Leichtathletik: Wie Frauen den Marathon eroberten

Leichtathletik : Wie Frauen den Marathon eroberten

Vor 50 Jahren gingen die Bilder um die Welt, als Kathrine Switzer verbotenerweise beim Marathon in Boston startete. Damit hatte sie auch Anteil daran, dass 1973 der erste reine Frauen-Marathon in Waldniel über die Bühne gehen konnte.

Waldniel gilt in der Leichtathletikszene gemeinhin als Wiege des Marathonlaufs für Frauen. Schließlich war in dem Teil der Gemeinde Schwalmtal in Dr. Ernst van Aaken ein großer Fürsprecher des Ausdauerlaufens für Frauen zu Hause, und dort fand auch 1973 der weltweit erste reine Frauenmarathon statt. Ein wichtiges Ereignis auf diesem Weg liegt inzwischen 50 Jahren zurück.

1967 wagte es nämlich eine gewisse Kathrine Switzer, beim Boston Marathon mit offizieller Startnummer als einzige Frau unter Männern an den Start zu gehen. Als Renndirektor Jock Semple das mitbekam, versuchte er, Switzer am Weiterlaufen zu hindern, doch mit Hilfe eines Freundes beendete sie das Rennen nach 4:20 Stunden. Fotos von diesem Vorfall gingen um die Welt und lösten heftige Diskussionen um den Frauensport aus. Schließlich durften Frauen offiziell bei Olympia (bis 1968) nur 800 Meter laufen. "Auch Dr. Ernst van Aaken zeigte sich damals sehr empört, dass Kathrine Switzer aus dem Rennen geworfen werden sollte", erinnert sich seine ehemalige Sekretärin und Wegbegleiterin Margret Crisp. Wohl auch ein Grund, wieso van Aaken noch im selben Jahr erstmals Frauen in Deutschland bei einem Männermarathon Waldniel mitlaufen ließ. Zunächst durften Frauen aber nicht mit Männern an die Startlinie treten, sie mussten sich 30 Meter dahinter aufstellen. Dennoch lief die Waldnielerin Anni Pede damals in 3:07:26,2 Stunde neue Weltbestzeit.

Am Sonntag, 28. Oktober 1973, um 12 Uhr war es dann so weit. 31 von 33 gemeldeten Läuferinnen starteten beim ersten reinen Frauen-Marathon der Welt. Damals mit am Start war auch die Waldnielerin Margret Crisp. Allerdings nur, weil Dr. Ernst van Aaken mit den Meldezahlen nicht zufrieden war und noch Starterinnen suchte. "Ich war nie länger gelaufen als zehn Kilometer und für Marathon völlig untrainiert", erklärt Crisp, die dennoch mitmachte. Christa Kofferschläger (heutige Vahlensieck) vom Barmer TV siegte in 2:59:25,6 Stunden. Die heute 83-jährige Margret Crisp belegte bei diesem historischen Lauf den letzten Platz in 5:08:50,2 Stunden und musste sich dabei von der Siegerin Christa Kofferschläger sogar überrunden lassen. Anfangs lief es bei Crisp gar nicht so schlecht, doch wegen des harten Straßenpflasters über solch eine lange Strecke setzten bei ihr spätere enorme Rückenschmerzen ein. So musste sie Ruhepausen einlegen und so schaffte es so, dennoch das Ziel zu erreichen. Sechs andere Läuferinnen stiegen hingegen vorzeitig aus. "Das war nicht meine Laufstrecke, weil ich damals mehr 800 Meter lief und danach fast 30 Jahre im Sprint erfolgreich war", betont sie

Sechs Jahre später schloss sich dann der Kreis. Unter Mithilfe von Kathrine Switzer, die inzwischen auch Kontakt zu Dr. Ernst van Aaken hatte, wurde 1979 in Waldniel ein Marathon-Großereignis mit dem Kosmetikkonzern Avon als Hauptsponsor auf die Beine gestellt. Frauen aus 23 Nationen waren mit von der Partie. Mit Blick auf die Tatsache, dass Frauen damals noch nicht bei Olympischen Spielen im Marathon antreten durften, schwärmten einige Teilnehmerinnen: "Waldniel ist unser Olympia." Ab 1984 in Los Angeles waren Frauen dann aber für den olympisch Marathon zugelassen.

(off)
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