle Kinder, Jugend und Familie der Stadt Viersen. Sie arbeitet zusammen mit ihrer Kollegin Francisca Semmler, einer Hauptschullehrerin und einem Förderschullehrer in dem Projekt.

In Viersen liegt die Zahl der jungen Menschen, die die Schule ohne einen Abschluss verlassen, leicht über dem Landesdurchschnitt. Rund 60 Schüler, vor allem aus Haupt- und Förderschulen, fehlen regelmäßig in der Schule. Die Mitarbeiter des Fachbereichs Jugend und Familie der Stadt sahen deshalb einen dringenden Handlungsbedarf und entwickelten das Projekt.

"Comeback" setzt darauf, Kinder und Jugendliche, die die Schule schwänzen, an einem anderen Ort und auf eine andere Art zu unterrichten als sonst üblich. In den frisch renovierten Räumen der ehemaligen Hauptschule Süd am Pestalozziweg werden ab dem nächsten Schuljahr Schüler der Jahrgangsstufen sieben bis neun lernen. Es gibt ein Klassenzimmer und einen Nebenraum, außerdem können Pädagogen und Schüler in einem Raum für die Projektarbeit, einen Holzwerkraum sowie eine Lehrküche samt Essraum arbeiten.

Die erste Phase des Projekts hat bereits eingesetzt: Sieben Schulverweigerer haben seit den Osterferien mitgeholfen, die Räume zu renovieren. "Die Schüler waren drei Tage in der Woche in der Schule und zwei bei uns im Projekt. Das praktische Arbeiten hat sie dabei sehr motiviert", zieht Semmler ein erstes positives Resümee.

Das Angebot von "Comeback" setzt sich aus der Werkstattarbeit, der sozialpädagogischen Begleitung, Unterricht sowie sport- und freizeitpädagogischen Angeboten zusammen. Offiziell besuchen die Teilnehmer eine Lernklasse der Hauptschule Süchteln, meist bleiben sie aber in der Schule am Pestalozziweg. Das Projekt läuft über fünf Tage in der Woche, wobei jahrgangsübergreifend von der siebten bis neunten Klasse gearbeitet wird. Die Schüler haben neben den besonderen Angeboten die Chance, durch weiteren normalen Unterricht, den Anschluss an ihre eigene Klasse nicht zu verpassen. Sie können so jederzeit wieder in ihre Klassen zurückkehren.

Die maximale Verweildauer in "Comeback" beträgt ein Jahr. "Wir möchten die Schüler über die Praxis in die Theorie der Schule zurückführen. Sie sollen soziale Kompetenzen entwickeln und Selbstwirksamkeit erleben", sagt Paul Fülbier, Leiter des Fachbereiches Jugend und Familie. FRAGE DES TAGES

(tref)