Fußball : Vertrauensfragen in Amern

Trainer Rainer Bruse hört im Winter auf, der Vorsitzende Michael Heythausen sofort – und der restliche Vorstand im November. Der Grund: Es gibt Streit mit Sponsor "Brösel". Am 19. November soll es Neuwahlen geben.

Trainer Rainer Bruse hört im Winter auf, der Vorsitzende Michael Heythausen sofort — und der restliche Vorstand im November. Der Grund: Es gibt Streit mit Sponsor "Brösel". Am 19. November soll es Neuwahlen geben.

Was bewegt einen Trainer dazu, einen amtierenden Spitzenreiter plötzlich verlassen zu wollen? Warum tritt der Vorstand eines nach außen hin funktionierenden Vereines zurück? Machtspiele und Intrigen abseits der sportlichen Geschehnisse führten zu diesen Entwicklungen bei den VSF Amern.

Trainer Rainer Bruse erklärte als Erster, dass er dem Verein ab der Winterpause nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Ihm folgte der Vorsitzende Michael Heythausen. Und nun erklärten auch der 2. Vorsitzenden Peter Huben und Geschäftsführer Lorenz Buffen, dass sie zur nächsten Hauptversammlung von allen Ämtern zurücktreten werden. Damit verlieren die VSF ihre erfolgreiche Führungsetage, die den Verein in nur vier Jahren von der Kreisliga B bis an die Spitze der Bezirksliga geführt hat.

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Zweiseitige Stellungnahme

In einer zweiseitigen Stellungnahme erklärten die Verantwortlichen nun ihre Beweggründe für eine solch drastische Entscheidung. Nachdem über Jahre ein Sponsorenpool aufgebaut worden war und der Verein auf ein solides finanzielles Fundament gestellt wurde, stellt sich auch der sportliche Erfolg ein.

Laut Trainer Rainer Bruse scheinen sich nicht alle Beteiligten genügend gewürdigt gesehen zu haben und hätten begonnen, gezielte "Störfeuer" zu setzen. Während die Arbeit zwischen Trainerteam und Vorstand stets als hervorragend bezeichnet wurde, scheint die Kooperation mit dem Hauptsponsor Graf Bernadotte af Wisborg, besser bekannt als "Brösel", über die Jahre immer problematischer geworden zu sein.

Dies begann mit Uneinigkeiten über Vorstandsbeschlüsse sowie Entscheidungen des Trainerteams und gipfelte zuletzt in "ungeheuerlichen Vorwürfen gegenüber einzelnen Vorstandsmitgliedern, die bis weit in die Privatsphäre und in die berufliche Integrität reichen", so heißt es in der Stellungnahme.

Dies ging in den letzten Wochen und Monaten schließlich so weit, dass die Kommunikation zwischen dem Verein und dem ehemaligen Gönner größtenteils über Anwälte läuft. So auch der Streit über die einst gesponserte Sportausrüstung. So soll sich Graf Bernadotte af Wisborg nicht mehr an Kostenbeteiligungen des Vereins bei der Anschaffung neuer Trikots erinnern und die Nutzung dieser untersagt haben. Dennoch laufen die Amerner weiter mit der bekannten Spielkleidung auf, allerdings mit überflocktem Sponsorenlogo.

Da sich die Lage bei den VSF nicht beruhigte und "weiterhin gezielt gegen den Vorstand mit unwahren und ehrenverletzenden Behauptungen vorgegangen" wurde, sahen sich die Verantwortlichen nicht mehr in der Lage, die eigene Tätigkeit in der gewohnten Qualität abzuliefern. Nun sollen Neuwahlen, die für den 19. November geplant sind, dem Verein wieder Struktur geben. "Dies ist auch eine Vertrauensfrage. Die Mitglieder der VSF Amern sollen entscheiden, wer in der Zukunft die Geschicke des Vereins leiten soll", sagt der scheidende Geschäftsführer Buffen.

Zwei Parteien?

Anzunehmen ist, dass sich zwei Parteien zur Wahl stellen werden. Zum einem ein Team um "Brösel", der gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar war, sowie ein Team, das die Interessen des alten Vorstands vertreten wird. Wie dieses aussehen wird, ist allerdings noch offen. Die VSF Amern stehen vor einer offenen Zukunft. Der amtierende Vorstand appelliert an seine Mitglieder, diese aktiv mitzugestalten.

(RP)