Titel bei der Para-WM für Luzie Maesmanns aus Kaldenkirchen

Leichtathletik : Kaldenkirchenerin schuftet für ihren Titel bei der Para-WM

Die 16-jährige Luzie Maesmanns gewann bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz den Kugelstoß-Wettbewerb ihrer Leistungsklasse mit einer Weite von 7,98 Metern.

Während die deutsche Leichtathletik-Elite in Berlin bei den Deutschen Meisterschaften am Wochenende ihre Meister ermittelte, machte im wesentlich beschaulicheren Nottwil in der Schweiz die Kaldenkirchenerin Luzie Maesmanns von sich reden. Die Kugelstoßerin, die beim TSV Bayer Leverkusen im Perspektiv-Kader der Parasport-Leichtathleten steht, stieß bei der Junioren Paraleichtathletik Weltmeisterschaft ihr Sportgerät auf eine Weite von 7,98 Meter, womit sie sich in den Titel in ihrer Klasse holte.

Damit belohnte sich die 16-Jährige für den großen Aufwand der vergangenen anderthalb Jahre, in denen die rechtsseitig gelähmte Sportlerin für ihr großes Ziel geschuftet hatte. Da der Sport für Luzie Maesmanns immer schon im Vordergrund stand, suchten ihr Vater Stefan und sie nicht nur nach einer geeigneten Sportart, sondern auch nach einem dazu passendem Verein. In der Behindertsport-Abteilung der Leverkusener wurden sie Anfang des vergangenen Jahres fündig. „Mannschaftssportarten sind zumeist rausgefallen, letztendlich ging es in Richtung Leichtathletik, wo es mit dem Kugelstoßen anfing“, erklärt Maesmanns, dessen Tochter sich auf Anhieb damit anfreundete und mit 100 Prozent dabei war. Erste Erfolge wie der Dritte Platz bei den NRW-Meisterschaften ließen nicht lange auf sich warten, es folgte sogar der DM-Titel. Der Aufwand wuchs stetig.

„Luzie fährt mit der Bahn fast zwei Stunden nach Leverkusen, um dann 90 Minuten zu trainieren“, sagt Maesmanns weiter. Nicht ganz ohne Stolz fügt er noch hinzu, dass seine Tochter sich innerhalb eines Jahres um einen Meter verbessert hat. „Vor der WM standen die 8 Meter im Raum, um auf das Treppchen zu kommen. Na gut, es fehlen zwar jetzt zwei Zentimeter, aber dafür hat sie den Titel geholt“, erzählt Maesmanns. Dass seine Tochter nicht nur den sportlichen Ehrgeiz hat, sondern auch beim Drumherum auf optimale Bedingungen achtet, zeigte sich vor der WM bei der Auswahl der Sportkleidung. „Sie hat irgendwo gelesen, dass es für Kugelstoßen besondere Schuhe gibt und sich die gekauft, um alle Mittel auszuschöpfen und das Bestmögliche herauszuholen.“ Quasi eine Belohnung für ihren Titel hat die Kaldenkirchenerin schon in der Tasche. „Luzie darf als Praktikantin im nächsten Jahr mit zu den Olympischen Paraspielen nach Tokio, um zu erleben, wie es bei einer solchen Veranstaltung zugeht“, weiß der stolze Vater zu berichten.

Doch da stellt sich dann glatt die Frage, warum als Praktikantin und nicht selber als Teilnehmerin? „Das wäre dann natürlich der Optimalfall“, antwortet Maesmanns mit einem Lächeln. Vielleicht hilft es ja, dass die junge Sportlerin demnächst in das Sportinternat von Bayer Leverkusen einzieht, um dort ihr Abitur zu machen und unter den Fittichen der ehemaligen Weltklasse Speerwerferin Steffi Nerius weiter sportliche Fortschritte zu machen. Doch für die Familie Maesmanns ist das nicht alles. „Luzie hat gezeigt, dass man trotz Behinderung Ziele erreichen kann. Sie ist dadurch motivierter, engagierter und eigenständiger geworden“, sagt Stefan Maesmanns. Für ihn spielt der Sport in Sachen Inklusion eine wichtige Rolle. Das zeigt auch seine Tochter.

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