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Tennis: Tennis-Mutter Gerlach hat keine Zeit fürs Sofa

Tennis : Tennis-Mutter Gerlach hat keine Zeit fürs Sofa

Man stelle sich vor, man ist 71 Jahre alt, hat sein Leben lang gearbeitet. Wie sähe dann wohl ein normaler Tag aus? In Ruhe mit dem Partner frühstücken, ausgiebig die Zeitung lesen und den Ruhestand genießen? Eine schöne Vorstellung, aber für Heidi Gerlach von der Tennisgemeinschaft Waldniel undenkbar.

Gerlach ist im Dezember 1940 geboren und seit mittlerweile 49 Jahren Mitglied bei der TG Waldniel. Sie ist Mitglied des Ehrenrates des Tennisvereins und hat beinahe jede Höhe als auch Tiefe miterleben können. Die Tennisgemeinschaft ist auch ein Stück Gerlach. Als sie am 1. Januar 1963 in den Verein eintrat, war ihr Mann bereits ein Jahr dort im Vorstand aktiv. Sie selbst hatte immer ein Herz für die Jugendabteilung des Vereins und immer ein offenes Ohr. Ihr erstes Medenspiel bestritt sie erst nach fünf Jahren im Verein. "Das war eben damals so", erinnert sich die 71-Jährige heute.

Doch von ihrem ersten Spiel an für Waldniel machte sie sich gleich einen Namen. Sie war mit Leib und Seele dabei, natürlich war sie auch mit dem nötigen Talent gesegnet. Gerlach spielte in der ersten Damenmannschaft des Vereins und wurde 1975 Klubmeisterin im Einzel und im Doppel. Noch heute steht die Mutter von zwei Kindern auf dem Tenniscourt. Wer jedoch jetzt denkt, dass sie in der Altdamenriege spielt, irrt sich gewaltig. Die von Teamkollegen als offenherzige, fröhliche und lebensweise bezeichnete Frau spielt gemeinsam mit ihrer Tochter bei den Damen 40 — und das nach wie vor sehr erfolgreich.

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Gerlachs Drang, Tennis zu spielen, gipfelte 1966 darin, als sie schwanger ein Forderungsspiel ohne Mühe mit 6:0 und 6:1 gewann. Live dabei war so gesehen ihr zweites Kind — Sohn Axel. Wenn sich Gerlach heute an die Zeit zurückerinnert, dann wird einem bewusst, welchen Fortschritt die Latein- und Englisch-Lehrerin miterlebt hat: "Damals war die Klubanlage eher dürftig ausgestattet. Wir hatten Container als Klubhaus und eine 'Pommes-Frites-Bude', eine stallartige kleine Hütte als Umkleidekabine. Von sanitären Anlagen reden wir erst gar nicht." Und dennoch hätten die Mitglieder immer viel Spaß beim Sport und Feiern gehabt.

Dieser Spaß ist bis heute bei der Tennisgemeinschaft zu sehen. Die Anlage ist moderner, das Klubhaus verdient seinen Namen mittlerweile und sanitäre Anlagen sind nun auch vorhanden. Rund 250 Mitglieder zählt der Verein heutzutage. Viele Veränderungen also bei der TG Waldniel. Nur Heidi Gerlach bleibt. Die "Mutter", wie sie von den Jugendlichen genannt wird, denkt noch nicht ans Aufhören. Sei es in ihrem Beruf als Lehrerin an der Anne-Frank-Gesamtschule oder bei der TG Waldniel. Für ruhige Tage auf dem Sofa hat sie schließlich noch Zeit genug.

(rüb)