Taekwondo: Trainer Björn Pistel ist von Madeline Folgmann überzeugt

Interview mit Björn Pistel : „Olympia 2020 bleibt ein Thema“

Der Heimtrainer der Nettetaler Taekwondo-Kämpferin Madeline Folgmann spricht über die Form seiner Athletin.

Kämpferin Madeline Folgmann von der TG Jeong Eui Nettetal ist am vergangenen Wochenende beim Grand-Prix im bulgarischen Sofia gleich in der ersten Runde ausgeschieden. Insgesamt liefen die bisherigen drei Grand-Prix-Veranstaltungen mit Weltklasse-Beteiligung nicht gerade optimal für die 22-Jährige. Ihr Heimtrainer Björn Pistel begleitete Folgmann nach Bulgarien. Im Interview mit der RP schildert er, wie es um die Form seiner Kämpferin sowie die Olympia-Chancen im kommenden Jahr steht.

Konzentrierter Blick: Björn Pistel von der TG Jeong Eui Nettetal ist der Heimtrainer von Madeline Folgmann. Foto: TG Jeong Eui Nettetal

Herr Pistel, was ist mit dem Vorrunden-Aus in Sofia passiert?

Pistel Was soll sein? Sie hat die Vorrunde gegen eine starke Chinesin nicht überstanden. Gerade auch deshalb richtet sie als bestplatzierte deutsche Athletin den Blick weiter nach vorne.

Wie ist Madeline Folgmanns Kampf in Bulgarien gelaufen?

Pistel Es lief nicht gerade gut, aber trotzdem mit guten Ansätzen. Im ersten Kampf beim dritten Grand Prix des Jahres bekam Madeline mit der groß gewachsenen Chinesin Zongshi Luo gleich ein schweres Los. Die ersten beiden Runden kämpfte Madeline stark. Sie setzte der Asiatin mit ihrer Faust und im Infight gut zu und parierte zeitgleich die Angriffe von Zongshi Luo.

Warum hat es trotzdem nicht gereicht?

Pistel Nach der zweiten Runde stand es 4:6. Madeline ging ambitioniert in die letzte Runde. Hier kam die Chinesin dann zweimal zur Weste durch. Und Madeline musste aufmachen. Sie schaffte es aber nicht, anders als in den beiden Runden zuvor, genügend Angriffe und gefährliche Situationen zu kreieren, um den Kampf doch noch zu drehen. Am Ende musste sie sich mit 4:12 geschlagen geben. Im Übrigen warf Zongshi Luo gleich in ihrem nächsten Kampf die Weltrangliste-Erste Jade Jones mit zehn Punkten Vorsprung aus dem Turnier.

Wo liegt das Problem bei Madeline, dass es erneut nicht so lief?

Pistel Wir können es nicht erklären. Zurzeit will es ihr einfach nicht gelingen, sich für ihre Leistungen zu belohnen.

Sind sie trotzdem zuversichtlich?

Pistel Ja, natürlich. Das wird wieder kommen. Davon sind wir beide mehr als überzeugt. Die kontinuierliche harte Trainingsarbeit mit ihr trägt Früchte und zahlt sich auf lange Sicht aus. Dann stellen sich sicherlich bei ihr die gewünschten Resultate wieder ein.

Wie geht es nun für sie weiter?

Pistel Schon früh in diesem Jahr machte sie ihre Hausaufgaben und holte die erforderlichen 40 Punkte, die es bei großen G1/2-Turnieren zu sammeln gilt. In der zweiten Hälfte des Jahres ging darum, sich mit den Top-Athleten der Welt bei der Grand-Prix-Serie zu messen. Hier muss alles passen. Das Niveau unter den Top 32 der Olympischen Gewichtsklassen ist extrem hoch. Leichte Vorrunden gibt es nicht. Sie arbeitete sich in den letzten Jahren in den Kreis der Top-Athleten der Grand-Prix-Serie vor und etablierte sich dort. Sie hat in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge die Chance auf den finalen Grand Prix G8 der besten 16 Athleten der Welt. Das Finale ist in diesem Jahr in Moskau. Seit drei Jahren hält sie sich in diesem erlesenen Kreis auf. Das zeugt von kontinuierlicher harter Arbeit in allen Segmenten. Auch wenn in diesem Jahr der große Clou noch ausgeblieben ist, zeigte Madeline immer Leistung. Sonst hätte sie sich im Kreis der Besten nicht halten können.

Ist für Madeline Folgmann die Olympiateilnahme 2020 in Japan weiterhin ein Thema?

Pistel Ja, natürlich. Aber das geht nicht mehr über die direkte Qualifikation – über die Rangliste. Jetzt müssen wir uns empfehlen für die kontinentale Qualifikation. Hierfür nominieren die Bundestrainerin Yeon-Ji Kim und der Leistungsausschuss der Deutschen Taekwondo-Union zwei Damen. Sie entscheiden, welche zwei Gewichtsklassen letztendlich nach Olympia fahren.

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