Topspieler könnten von der UMB für Billard-WM in Viersen gesperrt werden

Billard-WM : WM in Viersen ohne die besten Spieler?

Eine Profi-Turnierserie in Südkorea will dem Weltverband UMB Konkurrenz machen. Der droht mit Sperren.

Die Erleichterung war groß, als Farouk Barki in seiner Funktion als Präsident des Weltverbandes UMB am vergangenen Wochenende während der Billard-WM für Dreiband-Nationalmannschaften verkündete, dass der reine Scotch-Double-Modus Geschichte ist. Im nächsten Jahr wird es in Viersen wieder Duelle Mann gegen Mann zu sehen geben, nur bei Gleichstand wird in der K.o.-Runde noch ein Entscheidungssatz im Scotch Double gespielt. Doch kaum ist dieses Ärgernis für die meisten Topspieler und Fans aus der Welt geschafft, steht die Team-WM vor dem nächsten gravierenden Problem. Die große Frage ist, ob sich im Jahr 2020 in der Festhalle so wie bisher noch die weltbesten Spieler die Klinke in die Hand geben werden.

So sagte auch Farouk Barki am Sonntag bei seiner WM-Abschlussrede: „Ich hoffe, wir sehen auch nächstes Jahr die besten Spieler hier in Viersen. Wir brauchen sie.“ Hintergrund dieser Äußerung sind die Pläne einer Sportmarketing-Agentur und eines Billardsport-Ausrüsters, im billardverrückten Südkorea eine Profi-Turnierserie unter dem Namen PBA (Professional Billiards Association) auszurichten. Bei einer Präsentation Ende Februar in Seoul kündigten die Organisatoren an, dass es noch in diesem Jahr sechs bis acht Turniere geben soll, das erste schon im Juni. Die besten Spieler, auch aus Europa, sollen mit großen Preisgeldern angelockt werde. So werden bei den ersten Turniere 180.000 Euro ausgeschüttet, zum Abschluss der Serie dann sogar 360.000 Euro. Das sieht die UMB mit ihrem Medienpartner Kozoom als Affront, weil sie sich in der vergangenen Jahren stark darum bemüht, die Entwicklung des professionellen Dreibandsports unter anderem mit neuen Turnieren und höheren Preisgeldern voranzutreiben, um so auch Berufsspielern neue Perspektiven zu geben. Laut UMB soll demnächst sogar Eurosport in die Übertragung von Dreiband-Veranstaltungen einsteigen.

So ist die UMB nicht gewillt, eine gewinnorientierte Vereinigung neben sich zu dulden, die Dreiband-Turniere ausrichtet und dafür Spieler gewinnt, die dann eventuell bei UMB-Turnieren fehlen. Der Weltverband hat angekündigt, Spieler, die an PBA-Turniere teilnehmen, gemäß seiner Regularien zu sperren. Sie dürften dann weltweit nicht an Wettkämpfen des Weltverbandes teilnehmen, darunter würde dann eben auch die WM in Viersen fallen.

Es sollen die Top-50-Spieler der Welt angesprochen worden sein, um sie für einen Start in der neuen Profi-Turnierserie zu gewinnen. Zugpferd ist der Belgier Frédéric Caudron, der von 2012 bis 2015 zusammen mit seinem Partner Eddy Merckx in Viersen Weltmeister wurde und am vergangenen Wochenende Bronze holte. Als einer der besten Spieler aller Zeiten hat er seine Zusage gegeben, die neue Serie zu spielen, einige andere Europäer haben es ihm nachgemacht.

Nicht so der niederländische Topspieler Dick Jaspers, der sich entsprechend auf dem Billardportal kozoom.com äußerte, und der Deutsche Martin Horn, aktuell die Nummer 20 in der Welt. „Für mich ist das kein Thema. Ich möchte weiterhin die UMB-Turniere und in den nationalen Ligen spielen“, erklärte der Essener. Die Gefahr, dass die Qualität der Team-Weltmeisterschaft in Viersen durch mögliche Sperren stark leidet, sieht er nicht. „Es ist zwar schade, dass trotz der Modusänderung in Viersen einige Spieler fehlen werden, dafür kommen aber Nationen wie Schweden, Spanien und Italien zurück“, erklärte Horn mit Blick auf die demnächst anstehende Qualifikation bei der EM in Brandenburg. Und Horn weiß aus persönlichen Gesprächen, dass Ausnahmekönner wie Torbjörn Blomdahl (Schweden) und Marco Zanetti (Italien) 2020 auch wieder gerne in Viersen spielen würden.

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