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Triathlon: Wie Konrad Schürmert mit fast 60 Jahren Triathlet wurde

Späte Liebe für Grenzerfahrungen : Wie Konrad Schürmert mit fast 60 Jahren Triathlet wurde

Bis Mitte 50 spielte Sport im Leben von Konrad Schürmert keine große Rolle. Sechs Jahre später gehört er zu den weltbesten Triathleten in seiner Altersklasse. Die Geschichte über den bemerkenswerten Weg eines Mannes, der auch mal 100 Kilometer am Stück läuft.

Mindestens 14 Tage lang wollte Konrad Schürmert es ruhiger angehen lassen. Eine kleine Pause nach der Triathlon-Weltmeisterschaft, an der er Anfang September im niederländischen Almere teilgenommen hatte. Doch Nichtstun geht für den 59-jährigen Viersener irgendwie nicht. Also saß er wenige Tage später wieder im Sattel. Für eine 100-Kilometer-Runde mit seiner Tochter.

 Konrad Schürmert wurde bei der Triathlon-WM in Almere Sechster in der Altersklasse Ü60 – sein erster Start über die Langdistanz.
Konrad Schürmert wurde bei der Triathlon-WM in Almere Sechster in der Altersklasse Ü60 – sein erster Start über die Langdistanz. Foto: Konrad Schümers

Dass Schürmert kurz zuvor einen Triathlon der Langdistanz bei der WM absolvierte – und als bester Deutscher in seiner Altersklasse der Über-60-Jährigen auf Platz sechs beendete – ist gleich aus zweierlei Sicht bemerkenswert. Zum einen wegen der Leistung, die ohnehin dafür abverlangt wird. Zur Erinnerung: Ein Triathlon in der Langdistanz besteht aus 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und einem Marathon über 42,2 Kilometer – alles hintereinander an einem Tag. „Wenn ich das früher im Fernsehen gesehen habe, dachte ich immer: Das geht doch gar nicht. Wie können die nach den Anstrengungen auf dem Rad noch einen Marathon laufen?“, sagt Schürmert heute lachend. Nun hat er selbst diese Strecken bewältigt. Und das ist der andere beachtliche Punkt: Denn bis 2015 bestand sein sportliches Betätigungsfeld einzig aus gelegentlichem Gesundheitsschwimmen gegen Rückenschmerzen.

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Es brauchte einen Anschubser, im Fall von Schürmert die Betriebssportgruppe des Zolls in Krefeld, wo er arbeitet. Die rief 2015 eine Nordic-Walking-Gruppe ins Leben, die sich regelmäßig für eine 5,4 Kilometer lange Runde durch den Forstwald in Krefeld traf. Zwar fand Schürmert an den bekannten Walking-Stöcken keinen Gefallen, an der Bewegung aber sehr wohl. „Anfangs bin ich immer ein paar hundert Meter gelaufen, dann wieder gegangen. Das war schon anstrengend. Mich hat aber der Ehrgeiz gepackt. Und nach ein paar Monaten bin ich dann die ganze Runde gelaufen“, sagt Konrad Schürmert.

Irgendwas löste das in ihm aus. Was genau, kann er gar nicht sagen. Es habe einfach Spaß gemacht. Zu Hause in Viersen lief er dann ebenfalls: mal fünf Kilometer, mal zehn Kilometer. 2017 absolvierte er seinen ersten Halbmarathon in Mönchengladbach. Ein Jahr später folgte der erste Marathon, ebenfalls in Mönchengladbach. Es war gleichzeitig der Moment, in dem Schürmert merkte, dass er nicht nur lange laufen kann, sondern auch bemerkenswert schnell. „Ich bin unter vier Stunden ins Ziel gekommen. Ich habe dann gefragt: Wo sind denn alle? Ich bekam dann gesagt, dass noch nicht viele durch seien. Ich war auf Gesamtplatz 14“, sagt Schürmert. Die volle Marathon-Bilanz war er vorher im Training noch nie gelaufen.

Diese Leistungsfähigkeit wundere ihn selbst, gibt er zu. Was da jahrelang ungenutzt in seinem Körper schlummerte. „Viele sagen, aus dir hätte in jungen Jahren ein richtig guter Sportler werden können“, sagt Schürmert. Er trauere dem aber nicht nach. Er fühle sich nun gut in seinem Körper. Das zähle. Und der Sport bestimmt inzwischen sein Leben: Urlaube mit seiner Frau werden häufig so geplant, dass er irgendwo in der Nähe an einem Wettbewerb teilnehmen kann.

2018 nahm er an seinem ersten Triathlon teil, der Volkstriathlon in Willich: 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, fünf Kilometer Laufen. Ein Jahr später folgten drei Wettbewerbe über die olympische Distanz: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen. Alles kein Problem. Schürmert brauchte eine neue Herausforderung: die Langdistanz. Allerdings gab es dafür 2020 kaum noch Wettbewerbe mit freien Plätzen – außer bei der Weltmeisterschaft in Almere. Und zur eigenen Überraschung konnte er sich dafür anmelden: Es waren lediglich bisherige Leistungsnachweise einzureichen, danach war er für seine Altersklasse qualifiziert.

Aus der WM wurde 2020 jedoch nichts. Wie auch aus allen anderen Wettbewerben. Corona. Alles wurde um ein Jahr verschoben. Das hielt Schürmert aber nicht davon, weiter zu laufen. „Ich habe ein bisschen getestet, wo stehe ich mit der Belastung? Wo sind meine Grenzen? Da habe ich viel ausprobiert“, sagt er und fügt an: „Einiges davon war auch verrückt.“ Ein Beispiel: Da der Urlaub im WM-Ort Almere ohnehin gebucht war, absolvierte er dort sieben Tage hintereinander jeweils einen Halbmarathon. Ein anderes Mal lief er 100 Kilometer am Stück in Viersen. „Das wollte ich einfach schaffen“, sagt er.

Einen generellen Trainings- oder Ernährungsplan hat Schürmert dabei nicht. Er bereitet sich nach Gefühl vor. Einen Trainer hat er ebenfalls nicht. Einzig für das Radfahren legte er sich anfangs ein Trainingsprogramm zurecht, um sich auf die langen Strecken vorzubereiten. Denn vor dem Start in der Langdistanz, übrigens bei der WM sein erster überhaupt, hatte er schon Respekt. „Ich hatte Sorge vor Mangelerscheinungen, dass ich dann nicht durchkomme“, sagt Schümert. Er habe deshalb gegessen ohne Ende. Und das zahlte sich in einer Zeit von 10:32 Stunden mit Platz sechs in seiner Altersklasse aus. „Ich war wirklich erstaunt, was dabei rausgekommen ist, insgesamt Platz 144 bei fast 300 Teilnehmern. Also habe ich auch einige junge Leute hinter mir gelassen“, sagt Schürmert lachend. Wichtiger aber für ihn: „Man wird kaum Bilder von mir finden, wo ich nicht ins Publikum grüße oder winke. Es geht um den Spaß und darum, anzukommen. Wenn man das schafft, fühlt sich das gut an.“

Die nächsten Ziele hat sich Schürmert schon gesteckt: Der Ironman in Hamburg, der ins kommende Jahr verschoben wurde. Und sogenannte Ultra-Marathons, die weit über die üblichen 42 Kilometer hinausgehen. Und auch die Betriebssportgruppe des Zolls in Krefeld soll sich bald wieder am Forstwald treffen: Schürmert läuft da inzwischen aber zwei Runden.