Staatliches Symphonieorchester Estlands mit Nicola Benedetti zu Gast in der Festhalle Viersen

Spielzeit in Viersen : Intensiver Orchesterklang und traumhaft sichere Solo-Technik

Das erste Sinfoniekonzert der neuen Spielzeit überzeugte mit seinem Klang und dem Können der Künstler an den Instrumenten.

Acht Kontrabässe und dicht beieinander stehende Stühle auf der Festhallenbühne ließen schon vor Beginn des ersten Sinfoniekonzerts der neuen Spielzeit einen großen, dichten sinfonischen Klang erwarten.

So kam es auch. Das Staatliche Symphonieorchester Estlands, im Originalton „Eesti Riiklik Sümfooniaorkester“, begann mit einer Komposition des estnischen Komponisten Heino Eller. „Koit“, ein sinfonisches Poem zum Thema Sonnenaufgang, war ein romantisches, klangmalerisches Werk. Schnell wurden die Qualitäten des Orchesters hörbar: der intensive, dabei aber differenzierte Gesamtklang, die vorzüglichen Solobläser, der voluminöse Klang der Streicher.

Bei Bedarf konnte allerdings auch beachtlich leise gespielt werden. Für Sibelius‘ Violinkonzert wurden die Streicherpulte zwar reduziert, aber doch nur ein wenig. Gleich in den ersten Takten der Orchesterbegleitung war zu bewundern, wie leise das große Orchester spielte. Befürchtungen, die Solistin könnte übertönt werden, erwiesen sich als grundlos.

Allerdings verfügte die aus Schottland stammende Geigerin Nicola Benedetti auch über einen beachtlich großen Ton. Und nicht nur das. Ihre Technik ist traumhaft sicher. Das geigerisch sehr schwierige Werk bereitete ihr offensichtlich keinerlei Schwierigkeiten. An der musikalischen Gestaltung war ebenfalls nichts auszusetzen; sie interpretierte das Werk mit großer künstlerischer Ausstrahlung. Für den begeisterten Beifall bedankte sie sich als Zugabe mit einer Volksweise aus ihrer schottischen Heimat, verpackt in ein Arrangement mit lauter schwierigen Doppelgriffen.

 Eindrucksvoll gelang auch der zweite Teil des Abends mit Bruckners vierter, der „Romantischen Sinfonie“. Die Bezeichnung stammt vom Komponisten selbst. Hervorzuheben ist die Leistung des vom Komponisten besonders berücksichtigten Solohornisten. Aber nicht nur er, das ganze Orchester hatte sich den lang anhaltenden Applaus redlich verdient. Und natürlich der junge estnische Dirigent Mihhail Gerts, der in Viersen schon 2016 einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen hatte. Er hatte alles sehr gründlich einstudiert und sorgte mit einem klaren, nicht aber eckigen Dirigierstil für Präzision, Elan und und klangliche Nuancen.

(gho)
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