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Traditionsverein Viersener SV vor der Auflösung

Schwimmen : Viersener SV steht vor der Auflösung

Es war ein schleichender Tod, doch jetzt wird der Traditions-Schwimmverein abgewickelt. Weil es immer weniger Mitglieder und ehrenamtliche Helfer gab, hat sich Geschäftsführerin Liesel Metz zu diesem Schritt entschieden.

Der 113 Jahre alte Viersener Schwimmverein (VSV) steht vor der Auflösung. Der Traditionsverein hatte zu seiner Blütezeit 140 Mitglieder (davon alleine 120 Kinder und Jugendliche). Aktuell zählt der VSV nur noch 35 Mitglieder. Sein Domizil war in erster Linie das alte Viersener Stadtbad. Der Verein blickt auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück, doch zuletzt war es sehr still um ihn geworden.

Den Wettkampfbetrieb stellten die Viersener schon frühzeitig ein und widmeten sich der Schwimmerstausbildung, wo bis vor zwei Jahren sogar noch Wartelisten geführt wurden. Unterstützt wurde die VSV-Geschäftsführerin Liesel Metz von Klaus Kelm, der Leistungstrainer in der Schwimmabteilung des ASV Süchten ist. „Mehr als ein Drittel der Vereinsgeschichte war ich für den VSV tätig, der mir immer sehr am Herzen hing und viel bedeutete“, sagt Liesel Metz. Sie hat jetzt eine schwere Aufgabe vor sich. Sie muss den Prozess der Abwicklung begleiten, um den Verein endgültig aufzulösen. Um nicht ganz alleine dazustehen, bat Metz den Viersener Stadtsportverbands-Vorsitzenden Klaus Dieter Grefkes, ihr dabei behilflich zu sein. Das soll ordentlich und sauber passieren. „Ich stehe ganz alleine da im Vorstand, noch nicht einmal ein Vorsitzender stand mir zur Seite. Seit einem halben Jahr habe ich mich um Trainer und Ehrenamtler bemüht, die mich bei meiner Arbeit unterstützen sollten“, sagt Liesel Metz.

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Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie erfolgreich der Verein war. Ernst Küppers sorgte damals beim Viersener Schwimmverein für den sportlichen Aufschwung. Anfang Juni 1927 schaffte Küppers bei einem Schwimmfest in Erfurt einen Sieg über den Deutschen Meister Fröhlich. Im gleichen Monat schwamm er in Düsseldorf in 1:12 Minuten seinen ersten Deutschen Rekord über 100 Meter Rücken und verpasste den bestehenden Weltrekord um 0,8 Sekunden. Zwei Monate später wurde er Deutscher Meister in Hannover. Ein Jahr später wurde er erneut Deutscher Meister über 100 Meter Rücken in Berlin. Dadurch qualifizierte er sich für die Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam.

Die wurden für Ernst Küppers das eindrucksvollste Erlebnis. In einem spannenden Endlauf belegte er Platz fünf über 100 Meter Rücken, nur drei Amerikaner und ein Japaner waren schneller. Seinen selbstgehaltenen Deutschen und Europarekord über 100 Meter Rücken verbesserte er mehrmals. 1929 wurde er in Breslau bereits zum dritten Male Deutscher Meister in seiner Paradedisziplin. Im Februar 1930 verließ Ernst Küppers Viersen und trat eine Stelle als Schwimmmeister auf dem Kreuzfahrtschiff „Europa“ an. 1932 gab‘s einen Klubkampf gegen Rheydt 03 in der Viersener Badeanstalt. Das war nicht das Aufregende: Der jetzt für Halle startende Ernst Küppers sagte kurz vor der Abreise zu den Olympischen Spielen in Los Angeles seine Teilnahme in Viersen beim Klubkampf zu.

Ein weiterer Schwimmer auf internationalem Niveau aus den Reihen VSV war Andreas Siemes, Sohn von Liesel Metz. 1993 wechselte er zu Jan Willem Düsseldorf (stieß später wie seine Schwester Conny zu den Triathleten des ASV Süchteln), er war unter anderem Deutscher Vizemeister über 200 Meter Brust. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Atlanta verfehlte er nur knapp. Viele Kinder lernten beim VSV schwimmen, doch das gehört nun der Vergangenheit an.