Starke Konkurrenz für Union Nettetal in der Oberliga

Fußball : Die stärkste Oberliga in Deutschland?

Am Sonntag beginnt für den Aufsteiger SC Union Nettetal mit dem Spiel bei den SF Baumberg das Abenteuer Fußball-Oberliga. Der Weg zum angepeilten Klassenverbleib verspricht hart zu werden. Die Konkurrenz hat es in sich.

Seit der Fußball-Verband Niederrhein im Jahr 2012 die höchste Spielklasse in seinem Zuständigkeitsbereich von Niederrheinliga in Oberliga Niederrhein umbenannte, war dort noch nie eine Mannschaft aus dem Grenzland mit von der Partie. Durch den Aufstieg des SC Union Nettetal gehört dieser Makel der Geschichte an, die Mannschaft von Trainer Andreas Schwan startet am Sonntag bei den SF Baumberg. Klar, dass mit der neuen Spielklasse viele Gegner auf die Nettetaler zukommen, mit denen sie bislang noch nicht die Klingen gekreuzt haben. Wir werfen einen Blick auf die Konkurrenz. So viel aber schon mal vorab: Wenn es nach Trainer-Routinier Manfred Wölper geht, aktuell für ETB SW Essen verantwortlich, dürfte auf die Nettetaler eine ziemlich harte Saison zukommen. Denn er verriet kürzlich dem Reviersport: „Ich denke, die Oberliga Niederrhein ist die stärkste Oberliga Deutschland.“

Die Ex-Zweitligisten Sie lässt sich zwar nicht beweisen, doch ETB SW Essen selbst trägt mit seiner großen Vergangenheit und seinem großen Potenzial ein ordentliches Stück zu Wölpers Einschätzung bei. Der große Rivale von RW Essen feierte in seinem Stadion am Uhlenkrug schon etliche Fußballfeste, war von 1970 bis 1974 sogar schon mal in der 2. Bundesliga Nord dabei. Danach kickten die Essener 30 Jahre in der Oberliga Nordrhein und versuchen seit 2012, sich aus der Oberliga Niederrhein wieder empor zu arbeiten. Vergangene Saison reichte es zu Platz sechs, dieses Mal soll es weiter noch oben gehen, gegen einen Aufstieg hätte niemand im Verein etwas. Für Zuversicht sorgte auch ein starker Testspielauftritt in der Vorbereitung gegen den Bundesligisten Schalke 04 (0:1). Ähnlich wohlklingend wie der Uhlenkrug ist das Stadion am Hünting. Dort ist der 1. FC Bocholt zu Hause, der in den 1970er und 1980er Jahren auch in der 2. Bundesliga Nord kickte, zwei Spielzeiten. Ansonsten war der Verein Dauergast in der Regionalliga West und Oberliga Nordrhein. Nach zwischenzeitlichen Abstürzen in die Landesliga geht der Traditionsverein jetzt in sein fünftes Jahr in der Oberliga Niederrhein und strebt auch wieder nach Höherem. Doch nach einer enttäuschenden Vorsaison, die nach zwischenzeitlicher Abstiegsgefahr nur auf Rang zehn endete, ist Trainer Manuel Jara sehr vorsichtig in Sachen Saisonziel. Zumal er zwölf neue Spieler integrieren muss. Prominentester Zugang ist Daniel Neustädter. Der Bruder des ehemaligen Mönchengladbacher und Schalker Bundesligaprofis Roman Neustädter kam vom Regionalligisten SG Wattenscheid.

Die klangvollen Namen Neben Essen und Bocholt gibt es noch einige Vereine, die eine nicht ganz so große Vergangenheit wie die Ex-Zweitligisten vorweisen können, die sich im Laufe der Jahre aber dennoch überaus klangvolle Namen im Amateurfußball erarbeitet haben. Dazu gehört der VfB Homberg, der auf fünf Spielzeiten in der Oberliga Nordrhein und zwei in der inzwischen ebenfalls abgeschafften NRW-Liga zurückblicken kann. Kein Wunder also, dass der Blick bei den Duisburgern eher nach oben gerichtet ist. Vergangene Saison kamen sie als Dritter ins Ziel. Trainer Stefan Janßen will sein Team mit Forderungen nach einer erneuten Topplatzierung aber nicht unter Druck setzen. „Vor diesen Karren lasse ich mich nicht spannen“, sagte er dem Reviersport. Die Vorbereitung verlief allerdings ohne Niederlage, und auch die Generalprobe im Niederrheinpokal (3:2 gegen Wachtendonk/Wankum) gelang. Die SSVg. Velbert spielte bis 2016 noch in der Regionalliga und schloss die Vorsaison auf Rang acht ab. In der neuen Spielzeit soll’s wohl etwas mehr werden, denn in Ex-Profi Alexander Voigt wurde ein ambitionierter Coach verpflichtet, zudem wurden drei Spieler mit Regionalligaerfahrung geholt. Unter anderem der frühere Amerner Leroy Mickels, der auch schon für Borussias U23 kickte. Insgesamt vier Spielzeiten in der Oberliga Nordrhein kann der VfB Speldorf vorweisen, verschwand zwischenzeitlich aber immer wieder mal in der Landesliga. Nach der Rückkehr in die Oberliga Niederrhein reicht es im ersten Jahr zu Rang zwölf. Mit Hilfe einiger Neuzugänge wollen die Spedorfer einstellig werden. Königstransfer ist der gebürtiger Mülheimer Arman Corovic, der zuletzt für Greuther Fürth in der Regionalliga spielte. Germania Ratingen ist seit 1997 immer oberhalb der Landesliga anzutreffen, vier Jahre sogar in der Oberliga Nordrhein. Die Mannschaft aus der Vorsaison (Platz 7) wurde qualitativ verstärkt, so dass sie mit zum Favoritenkreis auf den Titel zählt. Prominentester Zugang ist der inzwischen 30-jährige Moses Lamidi, der schon Erst- und Zweitligaeinsätze Borussia Mönchengladbach, Karlsruher SC und FSV Frankfurt vorweisen kann. Als Nordrhein-Oberligist viele Jahre die zweite Kraft in der Landeshaupstadt hinter Fortuna war TuRU Düsseldorf, deren Glanz inzwischen aber ein wenig verblasst ist. Vergangene Saison reichte es auf Rang 14 gerade noch so zum Klassenverbleib. Nachhaltig auf sich aufmerksam machte der 1. FC Kleve, als er nach fünf Jahren in der Oberliga Nordrhein unter Trainer Arie van Lent 2008 in die Regionalliga West aufstieg, danach aber wegen finanzieller Probleme bis in die Landesliga abstürzte. Jetzt geht es nach dem Aufstieg zunächst darum, sich in der Oberliga Niederrhein zu etablieren.

Die Etablierten Die SpVg. Schonnebeck geht in ihre vierte Oberliga-Saison. Und weil sie sich vorige Saison bis zuletzt mit dem SV Straelen ein heißes Rennen um den Regionalliga-Aufstieg lieferte und am Ende Zweiter wurde, zählt sie automatisch wieder zu den Titelkandidaten. Doch nach dem überraschenden Aus im Niederrheinpokal beim Landesligisten MSV Düsseldorf will Trainer Dirk Tönnies davon nichts wissen. Überraschen konnten auch die SF Baumberg, die in ihrer fünften Oberliga-Saison Vierter wurden. Vor dem sechsten Jahr in der fünften Liga gibt’s aber Probleme mit dem Trainer. Andreas Franke, erst im Juni gekommen, dankte in dieser Woche aus beruflichen Gründen ab. Als Interimslösung, also auch im ersten Spiel gegen Nettetal, wird der Sportlicher Leiter Redouan Yotla den Trainerposten übernehmen. Etabliert sind sicher auch der VfB Hilden (6. Oberliga-Jahr in Folge), der TV Jahn Hiesfeld (7.), der vorige Saison lange um den Aufstieg mitspielte, und der SC Düsseldorf-West (4.). Ein Sonderfall ist der TSV Meerbusch. Der Fusionsklub spielte ab 2012 zunächst zwei Jahre in der Oberliga Niederrhein, stieg dann überraschend ab, reparierte den Schaden aber gleich. Ein normaler Aufsteiger ist der TSV deshalb nicht, zumal Spieler wie der aus Viersen stammende Robert Fleßers (Bundesliga-Einsätze bei Borussia Mönchengladbach und viele Jahre beim Regionalligisten RW Oberhausen) und Dennis Dowidat (zuletzt Regionalliga Wuppertaler SV) verpflichtet werden konnten.

Fußball. Saison 2018/2019. Foto: Frank Langen

Die Emporkömmlinge In dieser Kategorie gehören naturgemäß die weiteren Aufsteiger Union Nettetal, SC Velbert und FSV Duisburg, die alle das erste Mal in der Oberliga Niederrhein auflaufen. Immerhin können die Nettetaler schon auf vier Jahre in der früheren Verbandsliga als Klasse oberhalb der Landesliga verweisen. Der 1. FC Monheim geht in sein zweites Oberliga-Jahr.