Stadion des Rheydter SV mit einer bewegten Geschichte

Fußball : Tschö, RSV-Stadion!

1921 erfolgte der Spatenstich, 1922 wurde die Arena an der Jahnstraße eingeweiht. Nun weicht sie dem künftigen Campus-Park Rheydt. Ein Rückblick auf ein bewegtes Stück Mönchengladbacher Sportgeschichte.

Der Rheydter Spielverein, liebevoll „Spö“ genannt, ist ein Traditionsverein, am 21. Dezember wird er 114 Jahre alt. Der Klub wird nun einen Einschnitt erleben: „Sein“ Stadion an der Jahnstraße wird umgebaut. Künftig hat der RSV seine Heimat im Campus-Park Rheydt. Die alte Kult-Arena war zuletzt im wieder das Ziel von Groundhoppern und Fußballromantikern. Sie wurde 1922 eröffnet und ist ein bewegtes Stück Gladbacher Sportgeschichte.

Auf der Hehner Rennbahn fand 1899 das erste Fußballspiel auf heutigem Mönchengladbacher Boden statt. Ein Jahr später wurden in der damaligen Stadt Rheydt erste Versuche unternommen, auch dort Fußball zu spielen. Aber erst Adolf Kempken brachte 1903 nach seinem England-Aufenthalt den Ball ins Rollen. 1905 wurde im Hotel Reichert der Rheydter Spielverein gegründet. Im darauffolgenden Jahr erfolgte die Aufnahme in den Rheinisch-Westfälischen Spielverband. Die ersten Erfolge stellten sich bereits 1908 ein. Zuerst musste die Stadt Rheydt nach einem Einspruch bei der Landesregierung die erhobene „Lustbarkeitssteuer“ - der heutigen Vergnügungssteuer, aufheben. Aus den Lehrer-Seminaren Odenkirchen und Rheydt stammte die erste Elf, die gleich die Bezirksmeisterschaft holte.

Hennes Weisweiler war vor seiner Borussia-Zeit auch RSV-Trainer. Foto: Ja/Archiv Staubesand/RSV

Direkt nach dem Ende des ersten Weltkrieges wurde der Spielbetrieb auf einem Sand- und Aschenplatz an der Watelerstraße wieder aufgenommen. 1920 folgte der Aufstieg in die Gauliga. Zugleich wurde seitens des Vorstandes über den Erwerb eines Spielgeländes verhandelt. Im darauffolgenden Jahr gewann der RSV die Gau-Meisterschaft gegen BC Köln, den heutigen 1. FC Köln. Der Spatenstich zum Bau eines Stadions erfolgte ebenfalls 1921. 1922 wurde die Gau-Meisterschaft erneut errungen und das Stadion an der Jahnstraße eingeweiht.

Der nächste Höhepunkt folgte 1923 mit dem dritten Titel in Folge als Rheingau-Meister und dem Gewinn des Rheingau-Pokals. Weitere zwei Jahre später wurde dann die Tribüne mitsamt Klubhaus, Geschäftszimmer und Umkleidekabinen eröffnet. 1948 erfolgte der Ausbau der Tribüne, das Fassungsvermögen wurde von 25.000 auf über 30.000 Zuschauer erhöht. Der Gewinn der Westkreismeisterschaft unter dem ersten hauptamtlichen Trainer Max Breunig war noch das Sahnehäubchen. Baumgartner ersetzte 1928 Breunig als Trainer und wurde 1930 von Ferdl Swatosch abgelöst. Swatosch blieb aber nur ein Jahr. 1931 kam Sepp Höger und blieb vier Jahre, um das Amt 1935 an Schorsch Hochgesang weiterzugeben. Zwischenzeitlich wurde 1933 Willi Beines sen. 1. Vorsitzender des Klubs, ehe er 1937 bei einem Unfall ums Leben kam.

Internationales Flair an der Jahnstraße: Am 26. Mai 1952 spielte der „Spö“ gegen die Profis vom englischen Erstligisten Blackburn Rovers. Es gab vor 8000 Zuschauern nach begeisterndem Spiel seinen 4:3-Erfolg. Foto: Ja/Archiv Staubesand/RSV

Die Nachkriegsjahre waren wechselhafter. Es gab einige (Vize-) Meisterschaften: 1947, 1948 Niederrhein-Meister, 1970 Vize-Amateurmeister hinter dem SC Jülich, 1990 Vize-Amateurmeister hinter dem SV Salmrohr. Einen Höhepunkt gab es 1953. Am 26. Mai spielte der „Spö“ in Freundschaft gegen die Profis vom englischen Erstligisten Blackburn Rovers und siegte vor 8000 Zuschauern nach begeisterndem Spiel mit 4:3.

Auch Tränen wurden zahlreich vergossen. Da wären die Abstiege 1952 in die 2. Division, 1954 aus der Oberliga, 1960 aus der 2. Liga West in die Verbandsliga Niederrhein und 1975 in die Landesliga. Bei Aufstiegen gab es Freudentränen: 1953 in die Oberliga mit Hennes Weisweiler als Trainer, 1978 in die Verbandsliga (Trainer Rudi Pöggeler), 1986 Verbandsliga (Trainer Peter Schleuter).

Gegen Hamborn kamen 1988 5000 Zuschauer ins RSV-Stadion. Sie sahen eine 2:4-Niederlage des „Spö“. Foto: Ja/Archiv Staubesand/RSV

Die 2000er begannen mit vielen Rückschlägen. In Kurt Kahle verlor der Verein seinen Gönner, der beim Concorde-Absturz starb. 2002 der Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit, der ein Jahr später zu den Akten gelegt wurde, da Horst Imdahl und seine Mitstreiter eine Einigung mit den Gläubigern erzielten. Der RSV stieg 2003 aus der Oberliga und 2005 aus der Verbandsliga ab. Nach einem Jahr Landesliga ging es in die Bezirksliga.

Noch schlimmer traf es den „Spö“ in den Spielzeiten 2013/14 und 2014/15, als er von der Landesliga in die Kreisliga A abrutschte. Im nunmehr dritten Jahr der Bezirksligazugehörigkeit sollen mit der neuen Anlage auch wieder höhere Ziele angepeilt werden. Zuschauerzahlen wie in den 1950er Jahren (nach Vereinsangaben inoffiziell fast 50.000 gegen Schalke) wird die altehrwürdige Tribüne, auch wenn sie stehen bleibt, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben.