Fußball: Wechseltheater vor Derby in Viersen

Fußball : Wechseltheater vor Derby in Viersen

Mitte Februar verkündete Fußball-Landesligist Union Nettetal die Verpflichtung von Petar Popovic vom 1. FC Viersen. Darüber sind die Viersener immer noch mächtig sauer. Das wurde im Vorfeld des Lokalduells am Hohen Busch klar.

Dass der Fußball-Landesligist 1. FC Viersen nicht glücklich darüber sein würde, dass ihnen Grenzland-Konkurrent Union Nettetal in Gestalt von Petar Popovic den talentiertesten Offensivspieler abspenstig gemacht hat, davon war auszugehen. Mitte Februar hatte Aufstiegsaspirant Nettetal öffentlich gemacht, dass der 20-Jährige ab der nächsten Saison das Union-Trikot überstreifen wird. Doch wie sich im Vorfeld des Derbys zwischen den beiden Teams morgen am Hohen Busch herausstellte, sind die Viersener nicht nur unglücklich über die Umstände des Wechsels, sie sind stinksauer. Zusätzlicher Zündstoff also für das ohnehin schon emotionsgeladene Lokalduell.

"Das ist nicht sauber gelaufen. Petar stand bei uns im Wort, er hatte uns eine Zusage für die kommende Saison gegeben", sagt FC-Trainer Daniel Saleh. Weil die Viersener Verantwortlichen Ende vergangenen Jahres mitbekommen hatten, dass der junge Offensivspieler mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten am Ball das Interesse anderer Vereine geweckt hatte, suchten sie das Gespräch und erklärten ihm ihre Pläne, um ihn herum eine Mannschaft für die Zukunft aufbauen zu wollen. Daraufhin, so Daniel Saleh, habe Popovic zugesagt zu bleiben. Wobei sich beide Seiten darauf verständigt hätten, noch einmal das Gespräch zu suchen, wenn ein Angebot eines höherklassigen Vereins gekommen wäre. "Noch ist Nettetal aber kein Oberligist", sagt der Viersener Trainer, der aber dennoch einem Gespräch zustimmte, als die Nettetaler ihr Interesse bekundeten. "Petar sollte sich das einfach mal anhören", erzählt Saleh. Als er dann kurzer Zeit später aus unserer Zeitung erfuhr, dass die Nettetaler den Wechsel samt eines Fotos, auf dem Trainer Andreas Schwan Peter Popovic begrüßt, als fix meldeten, sorgte das bei ihm und FC-Fußballobmann Ronny Mustac für mächtig Ärger. "Das war genau in einer Phase, in der es uns noch richtig dreckig ging. Das war nicht okay", betont Saleh. Es spricht für die Viersener, dass sie auch dank guter Leistungen von Peter Popovic dennoch drei Siege in Folge holten und jetzt wieder bessere Aussichten im Kampf gegen den Abstieg haben.

Die Nettetaler können die Aufregung am Hohen Busch nicht ganz nachvollziehen. "Wenn mir ein Spieler seine Zusage gibt und er mir sagt, dass er in seinem Verein Bescheid gegeben hat, gehe ich davon aus, dass alles klar ist", sagt Trainer Andreas Schwan, der die Nettetaler nach der Ablösung von Chiquinho in der vorigen Saison zunächst aus der Abstiegszone auf Platz fünf geführt hatte und dann in der laufenden Spielzeit zu einem Aufstiegsanwärter formte. Doch so einfach will Saleh seinen Kollegen nicht aus der Verantwortung entlassen: "Vielleicht bin da auch etwas altmodisch. Aber wenn ich auf einen Spieler zugehe, frage ich zunächst, ob er woanders im Wort steht. Wenn er das bejaht, hat sich das Thema für mich erledigt. Aber so macht das Nettetal offenbar nicht." Auch wenn der Viersener Trainer Petar Popovic nach wie vor für einen guten Typen hält, ist er über dessen Verhalten ebenso enttäuscht wie über das der Kollegen aus Nettetal. "Die haben ihm den Kopf verdreht", sagt Saleh, "wir müssen das zwar hinnehmen, aber werden uns überlegen, wie wir damit umgehen. Petar muss verstehen, dass er so etwas nicht noch einmal machen kann."

Dass Popovic morgen gegen seine zukünftige Mannschaft auf der Bank Platz nehmen muss, so weit kommt es dann aber wohl nicht. Dazu wird der schnelle und trickreiche Linksfuß offenbar doch zu sehr benötigt. Saleh will vorher noch ein Gespräch mit dem 20-Jährigen führen: "Und wenn er dabei signalisiert, dass er bereit ist, sich voll reinzuhängen und sich voll auf den Abstiegskampf zu konzentrieren, dann ist das okay für mich." Genau das will Popovic tun, auch wenn er mit einer guten Leistung und einem Viersener Sieg, dazu beitragen könnte, dass die Chancen der Union auf einen Oberliga-Aufstieg sinken. "Nettetal hat genug Vorsprung. Ich will meinen künftigen Mitspielern und dem Trainer beweisen, dass ich zu Recht verpflichtet wurde", erklärt der Angreifer. Auch Andreas Schwan geht nicht davon aus, dass ihm sein künftiger Schützling Gastgeschenke überreicht: "Wenn Viersen torgefährlich ist, ist Petar zu 80 Prozent beteiligt. Er denkt nicht nach, das kommt ihm zugute. Das wird eine echte Herausforderung."

(RP)
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