Leichtathletik: Talente verlassen ASV Süchteln und hinterlassen offene Fragen

Leichtathletik : Talente verlassen ASV Süchteln und hinterlassen offene Fragen

Bessere Rahmenbedingungen für Nachwuchssportler sind das Ziel der Süchtelner und des KSB.

Einen mächtigen Aderlass muss aktuell die Leichtathletik-Abteilung des ASV Süchteln verkraften, obwohl sie mit ihrer Anlage im Sportpark Süchtelner Höhen zu den am besten ausgestatteten Vereinen im Grenzland gehört. Doch auch das kann nicht verhindern, dass einige ihrer besten Nachwuchsathleten ab dem 1. Januar die Trikots eines neuen Vereins überstreifen. Auch solchen Fällen hatte der Kreissportbund Viersen (KSB) mit seiner Initiative zur Leistungssportförderung aus dem vergangenen Jahr entgegenwirken wollen. Ein Teil davon ist, dass der Dülkener Volker Groß, Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr in Essen, Vereine mit seinem Know-how unterstützen könnte, um im Idealfall bessere Rahmenbedingungen für Talente zu schaffen.

Einer, der den ASV verlässt ist der 15-jährige Nick Kämpgen, unter anderem Deutscher U 16-Vizemeister über 3000 Meter. Bei ihm war schon frühzeitig bekannt, dass er zum LAZ Mönchengladbach geht. Nun zieht es aber auch den 17-jährigen Billah Tchagandi weg, er schließt sich dem LAV Bayer Uerdingen an. Er verfehlte in dieser Saison knapp die Qualifikation über 100 Meter für die Jugend-DM. Das Sprinttalent hat aber auch großes Potenzial in Weit- und Dreisprung. "In Uerdingen habe ich bessere Möglichkeiten und kann in der Mannschaft starten", erklärt Billah Tchgandi. Die Uerdinger verfügen über eine Leichtathletikhalle, die es ermöglicht, ganzjährig zu trainieren. Die 14-jährige Lorena Hilscher, die in diesem Jahr an der Block-Fünfkampf-DM teilnahm, sieht in Krefeld ebenfalls bessere Perspektiven. Des Weiteren wechseln auch Jannik Ferfers und Tabea Schneider nach Uerdingen.

Zumindest Vordergründig nehmen die ASV-Trainer Anna Penski und ihr Mann Tim, gleichzeitig Abteilungsleiter, die Abgänge recht entspannt: "Wir wünschen ihnen beim neuen Verein alles Gute." Was sie allerdings nicht verstehen, ist das Wechselprozedere. Es gab keine persönlichen Gespräche, sondern die ganze Abwicklung mit Uerdingen lief über E-Mail und Post, obwohl es bei diversen Veranstaltungen Begegnungen mit Trainern und Übungsleitern gab. Auch im Gesamtverein ist der Abschied der Talente ein Thema, wobei Geschäftsführer Björn Siegers den Vorgang nicht dramatisieren möchte: "Irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Verein wie Bayer besser förden kann." Gleichwohl betont er, dass dem ASV daran liegt, diesen Punkt möglichist lange hinauszuzögern. "Denn es ist schade, wenn die Leistungsträger mit ihrer Vorbildfunktion gehen", sagt Siegers und schlägt vor: "Dann müssen wir uns fragen, was wir in Zukunft ändern müssen, um bessere Bedingungen zu schaffen." Genau da setzt auch die KSB-Initiative an. "Wir können nur strukturell unterstützen und die Basis schaffen", sagt KSB-Geschäftsführerin Klaudia Schleuter und verweist auf das "Kreis Viersener Modell" an den Grundschulen, mit dessen Hilfe den Vereinen mehr Zulauf beschert werden soll. Dass die Resonanz auf das Angebot des Trainingswissenschaftlers Volker Groß bisher sehr gering war, betrübt sie sehr. "Da wollen wir im neuen Jahr noch mal gezielt auf die Vereine zugehen, um Hemmschwellen abzubauen."

Derweil bekommt der ASV aber auch wieder Zulauf, Veronika Weuthen und Zaynab Abdelkarim kommen von der LG Viersen. Die LG wiederum freut sich über die Rückkehr von Michele Klocke, die für den SC Preußen Münster startete und dort ein Sportinternat besuchte.

(RP)
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